Top-Manager
22.10.2007
Alain Caparros: Der Europäer |
Geboren ist er in Frankreich, gearbeitet hat er in seinem Heimatland, in der Schweiz und in Österreich. Seit knapp einem Jahr ist Alain Caparros Vorstandsvorsitzender der Rewe Group in Köln und verantwortet unter anderem die Einheiten Discount, National/International und Vollsortiment Ausland. Im karriereführer spricht er über die Faszination Handel, die Veränderungen der Branche und den 1. FC Köln. Die Fragen stellte Sabine Olschner.
Zur Person Alain Caparros
Alain Caparros, geboren im September 1956 in Tiaret,
ist seit Ende 2006 Vorstandsvorsitzender der Rewe Group.
Vorher war er Mitglied des Vorstands der Rewe-Zentral
und der Rewe-Zentralfinanz in Köln.
Nach dem BWL-Studium in Saarbrücken und Metz begann der gebürtige Franzose 1981 seine berufliche Laufbahn beim Kosmetikkonzern Yves Rocher, wo er zunächst in verschiedenen Funktionen in Deutschland, der Schweiz und Österreich tätig war. Ab 1991 verantwortete er als Vizepräsident in Paris Strategie und Entwicklung der Gruppe national und international.
1994 wechselte Caparros zum europäischen Discount-Marktführer Aldi und wurde Generaldirektor von Aldi Frankreich. 1999 übernahm er als Vorstandsvorsitzender von Aldis Service Plus ASP die Verantwortung für das in Frankreich führende Unternehmen in der Gastronomie-Belieferung.
Wie wird sich der Handel in den nächsten Jahren verändern?
Der Handel war immer eine dynamische Branche und
wird sich auch künftig mit hohem Tempo weiterentwickeln.
Maßstab sind die Veränderungen im Konsumverhalten.
Hier spielen die bevorstehenden demografischen
Veränderungen eine große Rolle: Die Gesamtbevölkerung
schrumpft, die Menschen werden älter und weniger mobil.
Der Trend zu Ein-Personen-Haushalten hält an. Die
Macht der Konsumenten nimmt zu. Fehlverhalten des
Handels wird sehr schnell abgestraft. Als einer
der führenden Lebensmittelhändler müssen wir uns in
einem sich noch verschärfenden Wettbewerb mit unserem
klassischen, stationären Vertriebsformen und mit der
Entwicklung neuer Vertriebsstrategien darauf einstellen.
Die Konzentration wird sowohl im Handel als auch bei den
Herstellern zunehmen. Zur Internationalisierung gibt
es keine Alternative.
Was bedeutet das für Hochschulabsolventen, die
in der Handelsbranche Fuß fassen wollen?
Der Handel bietet durch seine Komplexität, den
Wettbewerbsdruck und den Zwang zur absoluten
Kundenorientierung breitgefächerte Entwicklungschancen.
Wie in der Automobilindustrie heißt es heute auch hier:
„ Just-in-Time“. Hochschulabsolventen sollten daher
vernetzt und analytisch denken und handeln können,
das ist eine unabdingbare Voraussetzung. Aus diesem Grund
haben bei uns Quereinsteiger sehr gute Chancen. Ein
Unternehmen wie die Rewe Group benötigt nicht nur
Volkswirte, Juristen oder Betriebswirtschaftler.
Wir wollen junge Menschen mit Phantasie und Kreativität.
Denn eines gilt heute wie vor hundert Jahren: Ein
Händler braucht Kopf, Herz und Bauch.
Warum hat die Branche eigentlich bei Nachwuchskräften
noch immer einen recht schlechten Ruf?
Weil der Lebensmittelhandel nicht in großen
Werbeanzeigen suggeriert, ein Lebensgefühl zu
verkaufen – so wie zum Beispiel die Auto- oder die
Chemieindustrie. Der jedem bekannte „tägliche Einkauf“
speist immer noch das Vorurteil, der Handel biete
ausschließlich die Perspektive, Tag aus Tag ein an
der Kasse zu sitzen oder Regale einzuräumen.
Im Handel zu arbeiten bedeutet natürlich sehr
viel mehr. Doch die mit Hochtechnologie hinterlegten
Prozessketten sind für die Kunden nicht gleich
sichtbar. Auch nicht die Internationalisierung.
So ist die Rewe Group bereits in 14 Ländern aktiv.
Wir können internationale Karrieren mit einem hohen
Maß an Entscheidungsfreiheit, Gestaltungsspielraum
und Verantwortung bieten. Wer bei uns hart
arbeitet, der kommt rasch vorwärts.
