Top-Manager
23.12.2009
Heribert Pabst: Der Allrounder |
Er ist Wirtschaftsingenieur, Steuerberater und Wirtschaftsprüfer und leitet seit vier Jahren den Consultingbereich von Deloitte Deutschland. Er berät kleine und mittelständische Unternehmen ebenso wie internationale Konzerne. Im karriereführer spricht Heribert Pabst über wichtige Voraussetzungen für die Karriere, definiert er seine persönlichen Erfolgsfaktoren und rät er zur Authentizität. Das Interview führte Meike Nachtwey.
Zur Person Heribert Pabst
Heribert Pabst ist Geschäftsführer der
Deloitte Consulting Deutschland. Er war
von 1977 bis 1980 für ein Engineering-Unternehmen im Finanzbereich tätig.
Danach war er bis 1994 als Wirtschaftsprüfer
bei Arthur Andersen für die Prüfung
und Beratung internationaler
Unternehmen verantwortlich.
Bis 2002 war er Leiter der Andersen
Business Consulting in Stuttgart,
danach der Deloitte Consulting.
Die Beratungsschwerpunkte von Heribert Pabst liegen in den finanznahen Bereichen der Unternehmensteuerung insbesondere in den Themen „Finance Business Transformation“ und „Corporate Finance and Reporting/Management Information Systems“.
Vor seinem Eintritt ins Berufsleben studierte er Wirtschaftsingenieurwesen/Informatik und Operations-Research an der Universität Karlsruhe (TH) mit Abschluss Diplom-Wirtschaftsingenieur.
Herr Pabst, was fasziniert Sie am
Consulting?
Die Diversität der Kunden und der
Problemstellungen sind jeden Tag
eine neue Herausforderung. Das ist
spannend.
Was war Ihr außergewöhnlichstes
Beratungsprojekt?
Ich war an einem mehrjährigen Projekt
in Japan beteiligt. Dabei haben
wir einen großen deutschen Konzern
beim Ausbau seines Unternehmens
beraten. Besonders außergewöhnlich
und aufregend war dabei, mit Menschen
aus einer anderen Kultur
zusammenzuarbeiten. Ich musste
mich mit fremden Sitten und Gebräuchen
– im Privaten wie im Geschäftsleben
– auseinandersetzen und arrangieren.
Erzählen Sie uns, wie Sie zum Leiter
Consulting bei Deloitte aufgestiegen
sind?
Als Wirtschaftsingenieur war ich nach
dem Studium zunächst drei Jahre in
der Stahlindustrie tätig. Ich begann
dann aber, mich mehr für den Bereich
Wirtschaftsprüfung zu interessieren,
und habe sowohl einen Abschluss als
Wirtschaftsprüfer als auch als Steuerberater
gemacht. Anschließend habe
ich bei Arthur Andersen etwa zehn
Jahre internationale Unternehmen
geprüft, danach sechs Jahre die Praxis
„Mittelstandsberatung“ geleitet. Nach
dieser Zeit habe ich die Verantwortung
für den Bereich Business Consulting
in Stuttgart übernommen. 2002
erfolgte der Zusammenschluss von
Andersen Business Consulting mit
Deloitte. Seit 2005 leite ich den
deutschlandweiten Consultingbereich.
Was muss ein Hochschulabsolvent
heute tun, um Karriere zu machen?
Um Karriere zu machen, ist es wichtig,
bestimmte Voraussetzungen mitzubringen.
Man braucht vor allem
Durchhaltevermögen, da Consulting
ein sehr forderndes und zeitintensives
Geschäft ist. Man braucht darüber
hinaus viel Engagement und volle
Konzentration auf den Job. Die
Arbeitszeiten richten sich nach den
Erfordernissen der Kunden. Die Internationalität
des Consulting-Geschäftes
erfordert einen hohen Grad an
Mobilität und Reisetätigkeit. Darüber
hinaus bedarf es einer starken Persönlichkeit
und der Bereitschaft, schnell
Verantwortung zu übernehmen. Dies
alles und sein Privatleben unter einen
Hut zu bekommen, stellt im Tagesgeschäft
eine große Herausforderung
dar.
Wie wichtig sollte die Karriere im
Leben sein?
Wenn Sie ins Consulting wollen,
haben Sie nicht viele Optionen: Wenn
Sie Partner werden wollen, müssen
Sie hohes Engagement mitbringen.
Die Karriere muss Ihnen wichtig sein.
Wie definieren Sie Erfolg?
Als Consultingleiter definiere ich den
Erfolg zunächst über die Zufriedenheit
unserer Kunden; sie ist ein wichtiger
Gradmesser. Ebenso wichtig ist es
mir, dass wir möglichst vielen jungen
Leuten die Chance geben können, sich
bei uns zu entwickeln und Karriere zu
machen. Dafür ist es notwendig, dass
wir unser Geschäft kontinuierlich vergrößern.
