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05.07.2007
Gaby-Luise Wüst: Die China-Begeisterte |
Gaby-Luise Wüst, geboren 1967 in Speyer/
Rhein, absolvierte an der European
Business School in Oestrich-Winkel ein
betriebswirtschaftliches Studium.
Anschließend stieg sie über ein internationales
Traineeprogramm beim Automobilhersteller
BMW Group ein. Bereits
in dieser Phase arbeitete sie neun
Monate in Peking. Später betreute sie
von München aus den asiatischen
Markt im Bereich Sales & Marketing.
Von 1998 bis 2001 war die Betriebswirtin
verantwortlich für PR und Marketing
der Niederlassung München. Danach
zog es sie wieder in das internationale
Geschäft, betreute zunächst die Importeursmärkte
in Afrika und in der Karibik,
bevor sie 2003 in China beim Aufbau
des Joint Venture BMW Brilliance einstieg.
Seit Anfang 2007 ist die 39-Jährige
General Manager der Importeursmärkte
Hongkong, Taiwan und Macau.
Gaby-Luise Wüst lebt in Peking.
Nach dem Studium sind Sie als Trainee
bei BMW eingestiegen. Sind Sie ein
großer Autofan?
Autos fand ich schon immer spannend,
aber ich bin nicht so autoverrückt wie
manch einer meiner Kollegen. BMW
war für mich eine starke Marke, und
mich hat die Internationalität des
Unternehmens angesprochen. Daher
war BMW für mich damals der Traumarbeitgeber.
Sie sind General Manager für die Märkte
Hongkong, Taiwan, Macau. Von wo
aus arbeiten Sie?
Mein Hauptsitz liegt in Peking, weil hier
unser Regional Headquarter angesiedelt
ist. Allerdings reise ich natürlich viel
nach Hongkong, Taiwan und Macau.
Dort bin ich einmal im Monat für ein bis
zwei Wochen. Etwa dreimal im Jahre bin
ich geschäftlich in München.
Wie ist BMW in den Märkten Hongkong,
Taiwan und Macau aufgestellt?
Die Märkte Hongkong und Taiwan weisen
kein starkes Wachstum mehr auf.
Das sind unabhängige Unternehmer,
die mit der BMW AG eine festen Vertrag
haben und das Importgeschäft
betreiben. Die Importeure haben wiederum
Verträge mit Händlern, die das
Retailgeschäft übernehmen. Meine
Aufgabe ist es, diese Importeure zu
betreuen. Wir reden über Zielvereinbarungen
– qualitativer und quantitativer
Art. Dazu gehören auch das Monitoring
des Zielerreichungsprozesses und
natürlich die Unterstützung, wenn es
Probleme gibt – im Prinzip beinhaltet
meine Arbeit eine permanente Beratung
zu den einzelnen Prozessen im
Importeurs- aber auch im Retailbetrieb.
Was ist der Unterschied zwischen diesen
Märkten und Festlandchina?
In China haben wir eine eigene Tochtergesellschaft
und ein Joint Venture, das
den BMW 3er und BMW 5er produziert
und vertreibt. Dort stellt allein die
schiere Größe des Marktes eine Herausforderung
dar. Zwischen den Märkten
gibt es durchaus auch Unterschiede in
der Mentalität. Die Chinesen in Hongkong
beispielsweise sind sehr viel internationaler
als die in Mainland China.
Sind in den unterschiedlichen Märkten
auch jeweils andere Autos interessant?
Auf jeden Fall. In Mainland China haben
wir eine sehr große lokale Produktion
auch von lokalen Brands, die sich aber
hauptsächlich auf das Basissegment,
den Massenmarkt konzentrieren. Im
Premiumsegment, in dem sich BMW
bewegt, bevorzugen die Festlandchinesen
große, geräumige Autos. Prestige
und Luxus spielen eine große Rolle.
Hongkong und Macau konzentriert sich
mehr auf den Premiumsektor und auch
die Nischenmodelle sind gefragt:
Cabrios, BMW 6er, Z4. Dabei sollte es
möglichst immer das allerneuste
Modell sein. Taiwan hingegen ist schon
sehr viel mehr vergleichbar mit der
Struktur in Europa. Dort sind wir mit
unseren BMW 3er und 5er sehr stark
vertreten, aber auch mit dem 7er.
