05.11.2007
Hans-Joachim Kamp: Der Durchstarter |
Hans-Joachim Kamp, Jahrgang 1948, studierte
Betriebswirtschaftslehre an der Universität Hamburg.
1975 fing er bei Philips in der Marktforschung an und war
anschließend in verschiedenen Funktionen in Vertrieb,
Marketing und Werbung tätig. Auslandserfahrung erwarb Kamp
in den Jahren 1986/87 als Area Manager in der Philips
Zentrale in Eindhoven. 1990 wurde er Mitglied der
Geschäftsleitung von Philips Consumer Electronics Deutschland
und gleichzeitig Leiter des umsatzstärksten Geschäftsfeldes
Fernsehen. Zwei Jahre später folgte die Ernennung zum stellvertretenden
Leiter des Unternehmensbereichs. 1994 wurde Kamp dann die
Verantwortung für den Vertrieb übertragen.
Erinnern Sie sich noch an Ihre Probezeit?
Ja, sehr gut. Ursprünglich wollte ich nach meinem BWL-Studium
eine Doktorarbeit schreiben. Doch dann hatte ich die Chance,
bei Philips einzusteigen. Die Aufgabe und der Umgang unter
den Kollegen dort haben mich so fasziniert, dass ich in der
Marktforschung angefangen habe, wo ich zunächst für Konsumgüter
verantwortlich war. Nach drei Monaten hatte ich endgültig
Blut geleckt und mir war klar, dass ich in diesem
Unternehmen meinen Weg gehen werde.
Und zwar bis an die Spitze des Unternehmens.
Haben Sie daran bei Ihrem Einstieg gedacht?
Nein, bestimmt nicht. Aber ich habe sehr wohl eine Vorstellung
davon gehabt, welche Chancen mir der Konzern bietet. Und nun
gehe ich seit 32 Jahren mit Spaß und Freude zur Arbeit.
Welchen Fehler darf man in der Probezeit nicht machen?
Einsteiger sollten die Probezeit nutzen, um das Unternehmen,
die Kollegen und die internen Prozesse richtig kennen zu lernen.
Sie sollten sich erst einmal alles in Ruhe anschauen und sich nach
einer gewissen Zeit selbst einbringen. Zu Anfang macht man das am
besten, indem man zuhört und gezielt Fragen stellt.
Welche Einstiegschancen bietet Philips Hochschulabsolventen?
Das kommt ganz darauf an, ob sich Kandidaten für die Forschung &
Entwicklung, eine Tätigkeit in der Produktion oder im kommerziellen
Bereich interessieren. Wir bilden unsere Mitarbeiter in verschiedenen
Programmen gezielt für die unterschiedlichen Sparten aus. Da gibt es
etwa das Talent Development Programme, das zwei Jahre dauert und die
Absolventen von Anfang an mit festen Aufgaben betraut. Ziel ist,
den Kandidaten schon früh Verantwortung zu übertragen. Dabei erhält
der Mitarbeiter ein regelmäßiges Leistungsfeedback von seinem Coach,
von dem er erfährt, wie er sich entwickelt und wo es im Unternehmen
Möglichkeiten zur weiteren Förderung gibt.
Coaching ist also Bestandteil der Einstiegsprogramme?
Viele Mitglieder der Geschäftsführung aus den einzelnen Bereichen
übernehmen ein Coaching- oder Mentoringprogramm. Ich selbst
begleite nicht nur junge Trainees, sondern auch Mitarbeiter,
die ich vor fünf oder sechs Jahren in einem Assessment Center
ausgesucht habe. Einige Kollegen auf Geschäftsführungsebene
engagieren sich als Mentor weit über die übliche Traineezeit
hinaus. Inzwischen ist das eine Kultur, die in unserem
Unternehmen gelebt wird.
In welchen Bereichen werden junge Mitarbeiter gesucht?
Bei Philips Deutschland liegt ein Schwerpunkt auf der Forschung &
Entwicklung. Wir haben die zwei größten Forschungszentren im Konzern.
Natürlich sind wir interessiert, hierfür die besten Entwicklungsingenieure
zu bekommen. Das Gleiche gilt aber auch für unsere kommerzielle Aktivität.
Welche Qualifikationen sind besonders gefragt?
Als erstes setzen wir die notwendige Fachkompetenz voraus.