Darüber hinaus sind wir
dann erfolgreich, wenn wir gemeinsam
eine motivierende Atmosphäre
im Unternehmen schaffen können, in
der die Mitarbeiter Spaß an der Arbeit
und eine hohe Identifikation mit
unserem Unternehmen entwickeln
können.
Wann hatten Sie Ihren letzten Rückschlag?
Rückschläge hat man, in unterschiedlicher
Intensität, jeden Tag – das
gehört zum Geschäft dazu. Man muss
sie als Tatsache akzeptieren und lernen,
im Tagesgeschäft damit umzugehen.
Welchen Fehler verzeihen Sie gerne?
Fehler, die im laufenden Geschäft passieren,
sind normal und erlaubt. In
unserem Geschäft zählt Erfahrung,
und Erfahrung sammeln unsere Mitarbeiter
nur durch Projektarbeit.
Unsere meist jungen Mitarbeiter können
Fehler machen, allerdings sollten
sie daraus lernen und den Fehler nicht
ein zweites Mal begehen.
Welche drei Eigenschaften müssen
Absolventen vorweisen und was
dürfen sie beim Training-on-the-Job
noch lernen?
Absolventen sollten sich mit ihrem
Studium breit aufstellen und intellektuell
offen sein. Ich halte wenig von zu
starker Spezialisierung während des
Studiums, da angelerntes Wissen
heutzutage nur noch eine begrenzte
Halbwertszeit hat. Eine gute und offene
Persönlichkeit mit hoher Sozialkompetenz
ist wichtig, damit sie sich
mit verschiedenen Leuten in unterschiedlichen
Situationen zurechtfinden.
Sie sollten mit einer realistischen
Erwartungshaltung ins Berufsleben
starten. Im Job lernen sie dann all das,
was Sie konkret für den Beruf brauchen.
Warum ist ein sehr guter Universitätsabschluss
für den Einstieg als Consultant
so wichtig?
Ein guter Abschluss zeigt, dass man
engagiert an einer Sache dranbleiben
kann und viel investiert hat. Ein guter
Abschluss ist aber nur ein Kriterium
von mehreren, denn es kommt auch
immer stark auf das gesamte Persönlichkeitsbild
an.
Wenn Sie heute nicht Consultant
wären, was wäre dann Ihr Beruf?
Klarinettist. Ich wollte Musiker werden.
Aber da das doch eher unter
„brotlose Kunst“ fällt, habe ich das
Ziel nicht weiterverfolgt.
Welche Ziele haben Sie persönlich für
2010?
Die schwierige Wirtschaftssituation
mit allen Mitarbeitern erfolgreich zu
meistern.
Haben Sie noch einen Karrieretipp für
unsere Leserinnen und Leser?
Man sollte auf jeden Fall seine Persönlichkeit
behalten und sich nicht verstellen.
Letztendlich setzt sich der
durch, der viel Rückgrat hat, der seine
Meinung versucht zu artikulieren, der
zu seiner Person steht. Man sollte auf
keinen Fall versuchen, etwas darzustellen,
was man nicht ist. Das wäre in
meinen Augen ein großer Fehler.
Wenn man 2010 etwas in der Zeitung
oder im Internet über Sie liest: Welche
Nachricht wäre das?
Deloitte stellt wieder viele gute junge
Leute ein.
Das Unternehmen
Gründer und Namenspatron des heutigen internationalen Verbundes der Deloitte- Mitgliedsfirmen ist William Welch Deloitte, der sich 1845 als „Public Accountant“, also als öffentlich bestellter Buchhalter in England selbstständig machte. In Deutschland führte die Einführung einer gesetzlichen Pflichtprüfung 1889 zu einer schnellen Verbreitung von Wirtschaftsprüfungsgesellschaften, zu ihnen gehörte auch die 1907 in München gegründete „Bayerische Revisions- und Vermögens-Verwaltungs-AG“ (ab 1912: „Süddeutsche Treuhandgesellschaft AG“), eine der Wurzeln von Deloitte Deutschland.Heute erbringt das Unternehmen mit einem Netzwerk von Mitgliedsgesellschaften in 140 Ländern Dienstleistungen aus den Bereichen Wirtschaftsprüfung, Steuerberatung, Consulting und Corporate Finance für Unternehmen und Institutionen aus allen Wirtschaftszweigen. Mit einem Umsatz von über 27 Milliarden US-Dollar im Geschäftsjahr 2007/2008 und 165.000 Mitarbeitern gehört Deloitte zu den großen internationalen Beratungs- und Prüfungsgesellschaften.
Weitere Interviews mit prominenten Gesprächspartnern gibt es in unserer Rubrik Top-Manager!