Welche Chancen sehen Sie für BMW
langfristig in diesen Gebieten?
Die Märkte Hongkong und Taiwan weisen
kein starkes Wachstum mehr auf.
Hier versuchen wir unsere Position
durch ein verbessertes Produktangebot
und einen besseren Service auszubauen.
Macau spielt eine Sonderrolle.
Durch den wachsenden Casino-, Veranstaltungs-
und Konferenzbetrieb hat
sich noch einmal ein ganz eigener
Bedarf entwickelt, beispielsweise an
Flottenfahrzeugen für Hotels.
Wie war Ihre erste Begegnung mit China?
Ich war bereits 1994 als Trainee das
erste Mal in China: Das war eine sehr
spannende Zeit. BMW hatte in Peking
gerade ein Repräsentanz Office eröffnet,
das war natürlich auch für mich als
Berufseinsteigerin eine tolle Chance.
Wir waren eine ganz kleine Mannschaft,
jeder musste im Prinzip alles
machen. Ich war damals „Mädchen für
alles“, musste das Büro einrichten,
Material besorgen, Visitenkarten drucken
und so weiter. Das hört sich alles
so einfach an, aber 1994 war das in
China noch recht kompliziert. Dann
haben wir die Businessprozesse,
damals mit unseren Importeuren, aufgebaut.
Es herrschte eine wahnsinnige
Aufbruchstimmung. Wir haben richtige
Pionierarbeit geleistet.
Und wie ist die Situation heute?
Seitdem hat sich China stark geöffnet
und weiterentwickelt. Dennoch ist die
Situation vergleichbar: Immer noch
herrscht diese Aufbruchstimmung.
Mittlerweile geht ja auch viel Geschäft
ins Landesinnere, und dort ist die Stimmung
ähnlich wie vor zehn Jahren in
Peking.
Wie haben Sie sich damals auf Ihren
ersten Einsatz in China vorbereitet?
Meine Vorbereitungszeit war sehr kurz,
aber ich hatte Gelegenheit, ein interkulturelles
Training zu besuchen. Privat
habe ich sehr viel Zeit investiert, habe
viel über das Land und seine Kultur
gelesen. Vor Ort habe ich mich gleich
unter das Studentenvolk gemischt, um
Menschen kennen zu lernen und tiefer
in das Land einzutauchen.
Was fasziniert Sie an der Region?
Die Atmosphäre ist schon sehr anders
als in Europa, alles ist schnelllebig und
impulsiv. Tagtäglich gibt es Herausforderungen
zu meistern. Es ist alles nicht
so einfach wie in Europa: Man kann die
Schriftzeichen nicht lesen, wird vielleicht
nicht immer verstanden – aber
wenn man sich darauf einlässt, ist das
eine unglaublich spannende Sache.
Was beeindruckt Sie am meisten?
Die Stimmung, die am Markt herrscht,
von der jeder in der Bevölkerung betroffen
ist. Fast alle können in irgendeiner
Form am Aufbruch partizipieren, und
die meisten sehen darin auch eine
Chance, ihr Leben zu verbessern.
Dadurch wird eine ungeheure Energie
freigesetzt, die überall zu spüren ist.
Wie begegnet man Ihnen als weibliche
Führungskraft?
Das ist hier kein großes Thema. Viele
chinesische Frauen arbeiten in hohen
politischen und wirtschaftlichen Funktionen.
Hier wird eine Frau in Führungsposition
akzeptiert – egal ob sie aus
dem Westen kommt oder aus China.
Wie sollten sich Absolventen vorbereiten,
die im China-Geschäft tätig werden
möchten?
Wenn man im chinesischen Umfeld
arbeiten möchte, ist es sinnvoll, schon
während des Studiums Praktika vor Ort
zu machen oder ein Auslandssemester
zu verbringen. Es empfiehlt sich, möglichst
viel Zeit in China zu verbringen,
um ein Gefühl für das Land und die
Menschen zu bekommen. Neugierde
und Aufgeschlossenheit gehören dazu,
aber auch Frustrationstoleranz und
Durchhaltevermögen, weil doch nicht
immer alles so rund läuft, wie wir das
aus Europa gewohnt sind.