26.05.2008
Dr. Diethard Bühler: Der Quereinsteiger |
Dr. Diethard Bühler, 49 Jahre, ist Vorsitzender
der Geschäftsführung der
Arthur D. Little GmbH für Zentraleuropa.
Die Schwerpunkte seiner Beratertätigkeit
liegen in der Entwicklung und
Umsetzung von Geschäftsbereichsstrategien,
Organisationsentwicklung (insbesondere
im Produktmanagement)
sowie Restrukturierungsprogrammen.
Zu seinen Klienten gehören Unternehmen
der sogenannten TIME-Branchen
(Telekommunikation, IT, Medien, Electronics),
sowohl in Europa als auch in
den USA. Diethard Bühler war zwölf
Jahre bei A.T. Kearney tätig sowie zwei
Jahre bei Bain & Company (als Head of
Technology and Telecommunications in
Deutschland) und zuletzt gut zwei
Jahre bei CSMG Adventis, einer auf den
IT- und Telekommunikations-Sektor spezialisierten
Strategie-Beratung. Zuvor
arbeitete er als Rechtsanwalt in der
Kanzlei Berenberg-Gossler & Partner
(heute:TaylorWessing) in Hamburg.
Diethard Bühler studierte Rechtswissenschaften
in Hamburg und Lausanne
und absolvierte ein MBA-Studium an
der University of San Francisco. Er ist
verheiratet und hat drei Kinder.
Herr Dr. Bühler, Sie sind promovierter
Jurist. Treffen Sie in der Consultingbranche
auf viele Juristenkollegen?
In der Branche sind Juristen generell selten,
und auch im Top-Management
habe ich kaum Juristen kennengelernt.
Ich glaube, die Studienrichtung Jura
kann für eine Arbeit im Consulting
sogar fast hinderlich sein, weil sie eine
andere Zielrichtung hat als eine
betriebswirtschaftliche Ausbildung:
Eine juristische Ausbildung geht immer
dahin, dass man keine Fehler machen,
sondern Sicherheit schaffen will. Der
Jurist versucht, das Risiko zu vermeiden,
der Betriebswirt hingegen kalkuliert das
Risiko. Letzteres ist das, was wir Berater
unseren Klienten bieten: Was kostet
mich das Risiko und die Lösung des Problems?
Wie wichtig ist denn die Studienrichtung
für eine Arbeit in der Consultingbranche?
Die Studienrichtung an sich ist nur von
begrenzter Bedeutung. Natürlich müssen
alle Berater bei uns über betriebswirtschaftliche
Grundkenntnisse verfügen.
Ich selbst habe beispielsweise
Betriebswirtschaft im Grundstudium
studiert und später einen MBA
gemacht. Aber: Solch eine Ausbildung
ist nicht unbedingt notwendig. Wir im
Unternehmen sind offen für alle Fachrichtungen.
Die Klassiker fürs Consulting
sind natürlich Betriebswirtschaft
oder Ingenieurwissenschaften – und so
ist es auch bei uns.
Können Sie Ihre juristischen Kenntnisse
in der Beratung einsetzen?
Insbesondere am Anfang meiner Arbeit
in der Consultingbranche habe ich mich
sehr intensiv mit der Juristerei beschäftigt.
Ich habe damals bei der Treuhandanstalt
gearbeitet, wo mir meine
Rechtskenntnisse sehr nützlich waren.
Später habe ich hin und wieder Kanzleien
beraten, auch da hilft es, selbst Jurist
zu sein. In meiner aktuellen Funktion als
Geschäftsführer ist es sehr nützlich, sich
mit arbeits- und steuerrechtlichen Fragestellungen
auszukennen.
Sie haben lange Zeit Unternehmen aus
der Telekommunikation, Information,
Medien und Elektronik beraten. Müssen
sich Consultants auf eine Branche spezialisieren
– oder ist eher der Allrounder
gefragt?
Eine Spezialisierung erscheint mir zu
eng. Ich glaube vielmehr, jeder sollte
Schwerpunkte bilden. Diese müssen
aber nicht unbedingt in einer Branche
liegen. Es kann genauso gut ein fachlicher
Schwerpunkt sein, wie etwa die
Beschäftigung mit organisatorischen,
strategischen oder operativen Themen.
