Top-Manager
26.05.2009
Claus Horstmann: "Spieltage sind ein Wechselbad der Gefühle" |
Er war weder Fußballer noch Kölner. Damit erfüllte Claus Horstmann vor zehn Jahren zwei notwendige Voraussetzungen für seinen Einstieg als Geschäftsführer des 1. FC Köln. Seinen Job macht er immer mit Erfolg - auch wenn er längst Fan geworden ist. Als ehrgeizigen Menschen bezeichnet er sich nicht. Wenn man die berufliche Laufbahn ansieht, mag man es kaum glauben. Mit dem karriereführer sprach der gelernte Maschinenbau-Ingenieur über Disziplin, Spaß und Erfolg im Beruf und im Profi-Fußball.
Zur Person Claus Horstmann
Claus Horstmann wurde am 14.12.1964 in Iserlohn geboren. Nach dem
Abitur verpflichtete er sich als Zeitoffizier bei der Bundeswehr. Dort
studierte er Maschinenbau. Nach Abschluss des Studiengangs entschied
sich der Diplom-Ingenieur für ein berufsbegleitendes Aufbaustudium
der Betriebswirtschaftslehre, das er aufgrund seines Ausscheidens
aus der Bundeswehr nicht abschließen konnte. Mit 29 Jahren
stieg er 1994 als Technik-Manager bei Center Parcs ein und
betreute den Bau der ersten deutschen Center-Parcs-Anlage. 1997
wurde er General Manager dieser Anlage, ein Jahr später Geschäftsführer
von Center Parcs Deutschland. 1999 wechselte er zum 1. FC
Köln, nachdem ein Headhunter ihn von Center Parcs abwerben konnte.
Im November 2009 feiert er sein 10-jähriges Jubiläum als
Geschäftsführer des Bundesligavereins. Claus Horstmann ist verheiratet
und hat einen Sohn.
Herr Horstmann, Sie sind sehr beliebt.
Selbst bei den Berg- und Talfahrten
des FC hat Ihr Ansehen bei den Fans
oder in den Medien nicht gelitten. Was
bedeutet Ihnen das?
Für das, was ich hier mache – und
gerne mache – ist es kein Maßstab, ob
man beliebt ist oder nicht. Entscheidend
ist, ob man einen guten Job
macht. Wir arbeiten im Team und es
liegt mir vollkommen fern, mir irgendetwas
auf die Fahne zu schreiben, was
eigentlich dem Team gebührt.
Warum bleiben Sie lieber im
Hintergrund?
Das Umfeld eines Fußballvereins ist
viel öffentlichkeitswirksamer und
transparenter als das eines normalen
Unternehmens. Und natürlich freue
ich mich, wenn ich Anerkennung
bekomme für Dinge, die ich ordentlich
gemacht habe. Aber für mich ist entscheidend,
wie wir hier im Team arbeiten,
wie wir in den Beziehungen zu
unseren Partnern und Fans arbeiten,
und nicht, was in der Zeitung steht.
Sie hatten vorher beruflich nichts mit
Sport oder Fußball zu tun. Waren Sie
denn zumindest Fußballfan?
Fan wäre übertrieben. Ich komme aus
dem Sauerland, und da ist man klassisch
schwarz-gelb (Borussia Dortmund)
oder blau-weiß (FC Schalke 04).
Meine Familie war blau-weiß, so bin
ich als Kind ab und zu mit meinem
Vater in die Glückauf-Laufbahn und
hinterher auch ins Parkstadion gefahren.
Das hat sich aber nach dem Abitur
erledigt. Bis ich zum FC gewechselt
bin, hatte ich mit Fußball nichts mehr
zu tun.
Und jetzt?
Jetzt ist das hochemotional. Spieltage
sind ein Wechselbad der Gefühle. Im
ersten Jahr beim FC konnte ich noch
ganz entspannt zum Spieltag fahren,
das hat sich verändert, muss ich sagen.
Erfolg wird im Profifußball meist am
Tabellenstand gemessen. Der kann sich
innerhalb von Wochen stark verändern.
Was bedeutet da Beständigkeit?
Das habe ich über meine Jahre hier
gelernt: Der Erfolg eines Fußballvereins
misst sich NUR am Tabellenstand. Man
kann seinen Job machen, wie man will,
aber das Ergebnis des Unternehmens
1. FC Köln, was da in 90 Minuten passiert,
kann man nicht beeinflussen. Da
fragt man sich schon mal: Ich bin zwar
der Geschäftsführer, aber wie stark
bestimme ich den Erfolg des Unternehmens?
Es ist aber auch toll. So ein
spannendes und interessantes Arbeitsumfeld
gibt es nicht wieder.
Welche Bedeutung hat Karriere für Sie?