Für uns ist sehr wichtig, dass jemand parallel zum Studium
mehrere Praktika absolviert hat. Neben dem Fachwissen und
der praktischen Erfahrung wünschen wir uns Mitarbeiter,
die international orientiert und offen sind, immer das Neue
suchen und sich nicht mit einem Status Quo zufrieden geben
wollen. Weitere Grundvoraussetzungen sind Teamfähigkeit,
Kommunikationsstärke und natürlich Englischkenntnisse.
Im Rahmen des Wettbewerbs „Great Place to work“ wurde Philips
Deutschland zu einem von Deutschlands besten Arbeitgebern 2007
gekürt. Warum sollten sich Hochschulabsolventen bei Ihrem
Unternehmen bewerben?
Egal in welchem Bereich Absolventen einsteigen – sie finden
bei uns überall ein absolut kreatives Umfeld. Und dazu den
Freiraum, sich selbst einzubringen und sich weiterzuentwickeln.
Außerdem ist Philips ein führender internationaler Konzern,
der in den Bereichen tätig ist, die auch in Zukunft
wirtschaftlich von Interesse sein werden: Health Care,
Technology und Lifestyle. Wer nicht nur einen Job haben
will, sondern eine Herausforderung sucht, sollte sich bei uns bewerben.
Viele Jahre waren Sie bei Philips für den Vertrieb
verantwortlich. Was hat Sie an dieser Aufgabe gereizt?
Der direkte Kontakt mit den Kunden. Vom Handel erhalten
Sie ein klares Feedback über die Reaktion der Endkonsumenten.
Da können Sie sich sofort einbringen: Was können wir in
Richtung Produktentwicklung tun? Wie können wir unsere
Prozesse besser steuern? Das hat mir unheimlich viel
Spaß gemacht, ebenso wie der Umgang mit den unterschiedlichen
Kunden. Denn kleine Kunden haben eine andere Vorgehensweise
als Großkunden. Im Rahmen des Key Account Management müssen
Sie sich auf die verschiedenen Bedürfnisse der einzelnen
Kundengruppen einstellen. Das hat mir in meiner weiteren
Entwicklung sicher gut getan. Ich vertrete heute die
Auffassung: Wer im Unternehmen weiterkommen will, muss den Vertrieb kennen.
Macht es sich bemerkbar, dass Philips in Deutschland
die Tochter eines niederländischen Konzerns ist?
Das macht sich positiv bemerkbar. Wir sind ein großes,
internationales Unternehmen, das von unterschiedlichen
Kulturen geprägt ist. Unter den internationalen Kollegen
herrscht eine offene Kommunikation. Das ist die Basis dafür,
dass neue Ideen in den bestehenden Märkten umgesetzt werden.
Ich habe selbst in Holland gelebt und die Niederländer
als sehr offene Menschen kennen gelernt. Sie sind gerade
und direkt und dabei harte und gute Verhandlungspartner.
Philips ist sehr erfolgreich im Bereich Forschung und
Entwicklung. Was halten Sie für die wichtigste Erfindung?
Im Bereich Consumer Electronics denke ich zu allererst
an die CD. Damit hat Philips das digitale Zeitalter
deutlich vorangetrieben. Bei der Weiterentwicklung in
Richtung DVD und Digitales Fernsehen hat Philips ebenfalls
eine entscheidende Rolle gespielt. Im Bereich Lighting
fällt mir das Xenonlicht ein. Auch in der Medizintechnik
gibt es viele Patente von Philips für Anwendungen in
der Vorsorge oder der Akutversorgung von Patienten.
Was müssten Philips-Mitarbeiter unbedingt noch erfinden?
Hier spreche ich nicht nur für mich, sondern sicher für
viele Konsumenten: Produkte ohne Bedienungsanleitung.
Das ist etwas, was den Konsumenten begeistert. Es ist
unser Anspruch, Produkte herzustellen, die selbsterklärend
sind. In der Medizintechnik wird es in Zukunft noch viele
sinnvolle Erfindungen geben, die dem Menschen helfen,
gesund zu bleiben oder wieder gesund zu werden.
Welches ist Ihr persönliches Lieblingsgerät im Haushalt?
Jeden Morgen benutze ich die Sonicare Zahnbürste. Das ist
mein Favorit bei den Philips Hausgeräten.