Top-Manager
30.04.2008
Günther Beyer |
Top-Manager lernen anders. Hohe Anforderungen, wenig Zeit – Weiterbildungsangebote für die oberste Führungsriege müssen massgeschneidert sein. Sabine Olschner sprach mit Managementtrainer Günther Beyer über die Besonderheiten von lernenden Managern und die Suche nach dem Bauchgefühl.
Zur Person Günther Beyer
Günther Beyer, 58 Jahre, ist Gründer und Leiter der Beyer-Seminare GmbH sowie des
Instituts für Creatives Lernen GmbH. Er studierte Mathematik, Physik und Psychologie
mit dem Schwerpunkt Lernpsychologie. Als Autor hat er 25 Management-Bücher
verfasst, als Gast und Moderator war er in über 20 Fernsehsendungen. Beyer trainiert
und coacht Führungskräfte vom Teamleiter über den Geschäftsführer bis zum
Inhaber und Vorstandsmitglied.

Was wollen Top-Manager, die es schon ganz nach oben geschafft haben, eigentlich
noch lernen?
Im Moment gibt es einen Trend: Führungskräfte auf höchster
Ebene wollen „Waffen“ an die Hand bekommen, um in ihrer Position noch stärker
zu werden. In den Top-Management-Etagen weht ein rauer Wind, der einen schnell
fortblasen kann: Medien stürzen sich auf Vorstände und Geschäftsführer, und
diese suchen Instrumente, mit denen sie sich besser präsentieren können. Wenn
es in Verhandlungen und Gesprächen ums Ganze geht, wollen sie „Waffen“, mit
denen sie ihre Gegner leichter besiegen können. Sehr beliebt ist derzeit ein
Seminar, wo es um „Dirty Tricks“ und Fallen geht, denen man im Job begegnet –
und wie man professionell kontern kann, um Schaden abzuwenden.
Gibt es weitere Seminarthemen, für die sich Top-Manager interessieren?
Manager buchen oft Angebote zu stressabbauenden Techniken. Denn sie stehen
in ihrem Job permanent unter hohem Druck. Als Alternative gehen sie häufig
direkt in Wellness-Hotels mit Einzelbetreuung. Allerdings nicht, um zu lernen, wie
sie kürzertreten können – sondern um noch stärker für ihre Position zu werden.
Bei all dem Stress, den sie haben: Finden Top-Manager tatsächlich die Zeit,
sich in Seminaren mit Gleichgesinnten zusammenzusetzen?
In Seminaren, in denen es um die Entwicklung der Persönlichkeit geht, finden Sie kaum
Top-Manager. Sie wollen vor einer Gruppe nicht ihr Persönlichkeitsprofil preisgeben
und zeigen, wo sie nachbessern müssen. Für diese Themen nehmen sie sich lieber
einen Coach oder einen Berater. Geht es darum, fachliche Problemstellungen
zu erörtern, wählen sie offene Seminare, wo sie niemand kennt. Dort können sie
sich über ihr Problem austauschen, ohne dass der Vorstandskollege etwas darüber
erfährt. Interessant ist auch, dass der Manager das Institut, das er für sein
Seminar gewählt hat, selten für seine Mitarbeiter wählen würde. Denn diese
könnten ja herausfinden, wo es dem Chef an Stärken mangelt. Geht es um Anregungen
für Strategien, Zukunftstrends oder Analysetools, wählen Top-Manager
häufig Tagungen und Vortragsveranstaltungen und weniger die Seminarform.
Sind Top-Manager überhaupt offen für neue Anregungen, die sie in Seminaren
bekommen?
Meine Beobachtung: Sie sind weniger offen als Teilnehmer aus mittleren
und unteren Managementebenen. Top-Manager bestimmen ihr Leben selbst
und haben gewisse Ansichten von Vornherein für sich festgelegt. Sie lassen sich
– in Form von Vorschlägen – kaum reinreden, sondern
wissen meist schon vor dem Seminar, was
sie daraus mitnehmen wollen. Aus diesem Grund
wählen sie oft lieber einen Berater: Man lässt sich
die Dinge, die der Berater gesagt hat, durch den
Kopf gehen und wählt dann aus, was zur eigenen
Strategie passt.