Sie legen bei der Rewe Group großen Wert auf
eigenverantwortliches Handeln und unternehmerische
Selbstständigkeit. Was bedeutet das konkret für
Mitarbeiter und auch Berufseinsteiger?
Die genossenschaftliche Tradition der 1927 gegründeten
Rewe Group hat über die Jahrzehnte zu einer Kultur
der
Welche Tipps können Sie karriereorientierten
Hochschulabsolventen geben, die es wie Sie in
die oberste Führungsebene schaffen wollen?
Es ist unerlässlich, sich bereits im Studium konkrete
Ziele zu stecken und diese auch beim Berufseinstieg
konsequent zu verfolgen. Im Handel gehört dazu,
sich zunächst Basis-Know-how über die Branche – also
in den Märkten, am Point of Sale – anzueignen.
Denn auf diesem Wissen bauen sämtliche späteren
Tätigkeiten bis hin in die oberen Führungspositionen auf.
Sie haben schon auf diversen führenden Positionen
im europäischen Ausland gearbeitet. Welche
Voraussetzungen muss man Ihrer Meinung nach für eine
Auslandskarriere erfüllen?
In allererster Linie muss man bereit sein,
sich mit der Kultur des Landes auseinanderzusetzen.
Natürlich sind auch gute Fremdsprachenkenntnisse
im internationalen Lebensmittelhandel unerlässlich.
Vor dem Hintergrund meiner Biographie kann ich nur
raten, Auslandserfahrung durch Praktika oder
Auslandssemester zu sammeln sowie neugierig
auf andere Kulturen zu sein.
Welche Länder werden für Rewe in Zukunft attraktiv sein?
Die Rewe Group wird in den kommenden Jahren ihre
Expansion vor allem in Süd- und Osteuropa konsequent
fortsetzen. Die aufstrebenden Volkswirtschaften
in diesen Regionen sind sehr interessante Wachstumsmärkte,
die allerdings auch hart umkämpft sind.
Werden sich dort auch Chancen für Hochschulabsolventen ergeben?
Grundsätzlich ja. Allerdings achten wir stark darauf,
dass die Führungsmannschaft im jeweiligen Land zu
einem großen Teil aus Managern besteht, die aus dem
Land kommen. Nur durch dieses länderspezifische Wissen
sind wir nah genug an unseren Kunden in ganz Europa.
Seit 1994 sind Sie im Lebensmittel-Handel tätig.
Warum fasziniert Sie gerade dieser Handelssektor?
Weil wir mit unseren Lebensmitteln ganz dicht am Kunden
sind. Wir liefern einen wichtigen Beitrag zur
Lebensqualität. Wir müssen uns täglich neu darauf
einstellen, unsere Kunden in ihrer millionenfachen
Verschiedenheit erneut für uns zu gewinnen. Da
ist kein Tag so wie der andere. Was kann es Spannenderes geben?
Zu guter Letzt: Rewe ist neuer Hauptsponsor des 1. FC Köln.
Fußball und Handel – wo liegen die Gemeinsamkeiten?
Sowohl im Handel als auch im Fußball ist die Mannschaft
der Star. Das heißt nicht, dass es nicht auch Solisten
und Individualisten gibt, doch ganz gleich, welche
Rolle man spielt, man dient dem großen Ganzen.
Und außerdem: der FC gehört genauso zu Köln wie
der Dom oder die Rewe Group. Das ist auch ein
Stück Verantwortung für das gesellschaftliche
Umfeld des eigenen Standortes.
Die Rewe Group
Die 1927 gegründete Rewe Group ist eine genossenschaftliche Gruppe. Vorstand, Anteilseigner und Kaufleute der Rewe Group bekennen sich zu der genossenschaftlichen Struktur als Garant für Unabhängigkeit und Selbstbestimmung.Im vergangenen Jahr erwirtschaftete die Gruppe rund 43,5 Milliarden Euro und beschäftigte in 14 europäischen Ländern 270.000 Mitarbeiter, darunter 184.000 in Deutschland.
Neben den Rewe-Supermärkten gehören zur Gruppe zum Beispiel auch der Discounter Penny, das SB-Warenhaus und der Baumarkt toom sowie die Reisebüros Atlas, DER und Derpart. Der Lebensmittelhandel in Deutschland ist das Fundament des wirtschaftlichen Erfolgs. Mit einem Umsatz von 4,2 Milliarden Euro ist das zweite strategische Geschäftsfeld die Touristik, gefolgt von den Fachmärkten mit 1,7 Milliarden Euro. Knapp 30 Prozent des Umsatzes wird im Ausland erzielt.












