17.04.2009
Herbert Hainer: Der Betriebswirt |
Herbert Hainer wurde 1954 im
bayerischen Dingolfing geboren. Er
studierte in Landshut Betriebswirtschaftslehre
und stieg kurz nach
seinem Abschluss 1979 als Diplom-
Betriebswirt bei dem Konsumgüterkonzern
Procter & Gamble ein.
Herr Hainer, treiben Sie regelmäßig Sport?
Ja. Ich laufe regelmäßig zwei- bis dreimal die Woche, um mich fit zu
halten. Das kann ich auch gut tun, wenn ich auf Reisen bin. Zudem
fahre ich im Winter Ski und spiele im Sommer Golf. Ich bin ein leidenschaftlicher
Sportler, seit ich ein kleiner Bub war. Wir waren eigentlich
fast immer draußen und haben Sport getrieben. Als Kind und Jugendlicher
habe ich vor allem Fußball gespielt. Ich habe es bis in die höchste
Amateurliga Bayerns geschafft und konnte so über den Fußball mein
Studium finanzieren. Ein Leben ohne Sport kann ich mir daher überhaupt
nicht vorstellen. Ich interessiere mich eigentlich auch für alle
Sportarten und könnte Ihnen jetzt auch alle deutschen Dressur-Olympiasieger
der letzten vier Jahrzehnte aufzählen.
Gibt es etwas, das Sie als Manager von Spitzensportlern lernen
können?
Aber natürlich. Es gibt zahlreiche Parallelen zwischen Spitzensport und
Management. Die Wichtigste ist sicherlich, dass man, um Erfolg zu haben,
in Sport und Unternehmen gleichermaßen klare Ziele haben muss, auf
die man mit Talent, Leidenschaft und Ehrgeiz hinarbeitet. Dabei muss
man auch in der Lage sein, Niederlagen zu verkraften und Rückschläge
wegzustecken, ohne sich von seinem Weg abbringen zu lassen. Und zum
ganz großen Erfolg gehört auch immer ein Quäntchen Glück.
Was sind die wichtigsten Eigenschaften, die ein Manager braucht?
Glaubwürdigkeit. Langfristige Denke. Kompetenz. Kommunikationsfähigkeit.
Und worauf kommt es jetzt in wirtschaftlich eher schwierigen
Zeiten an?
Auf die oben genannten Eigenschaften, denn diese gelten ja nicht nur
für gute, sondern wahrscheinlich sogar noch mehr für schwierigere
Zeiten. Gerade jetzt müssen wir langfristig denken, denn auch diese
Krise wird vorübergehen, wir wissen nur noch nicht genau, wann. Für
unsere Industrie heißt das: Die Menschen werden auch in Zukunft
weiter Sport treiben und sportliche Produkte kaufen. Deshalb müssen
wir uns bei adidas jetzt so aufstellen, dass wir gestärkt aus dieser
Krise hervorgehen. Dies gelingt uns, indem wir auf der einen Seite
Kosten abschneiden, die nicht unbedingt zum Geschäftserfolg beitragen,
auf der anderen Seite aber in unsere Zukunft investieren. Um
dies an einem Beispiel zu verdeutlichen: Wir sparen zwar 2009 externe Fortbildungen ein, gleichzeitig lassen wir aber unsere Talent und
Nachwuchsprogramme unverändert weiterlaufen, um unsere
wichtigen Nachwuchsführungskräfte im Unternehmen zu halten und
für die Zukunft fit zu machen.
Was empfehlen Sie Hochschulabsolventen, die auf Jobsuche sind?
Was ist jetzt wichtig?
Wir achten neben den üblichen Kriterien vor allem darauf, ob ein Bewerber
oder eine Bewerberin sich über das übliche Maß hinaus engagiert
hat, eine besondere Erfahrung vorzuweisen hat. Wir sind also weniger
an dem schnellen, geradlinigen Lebenslauf interessiert, sondern achten
auf die interessanten Facetten unserer Kandidaten. Im Zweifelsfall ist
uns ein guter Student, der in seinen Semesterferien ein Sportprojekt in
Afrika betreut hat, lieber als ein Einser-Absolvent.
Viele Unternehmen verlangen von jungen Nachwuchskräften vor
allem Belastbarkeit. Ist das eine Eigenschaft, die auch bei adidas
wichtig ist?
