Online
07.05.2008
Dr. Johannes F. Lambertz: Der Neue |
Dr. Johannes F. Lambertz wurde 1949
in Kerpen (Rheinland) geboren. An
seine Maschinenschlosserlehre und
Tätigkeit als Konstrukteur schloss er
ein Diplomstudium der Kernverfahrenstechnik
an der Fachhochschule
Aachen an. Darauf sattelte er ein
Maschinenbaustudium mit dem
Schwerpunkt Kraftwerkstechnik an
der RWTH Aachen auf. An der gleichen
Hochschule arbeitete er sechs Jahre
als Assistent am Institut für Turbomaschinen
und promovierte.
Herr Dr. Lambertz, Sie haben nach Ihrer
Maschinenschlosserlehre ein Diplomstudium
der Verfahrenstechnik und ein
Diplomstudium des Maschinenbaus
erfolgreich abgeschlossen. Inwieweit
profitieren Sie heute als Vorstandsvorsitzender
des größten deutschen Stromerzeugers
von dieser breiten technischen
Ausbildung?
RWE Power ist ein technikgetriebenes
Unternehmen, und deshalb ist auch in
meiner heutigen Funktion ein fundierter
Hintergrund überaus hilfreich. Wichtig
ist, dass man bei allem theoretischen
Wissen, das die Universität vermittelt,
auch ein Gefühl für die Praxis behält.
Zudem: Technik war für mich immer
mehr als eine Pflichtübung – ich habe
mich in meinem gesamten Berufsleben
mit Sachverhalten, die die Funktionsweise
unserer Anlagen und Innovationen
betreffen, intensiv auseinandergesetzt.
Laut Spiegel Online rechnet RWE mit
einer Kapazitätslücke von mindestens
30 Gigawatt ab dem Jahr 2015. Wie wollen
Sie die Lücke schließen?
Bereits in den nächsten Jahren müssen
in Deutschland und in Europa Kraftwerkskapazitäten
in erheblichem
Umfang ersetzt werden. In Europa muss
angesichts des steigenden Strombedarfs,
insbesondere in Osteuropa, sogar
zugebaut werden. Wir in Deutschland
sollten dabei auch künftig auf einen
breiten Energiemix setzen. Konkret:
Neben dem notwendigen Ausbau der
regenerativen Energien, den wir bei RWE
vorantreiben, müssen auch die fossilen
Energieträger und die Kernenergie einen
festen Platz in diesem Mix haben. Nur
so können wir die Zielsetzung Versorgungssicherheit,
Wirtschaftlichkeit und
Umweltverträglichkeit auch künftig
erreichen. RWE will hierzu einen wichtigen
Beitrag leisten: Bis 2012 werden wir
allein in Deutschland rund fünf Milliarden
Euro für neue Kraftwerke investieren.
Der Energiemix von RWE Power enthält
einen Kernenergieanteil von rund 25
Prozent. Welche Auswirkungen hätte
ein Ausstieg auf den Klimaschutz?
Wir halten den Ausstieg aus der Kernenergie
insbesondere vor dem Hintergrund
der CO2-Einsparung für falsch.
Mit dieser Meinung stehen wir nicht
alleine. In einer aktuellen Umfrage
haben sich 49 Prozent der Bevölkerung
für eine Laufzeitverlängerung der Kernkraftwerke
ausgesprochen, nur 44 Prozent
lehnen sie ab. Auch das EU-Parlament
hält die Kernenergie für einen
unverzichtbaren Bestandteil einer kosteneffizienten
Klimaschutz- und Energieversorgungsstrategie.
Ich hoffe, dass
diese guten Argumente hierzulande zu
einem Umdenken in der Politik führen.
Durch die Nutzung der Kernenergie in
Deutschland werden jedes Jahr 150 Millionen
Tonnen CO2 vermieden. Das entspricht
den Emissionen des gesamten
Straßenverkehrs in unserem Land.
2010 will RWE Power ein neues BoA-Kraftwerk
mit einem Wirkungsgrad von
43 Prozent in Betrieb nehmen. Welche
Maßnahmen haben Sie noch im Visier,
um diesen Energieträger zukunftsfähig
zu machen?
Die BoA-Doppelblockanlage, die wir in
Neurath errichten, wird das modernste
Braunkohlenkraftwerk der Welt. Mit
einem Wirkungsgrad von über 43 Prozent
spart die 2100 MW-Anlage jährlich
rund sechs Millionen Tonnen CO2 im
Vergleich zu Altanlagen ein. Doch wir
bleiben bei diesem Stand der Technik
nicht stehen. Durch die Vortrocknung
der Braunkohle, die wir in einer von uns
entwickelten Wirbelschichttrocknungsanlage
erproben wollen, werden wir den
Wirkungsgrad um weitere vier Prozentpunkte
steigern. Das heißt, für die gleiche
produzierte Strommenge brauchen
wir deutlich weniger Kohle als bisher.
Zudem arbeiten unsere Ingenieure
daran, das CO2 im Kraftwerksprozess
abzutrennen und langfristig zu speichern,
damit es nicht mehr in die Atmosphäre
abgegeben wird. Mit dem sogenannten
IGCC-Verfahren und der
CO2-Wäsche können bis zu 90 Prozent
der CO2-Emissionen bei der Kohleverstromung
vermieden werden. Um sie
zur Marktreife zu bringen, wollen wir
über eine Milliarde Euro investieren.
