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07.05.2008
Christian Baudis: Der Analyst |
Nach einer Banklehre bei der Dresdner
Bank studierte Christian Baudis
Betriebswirtschaftslehre in Frankfurt
am Main und anschließend
Internationales Management an der
Luigi Bocconi Universität in Mailand.
Nach seinem Abschluss ging er als
International Key Account Manager zu
DHL Worldwide Express.
Was hat die Suchmaschine Google
mit Vertrieb zu tun?
Google ist ein Technologieunternehmen,
das vor fast zehn Jahren die
gleichnamige Suchmaschine auf den
Markt gebracht hat. Aber Google hat
noch viel mehr Produkte im Portfolio,
wie beispielsweise das Online-Werbeprogramm
AdWords. Damit können
Kunden Suchbegriffe buchen und dazu
passende Textanzeigen neben den
Ergebnissen platzieren, die die Suchmaschine
liefert. Wenn also ein Nutzer
den Suchbegriff „Digitalkamera“ eingibt,
erscheinen rechts neben den
Suchbegriffen Textanzeigen, die Digitalkameras
bewerben. Und in diesem
Bereich beraten die Google-Vertriebsmitarbeiter
unsere Kunden.
Inwieweit unterscheiden sie sich von
Vertriebsabteilungen in anderen Branchen?
Eigentlich gar nicht so sehr. Was uns
auszeichnet, ist die Innovationskraft
unseres Unternehmens, was uns in die
Lage versetzt, laufend neue Produkte
herauszubringen. Dementsprechend
gibt es bei uns kontinuierlich Schulungen,
um die Mitarbeiter auf dem
Laufenden zu halten. So können sie
zum einen die Kunden gut und richtig
beraten und zum anderen sich selbst
weiterbilden.
Welche Voraussetzungen muss ein
Hochschulabsolvent erfüllen, um in
Ihrer Vertriebsabteilung arbeiten zu
können?
Die Fachrichtung eines Studiums ist
für uns weniger entscheidend als ein
guter Abschluss. Wir haben sowohl
BWLer in unseren Reihen als auch beispielsweise
Geisteswissenschaftler. Wer
mit der Erstellung der Textanzeigen zu
tun hat, muss sprachlich gewandter
sein als zum Beispiel Vertriebler im
Außendienst. Ebenso wichtig ist es, ein
gewisses technisches Know-How und
Interesse mitzubringen, um unsere
Produkte dem Kunden vermitteln zu
können. Außerdem ist bei Google analytisches
Denken gefragt. Denn bevor
wir dem Kunden ein Produkt empfehlen,
müssen wir sein Unternehmen
und sein Geschäftsmodell verstehen.
Nur dann lässt sich eine effiziente
Kampagne planen.
Woran erkennt man einen guten Vertriebsmitarbeiter?
Generell kann man sagen, dass ein
guter Vertriebsmitarbeiter zuhören
können und begeistern muss und
zusätzlich noch offen ist. Bei Google
spielt außerdem die Teamfähigkeit
eine große Rolle, da wir in sehr flachen
Hierarchien arbeiten. Das erfordert
einerseits, dass der perfekte Vertriebsmitarbeiter
selbstständig und unternehmerisch
handelt, andererseits aber
auch, dass er mit seinem Team für die
gemeinsame Sache aktiv ist. Und
natürlich sind Neugierde und Lernfähigkeit
zwei wichtige Aspekte, um
sich bei uns wohl zu fühlen.
Welchen Lebenslauf hat der perfekte
Bewerber?
Der perfekte Bewerber ist idealerweise
mehrsprachig, wobei sehr gute Englischkenntnisse
zum Pflichtprogramm
gehören, da wir ein international agierendes
Unternehmen sind. Ebenfalls
wichtig ist uns, dass der Kandidat einige
passende Praktika gemacht hat; ein
Indiz für uns, dass der Bewerber engagiert
ist. Uns gefällt zudem, wenn Verantwortungsgefühl
aus dem Lebenslauf
hervorgeht: Hat der Bewerber
vielleicht Seminare gehalten? Eine
außeruniversitäre Organisation
gegründet? Eine Kinder-Fußballmannschaft
trainiert? Wir sind immer auf
der Suche nach dem Bewerber, der
anders ist als die anderen.
Warum?
Weil Innovationen für unser Geschäft
maßgeblich sind. Und sie schafft man
nicht mit einer Gruppe Angepasster,
sondern mit Querdenkern.
Was empfinden Sie als besonders großen
Vorteil bei der Arbeit im Vertrieb?
Vertrieb ist messbar. Man sieht sofort,
wie sich die Umsatzzahlen entwickeln.
Steigen oder fallen sie? Es motiviert
ungeheuer, wenn man schwarz auf
weiß sieht, wie erfolgreich man ist.
Darin liegt aber auch gleichzeitig der
größte Nachteil des Vertriebs, denn
natürlich können die Zahlen auch
sinken. Und das kann manchmal frustrieren.
Ist man automatisch viel unterwegs,
wenn man im Vertrieb arbeitet?
Das kommt auf die Branche und die
Position an. Wir haben auch Vertriebsmitarbeiter,
die im Innendienst tätig
und somit nicht oft auf Reisen sind.
Ich selbst bin zwei Tage die Woche in
Hamburg mit der Führung meines
Teams beschäftigt und die restlichen
drei Tage unterwegs bei Kunden –
meistens in Deutschland.
Klingt anstrengend. Haben Sie da
noch Zeit für Ihre Familie?
Ja. Durch die Möglichkeiten der neuen
Technik wie beispielsweise Videosystemen
kann ich auch von zu Hause
an Konferenzen teilnehmen. Allerdings
bringt das auch mit sich, dass man
schon einmal an Sonn- oder Feiertagen
arbeitet. Ich achte dabei aber
immer darauf, dass meine Familie
nicht zu kurz kommt. Wenn ich unterwegs
bin, telefoniere ich mindestens
viermal am Tag mit meiner Frau und
meinen beiden Kindern. Ich glaube
aber, dass sich der Spaß, den ich bei
meiner Arbeit habe, auch auf die Familie
überträgt. Und das ist gut.
Warum arbeiten Sie im Vertrieb?
Ich habe erstens gerne mit Menschen
zu tun, und zweitens bin ich gerne viel
unterwegs. Beides lässt sich mit
diesem Beruf wunderbar vereinbaren.
Durch ständige Treffen mit neuen
Kunden lerne ich viel darüber, wie
ganz unterschiedliche Unternehmen
funktionieren. Das ist sehr spannend.
Was ist Ihr persönlicher Tipp an
Berufseinsteiger?
Man weiß grundsätzlich nicht so viel,
wie man denkt, zu wissen. Sobald man
mit einem anderen Sachgebiet in Berührung
kommt, stellt man nämlich
schnell fest, dass man nur ganz wenig
weiß. Darum ist es auch enorm
wichtig, Neugierde mitzubringen.
Denn so lässt sich der Horizont ständig
erweitern.