Die Frage ist natürlich, wie man Belastbarkeit definiert. Natürlich müssen
unsere Talente in der Lage sein, ihre Leistung zu bringen und Projekte
erfolgreich umzusetzen. Ich denke allerdings nicht, dass dies von kompetenten
und gut ausgebildeten Nachwuchsmanagern als Belastung empfunden
wird, sondern als positive Herausforderung.
Wie gut ausgebildet sind Ihrer Meinung nach junge Akademiker
heutzutage?
Die Bewerbungen, die wir erhalten, zeigen, dass junge Akademiker
heute gut ausgebildet sind. Die Studienreform mit den neuen Bachelor und
Masterabschlüssen hat einiges bewegt, da die Studiengänge der
Hochschulen nun international besser vergleichbar sind und mehr Flexibilität
bieten. Allerdings haben gleichzeitig die Vielzahl an Studiengängen
und damit eine Spezialisierung rasant zugenommen. Deshalb ist
nicht der Abschluss allein entscheidend. Wir betrachten vielmehr den
Studieninhalt und die Relevanz für die jeweilige Position in unserem
Unternehmen. Insgesamt zählt für uns immer das Gesamtbild eines
Bewerbers, das sich aus vielen Dingen zusammensetzt, wie unter anderem
dem Studieninhalt, Sprachkenntnissen, relevanter Praxis- und Auslandserfahrung
oder Interesse für Sport.
Wie bilden Sie bei adidas Ihre Nachwuchskräfte fort?
Für Nachwuchskräfte mit erster Berufserfahrung, Auslandserfahrung
und MBA-Abschluss gibt es die Möglichkeit, in das Business Management
Program (BMP) einzusteigen, das sich aus vier sechsmonatigen
Einsätzen zusammensetzt, davon mindestens zwei im Ausland. Die
BMP-Teilnehmer erhalten dabei einen Überblick über die verschiedenen
Marken und Geschäftsbereiche der adidas Gruppe und legen den
Grundstein für eine Managementkarriere.
Und für Leute, die frisch von der Hochschule kommen?
Für Hochschulabsolventen ist das Functional Trainee Program (FTP) eine
interessante Einstiegsmöglichkeit. Es wird für die Bereiche Finance/Controlling,
Sales/Retail, Marketing, Supply Chain Management, Human
Resources, IT und Product Creation angeboten. Im gewählten Funktionsbereich
absolvieren die Trainees in 12 bis 18 Monaten sechs Einsätze in
verschiedenen Abteilungen, wovon mindestens einer ins Ausland führt.
Die Trainees können sich ein Netzwerk aufbauen und werden von einem
erfahrenen Mentor betreut. Darüber hinaus bieten wir natürlich auch die
klassische Ausbildung, duale Studienprogramme in Zusammenarbeit mit
Berufsakademien und Praktika an. Für unsere besten Praktikanten haben
wir das „ReBound-Programm“ eingeführt, um mit ihnen über den weiteren
Verlauf des Studiums hinweg in Kontakt zu bleiben.
Welche Investitionen wird adidas im Jahr 2009 tätigen?
Wir investieren weiter dort, wo wir Geschäftschancen sehen. So werden
wir auch im Jahr 2009 weiter eigene Einzelhandelsgeschäfte
eröffnen, insbesondere in Wachstumsmärkten wie China oder Russland.
Wir investieren in langfristige Sportsponsoringverträge, die
unsere Position als führendes Sportartikelunternehmen der Welt festigen
wie zum Beispiel in den Vertrag mit dem Welt-Leichtathletik -
verband IAAF. Und wir investieren nicht zuletzt in unsere Mitarbeiter,
unter anderem wie beschrieben durch unsere Talentprogramme und
durch den Neubau eines hoch modernen Bürogebäudes für 1500 Mitarbeiter
am Unternehmensstandort Herzogenaurach. Es wird 2010
bezugsfertig sein.
Wenn Sie drei Wünsche frei hätten, würden Sie ...
1. das Ende der Finanzkrise für das 2. Halbjahr 2009 vorhersagen,
2. Deutschland bei der Fußball-WM 2010 in Südafrika siegen sehen,
3. diese Frage nicht weiter beantworten.