Allerdings muss die Politik einen sicheren
Rechtsrahmen für den Transport und
die Speicherung von CO2 schaffen sowie
gemeinsam mit uns für die Akzeptanz
dieser Technik in der Bevölkerung sorgen.
Welchen Stellenwert haben technische
Innovationen für die Zukunft Ihres
Unternehmens?
Alle Innovationen, die zur Erhöhung der
Effizienz und zur Entlastung des Klimas
beitragen, haben eine immense Bedeutung.
Unser Fokus in der Stromerzeugung
liegt dabei zum einen auf Technologien
zur CO2-Vermeidung und
-Speicherung. Zum anderen spielen Themen
wie neue Speichermöglichkeiten
eine wichtige Rolle. Mit General Electric
haben wir gerade eine Vereinbarung
unterzeichnet, um gemeinsam ein
Druckluftspeicherkraftwerk auf den Weg
zu bringen.
In welchen Bereichen will RWE Power
sein Wachstum intensivieren?
Die Energieversorgung wird zunehmend
ein europäisches Thema. Dementsprechend
haben wir unsere Aktivitäten ausgerichtet,
wenngleich unser Kernmarkt
Deutschland bleibt. Dabei lassen wir keinen
Energieträger aus: So wollen wir
uns am Bau neuer Kernkraftwerke, zum
Beispiel in Rumänien oder Bulgarien
beteiligen. Und in den Niederlanden ist
die Errichtung eines neuen Kohlenkraftwerks
geplant.
Wie definieren Sie Karriere?
Etwas bewegen, etwas vorantreiben –
das war stets meine berufliche Triebfeder.
Wer dabei klare Zielvorstellungen
hat, nie aufhört, sich selbst zu entwickeln,
und sich selbst dabei treu bleibt,
der wird seinen Weg machen. Bei RWE
gibt es hierfür derzeit zahlreiche Möglichkeiten:
Für die Bereiche Kraftwerksneubau
und -optimierung sowie die
Schwerpunkte Klimaschutz und regenerative
Energien suchen wir Diplom-Ingenieure
und Diplom-Wirtschaftsingenieure
aus allen Fachbereichen. Informationen
hierzu gibt es im Internet.
Hatten Sie schon zu Studienzeiten das
Ziel, in einer höheren Managementfunktion
tätig zu sein?
Berufliche Karrieren verlaufen nur in den
seltensten Fällen so geradeaus wie eine
Autobahn. Natürlich hatte ich schon
während des Studiums gewisse Vorstellungen,
wo und wie ich mich einbringen
will. Um davon eine Menge umzusetzen,
benötigt es aber neben allem Ehrgeiz,
Können und Engagement auch Glück.
Nämlich das Glück, zur richtigen Zeit an
der richtigen Stelle zu sein.
Würden Sie sich als zielstrebig
bezeichnen?
In der Tat, Zielstrebigkeit ist sicherlich
eine der wichtigsten Eigenschaften, um
erfolgreich zu sein. Zielstrebig sollte
aber nicht bedeuten, nur seinen persönlichen
Vorteil im Auge zu haben. Vielmehr
muss es darum gehen, inhaltliche
Ziele zu erarbeiten und diese dann zu
verfolgen. Von den Erfolgen, die sich
dann einstellen, profitieren beide Seiten:
das Unternehmen und der Einzelne persönlich.
Welche Eigenschaften muss ein Hochschulabgänger
mitbringen, um in höchste
Managementpositionen aufzusteigen?
Es ist besonders wichtig, seine Neugierde
auf Neues nie zu verlieren. Außerdem
sollte man sich nicht ausschließlich auf
sein Fachgebiet konzentrieren. Mein Rat:
sich möglichst breit aufstellen, dabei
auch gesellschaftliche und politische
Entwicklungen nie aus den Augen verlieren.
Ist die Bereitschaft zur räumlichen
Flexibilität Voraussetzung für eine gute
Karriere?
Es wird in Zukunft die Ausnahme bleiben,
ausschließlich an einem Ort, in
einem Unternehmen tätig zu sein. Flexibilität
– und nicht nur räumliche – hat
deshalb vor allem für Führungskräfte
einen hohen Stellenwert. Das ist aber
nicht per se etwas Negatives: Ein Neuanfang
in einer fremden Umgebung mit
veränderten Aufgaben ist eine besondere
Herausforderung, an der man persönlich
wachsen kann.
Welchen Stellenwert hat Auslandserfahrung
für die Karriere?
Die Welt wächst zusammen, Märkte
rücken enger aneinander. Da wird es
künftig noch wichtiger sein, andere Kulturen
oder Gesellschaftsformen zu kennen.
Wer die Chance hat, sich frühzeitig
durch Auslandsaufenthalte – sei es in
der Schul- , der Studien- oder den ersten
Jahren der Berufszeit – Erfahrung und
Wissen anzueignen, der sollte diese auf
jeden Fall nutzen. Das ist im gesamten
Berufsleben von Vorteil.