Wo lernen Top-Manager, neue Ideen für bahnbrechende
Innovationen und einzigartige Produkte
zu generieren?
Es gibt eine ganze Reihe von Kreativitätstechniken,
mit denen man sehr schnell auf
neue Ideen kommt. Zum Teil werden mit dieser
Hilfe neue Strategien in den oberen Managementetagen
generiert. Die Umsetzung geschieht dann
jedoch auf anderen Ebenen des Unternehmens.
Gibt es eine Möglichkeit, Trendgespür zu erlernen?
Auch hierzu engagieren Top-Manager häufig Berater,
oder sie abonnieren Trendzeitschriften, die sie
selber lesen oder lesen lassen. Eine Möglichkeit,
Trendgespür zu lernen, ist etwa, den Kunden als
Innovator zu nutzen oder die eigene Blickrichtung
gezielt zu verändern. Oder man lernt, Szenarien zu
entwerfen: Was würde es für meine Firma in den
nächsten zwei Jahren bedeuten, wenn ich eine
bestimmte Maßnahme umsetze? Wie lassen sich
die Risiken minimieren und die Chancen optimieren?
Viele Top-Manager haben aber hierfür schon
aus Erfahrung ein gutes Gefühl.
Bauchgefühl versus Kopfentscheidung – kann
man lernen, was richtig ist?
Meine Beobachtung:
In den obersten Chef-Etagen entscheiden die
meisten eher mit dem Kopf. Wir empfehlen: Wer
ein starker Kopfmensch ist, sollte, um das Bauchgefühl
hinzuzuziehen, auch mit seiner Ehefrau
über berufliche Herausforderungen reden. Denn
Frauen können in der Regel sehr gut auf ihren
Bauch hören. Wer als Kopflastiger selber sein
Bauchgefühl trainieren will – und das ist durchaus
möglich –, muss allerdings oft einen sehr weiten
Weg gehen. Denn wer nur Zahlen und Fakten
zulässt, für den ist die Welt schon stimmig und er
kommt gar nicht auf den Gedanken, dass er auch
mal nach dem Gefühl gehen könnte. Ein Mix aus
Kopf und Bauch ist oft die beste Entscheidung.
Top-Manager haben meist eine starke Persönlichkeit.
Inwieweit kann man diese erlernen?
Jeder
kann entsprechend seiner Veranlagung mehr oder
weniger viel erreichen. Hat jemand schon von
Natur aus eine starke Persönlichkeit, wird er mit
ausgesuchten Trainingsmethoden natürlich weiterkommen
als ein anderer, der mit einer schwachen
Persönlichkeit an den Start geht. Es gibt verschiedene
wirksame Methoden, die helfen können, wie
etwa Workshops zur Körpersprache oder zur Rhetorik.
Auch mentales Training und Tipps zum Outfit
können eine Person innerlich stärken und die Persönlichkeit
immer mehr aufbauen.
Wer fragt solche Persönlichkeitsseminare nach?
Eher Personen aus der mittleren und unteren
Managementebene. Top-Manager haben bereits
eine starke Persönlichkeit, sonst würden sie dem
Druck dort oben nicht standhalten können.
Zusammengefasst: Kann man lernen, ein guter
Top-Manager zu sein?
Man kann sich ein gutes
Stück in die Richtung Top-Manager entwickeln,
indem man systematisch und konsequent eine
ganze Reihe von passenden Trainings durchläuft.
Eins ist allerdings klar: Niemand wird Top-Manager
werden, wenn er nicht eine gewisse Grundbegabung
besitzt. Aber jeder kann seine Fähigkeiten,
die er in diesem Moment hat, außerordentlich
ausbauen. Und es gibt viele gute und clevere
Methoden, die helfen, weit nach vorn zu kommen.