Es gibt aber auch Berater, die ein sehr
breit gefächertes Wissen haben und
damit ebenso erfolgreich sind. Andere
Consultants kümmern sich um einen
speziellen Kunden, meist ist dies ein
großes Unternehmen, das viele verschiedene
Geschäftsfelder hat. Im Consulting
gibt es also viele Wege zum
Erfolg, und es ist nicht notwendig, sich
zu stark zu spezialisieren. Kunden sind
meist ohnehin nicht mit einer einzelnen
Kompetenz zufrieden, sondern verlangen
vielmehr einen Mix von Kompetenzen.
Letztlich ist die Bereitschaft, sich
weiterzuentwickeln, Neues zu erlernen
und sich umzustellen wichtiger als eine
wie auch immer geartete Spezialisierung.
Was kann man schon als Einsteiger tun,
um innerhalb des Unternehmens aufzusteigen?
Jeder, der bei uns anfängt, ist aus unserer
Sicht ein potenzieller Partner. Ihm
fehlt am Anfang nur die Erfahrung und
das methodische Wissen – aber das
Potenzial haben wir in dem Bewerber
erkannt, sonst hätten wir ihm kein
Angebot gemacht. Wir stellen niemanden
ein, den wir nach ein oder zwei Jahren
loswerden wollen. Im Gegenteil, wir
tun sehr viel dafür, seine Ausbildung
und Karriere entsprechend seiner Fähigkeiten
zu fördern und ihn aktiv bei seinem
Weiterkommen zu unterstützen.
Das Ziel eines jeden Beraters sollte es
sein, Partner zu werden. Aus meiner
Sicht noch wichtiger als der hierarchische
Aufstieg ist es jedoch, spannende
Projekte beim Klienten zu bearbeiten.
Was verändert sich an der Arbeit, wenn
man in Ihre Position aufgestiegen ist?
Als Managing Director verändert sich
jede Menge: Man muss ein ganzes
Unternehmen mitsamt allen Partnern
führen. Meine wichtigste Aufgabe ist es,
die Partnerkollegen zu motivieren, so
dass wir zusammen in die gleiche Richtung
gehen. Darüber hinaus bin ich
dafür verantwortlich, dass unsere Administration
kostenbewusst und qualitativ
hervorragend arbeitet. All dies spielt im
Alltag eines Partners eine eher untergeordnete
Rolle.
Gehört die Beratung von Klienten
überhaupt noch zu Ihren Aufgaben?
Selbstverständlich. Man kann nicht jahrelang
mit der Beratung aussetzen,
wenn man später zur Klientenarbeit
zurückgehen will. Klientenbeziehungen
haben sehr stark mit Vertrauen zu tun,
und das muss über Jahre wachsen und
anschließend gepflegt und erhalten
werden.
Sie haben öfter ihren Arbeitgeber
gewechselt – ist das ein üblicher Weg
nach oben?
Ich habe bei meinem ersten Arbeitgeber
mit der Ernennung zum Vice President
den Partner-Level erreicht, habe
also den Aufstieg schon im ersten
Unternehmen vollzogen. Danach bin ich
eher quer gewechselt als Partner in verschiedene
Beratungsunternehmen. Für
meinen Aufstieg war der Wechsel also
nicht wichtig. Ich habe allerdings weitere
Erfahrung und neue Perspektiven
gewonnen, was mir bei meiner heutigen
Aufgabe sehr hilft. Wer das Beratungsunternehmen
wechseln will, sollte
bedenken, dass ein Wechsel immer
die Vertrauensbeziehung zum Kunden
stört. Andererseits sollte man sich bei
seinem Arbeitgeber natürlich wohlfühlen,
denn nur dann kann man auch gut
sein.
Sie sind seit knapp 18 Jahren in der
Branche tätig. Was fasziniert Sie am
Consulting?
Die Fähigkeiten, die gefordert sind und
in denen man nie gut genug ist; der
ständige Reiz, durch soziale Aktionen
und fachliches Wissen das Vertrauen
des Klienten zu erwerben; ständig
wechselnde Teams in einem relativ hierarchiefreien
Umfeld; und nicht zuletzt
der ständige Adrenalinstoß, wenn man
sich auf eine Präsentation vorbereitet
oder einen Beratungsvorschlag
abschließt, um dem Klienten das Bestmögliche
zu geben. Die Mischung aus
vielen verschiedenen Faktoren macht
diesen Beruf außerordentlich spannend.