Die Frage ist, was man unter Karriere
versteht. Wenn ich im Tourismus
geblieben wäre, würde ich heute vielleicht
eine Position bekleiden, bei der
man sagen würde: „Der hat’s geschafft“.
Wenn Sie den Weg in den Fußball
gehen und mit 34 Geschäftsführer sind
und das mit 44 auch noch sind – haben
Sie dann Karriere gemacht? Nee, dann
sind Sie immer noch das Gleiche.
2007 haben Sie sich trotz anderweitiger
Angebote aus der Wirtschaft dazu
entschieden, beim 1. FC Köln zu bleiben.
Was war ausschlaggebend für
diese Entscheidung?
2007 hatte ich eine kleine Identitätskrise,
besonders mit den Auf- und Abstiegen. Ich dachte: „Mensch, du bist
jetzt über 40. Verstehst du das jetzt
unter Karriere oder musst du nicht
doch noch mal zeigen, dass du mehr
kannst?“ Als ich dann vor der Entscheidung
stand und drei konkrete Angebote
hatte, gab es so viele Argumente für
den Verbleib beim FC. Vor allem die
Emotionen und das Herz, das mit dranhängt.
Ich habe versucht, das so rational
wie möglich anzugehen. Aber letzten
Endes war es eine emotionale Entscheidung.
Was haben denn Fußball und Karriere
gemeinsam?
Was die Charaktereigenschaften
angeht, die man mitbringen muss,
wird ein Profifußballer sicher vergleichbare
brauchen: ganz vorne weg
Disziplin. Man muss natürlich ein
gewisses Können mitbringen – ob am
Ball oder im fachlichen Bereich – aber
das Thema Disziplin ist bei beiden entscheidend.
Was haben Sie aus Ihrer Zeit als Zeitsoldat
mitgenommen?
Ich habe eine hervorragende Ausbildung
gehabt, ob universitär oder an
den Offizierschulen. Man hat uns Entscheidungsvorgänge
eingebläut, von
denen ich heute noch profitiere. Entscheidend
war, als ich mit 29 ins kalte
Wasser gesprungen bin und bei Center
Parcs angefangen habe, dass ich wusste,
was Menschenführung bedeutet:
Verantwortung für seine Mitarbeiter
zu übernehmen, zu wissen, wie wichtig
es ist, dass das Team funktioniert. Wie
wichtig der eine für den anderen ist,
das haben wir dort gelernt.
Warum haben Sie nach dem Maschinenbau-
Studium auf BWL umgesattelt?
Ich habe mich für Maschinenbau entschieden,
weil ich eine mathematische
und naturwissenschaftliche Begabung
hatte. Während ich studierte, habe ich
gemerkt, dass der spätere Beruf mich
eigentlich nicht interessiert.
Sie haben als Technik-Manager beim
Aufbau der ersten deutschen Center-
Parcs-Anlage gearbeitet. Fehlt Ihnen
der technische Aspekt bei Ihrer Arbeit
manchmal?
Nein, ich vermisse das nicht. Aber
wenn ich mit Beispielen aus meinem
Maschinenbaustudium hier im Tagesgeschäft
landen kann, freue ich mich
(lacht).
Könnten Sie sich vorstellen, irgendwann
wieder im Engineering-Bereich
zu arbeiten?
Ich glaube, der Schuh ist anders. Wenn
ein Unternehmen eine interessante
Stelle im Engineering-Bereich zu besetzen
hätte, würde es sich nie für jemanden
entscheiden, der aus dem Fußball
kommt.
Sie sind von einer Recruiting-Agentur
für den FC angeworben worden. Wie
ist man auf Sie gekommen?
Der damalige FC-Präsident Caspers
hatte sich nach dem Abstieg zur Aufgabe
gesetzt, den Verein neu zu strukturieren.
Mit Hilfe von McKinsey und
Headhuntern hat man geguckt, wen
man holt. Man wollte weg von der
klassischen Managerposition. Sie wollten
einen Kaufmann und einen Fachmann
für den Freizeitbereich haben.
Der Kaufmann sollte, neben fachlichen
Dingen, zwei Eigenschaften mitbringen:
kein Kölner, kein Fußballer.
Haben Sie einen Karrieretipp für unsere
Leserinnen und Leser?
Ich glaube, man muss immer die
Offenheit haben für andere Felder und
sich auf Dinge einlassen. Wichtig ist
vor allem, dass man Spaß dabei hat
und nicht mit 40 schon ein Magengeschwür.
Wundert es Sie eigentlich, dass wir Sie
gar nicht zum Podolski-Transfer
befragt haben?
Das ist doch erledigt (lacht)! Da gibt’s
ja nichts Neues mehr. Der Junge
kommt im Sommer und fertig, aus.
Weitere Interviews mit prominenten Gesprächspartnern gibt es in unserer Rubrik Top-Manager!












