20.09.2008
David Garrett: "An den Erfolg glauben" |
David Garrett wurde 1980 in Aachen als Sohn eines Juristen und einer Primaballerina geboren.
Mit vier Jahren begann er das Geigenspiel, mit zehn hatte er seinen ersten öffentlichen Auftritt
mit den Hamburger Philharmonikern. Zwei Jahre später spielt er mit Yehudi Menuhin, der ihn
als einen der größten Violinisten seiner Generation bezeichnete.
Was bedeutet für Sie Kunst?
Ich lasse gern durch
Kunst meine Sinne anregen und mich für meine
Arbeit inspirieren. Kunst kann mich einfach nur
faszinieren und beeindrucken, aber mir gleichzeitig
Impulse geben für neue Ideen.
Wie inspiriert Sie zum Beispiel ein Bild für Ihre
Musik?
In dem Moment, in dem ich etwas sehe,
das schön ist, berührt mich dies emotional, und
ich kann anschließend wieder frisch an die Arbeit
gehen. Manchmal ist es einfach wichtig, etwa
durch einen Museumsbesuch, soweit wie möglich
von seinen täglichen Aufgaben fortzugehen.
Wenn man dann wieder zurückkehrt, hat man
eine ganz andere Perspektive auf seine Arbeit.
Kann ein Künstler denn überhaupt noch durch
Kunst entspannen?
Natürlich, das ist der Hauptgrund,
warum ich Musik mache. Musik ist für
mich ein Ausgleich für die vielen stressigen Reisen.
Durch Musik – auch meine eigene – kann
ich dann entspannen. Ich gehe aber auch gern
ins Museum, um dort die Ruhe zu genießen.
Sie haben bereits mit vier Jahren angefangen,
Violine zu spielen. Woher nimmt ein Künstler die
Motivation, über so viele Jahre durchzuhalten?
Wenn etwas gut läuft, motiviert mich das sehr.
Anfangs ist es natürlich nicht immer leicht, aber
in den vergangenen Jahren ziehe ich meine Motivation
vor allem aus Konzerten, die gut gelaufen
sind, oder interessanten Plattenverträgen, die
sich ergeben haben. Die Motivation kommt also
bei mir aus der Arbeit heraus.
Und wenn es einmal nicht so gut läuft?
Dann
liegt die Motivation darin, es in Zukunft besser zu
machen.
Wie erreichen Sie Ihre Ziele?
Ich entscheide
viel aus dem Bauch heraus. Wenn ich ein gutes
Gefühl habe, ist das für mich die wichtigste Entscheidungshilfe.
Der Verstand spielt dabei weniger
eine Rolle. Wenn ich das Gefühl habe, dass
ein Konzept passt, dann lasse ich mir auch von
keinem reinreden.
Was können junge Manager von Künstlern
lernen?
Beharrlichkeit und Ausdauer. Wenn man
etwas wirklich durchsetzen will, muss man sich
dafür einsetzen. Manchmal gibt es Situationen, in
denen ein Künstler keinen Cent mehr in der Tasche
hat, aber trotzdem weitermachen muss. Das war
bei mir nicht anders: Während meines Studiums
in New York hatte ich überhaupt kein Geld und
habe nur von der Vision gelebt, dass es irgendwann
einmal funktionieren wird.
Ich denke, dass
der Glaube an den Erfolg das Wichtigste ist. Stellt
er sich dann tatsächlich ein, beeindruckt er einen
gar nicht mehr so sehr, weil man ja von Anfang an
an die Sache geglaubt hat. Man muss die Konsequenz
haben, auch in der tiefsten Dunkelheit den
Euphorismus zu haben für das, was man tut.
Erfolg kann unter Umständen süchtig machen.
Wie bleiben Sie trotzdem „auf dem Boden“?
Wer den Erfolg liebt, sollte sich klarmachen,
woher der Erfolg kommt: nämlich von Qualität.
Wenn man stets in sich selber eine Verbesserung
sucht, ist das schon eine gute Sache.
Wenn Sie nicht Musiker wären, was würden Sie
gern machen?
Darüber habe ich mir nie Gedanken
gemacht, weil ich immer an mich geglaubt
habe. Ich habe mir nie überlegt, welche Alternativen
es geben könnte, falls es nicht funktioniert,
hatte nie einen Plan B in der Tasche. Ich hatte
nur Plan A, und alles andere war unwichtig. Wenn
es bis heute nicht geklappt hätte, wäre ich aber
auch glücklich, denn ich würde immer noch weiter
an meinen Erfolg glauben.