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Hochschule

01.07.2002

Virtuelles Netzwerk für Akademikerinnen

von karriereführer

Seit dem Jahr 2000 gibt es die virtuelle internationale Frauenuniversität (vifu). Und inzwischen verzeichnet das Angebot weltweit über 1000 Zugriffe täglich. Die meist weiblichen Nutzer nehmen das Angebot dankbar an: "Wir schaffen uns über die vifu unser eigenes Mentoring-System und gewinnen Einfluss im Wissenschaft und gesellschaftlicher Praxis," meint eine Nutzerin. "vifu ist Teil unseres täglichen Lebens geworden," stellt Dr. Khin Ni Ni Thein aus Burma fest. 800 Frauen aus 115 Länder hatten vifu technisch und inhaltlich konzipiert und umgesetzt.

Mehr Einfluss für Frauen in Wissenschaft und Gesellschaft - kein fernes Ziel, sondern jeden Tag ein bisschen mehr Wirklichkeit: Das gelingt zur Zeit der Virtuellen Internationalen Frauenuniversität (vifu). Sie ist ein eindrucksvolles Ergebnis der Internationalen Frauenuniversität (ifu), die parallel zur EXPO von Juli bis Oktober 2000 mehr als 800 Wissenschaftlerinnen aus 115 Ländern zusammengeführt hatte. Auch die Universität Bremen war am ifu-Projekt beteiligt und spielt bei der virtuellen Frauen-Uni eine wichtige Rolle. Der Server der vifu steht inzwischen an der Bremer Uni und wird in der Arbeitsgruppe "Digitale Medien in der Bildung" (Informatik) unter Leitung von Professorin Heidi Schelhowe im Rahmen eines Drittmittelprojektes, finanziert vom Bundesministerium für Bildung und Forschung, weiterentwickelt.

Vom Projekt zum Perpetuum Mobile

Die vifu begann als Projekt an der Berliner Humboldt-Universität mit dem Auftrag, die ifu im Internet vorzubereiten, zu begleiten und fortzuführen. Der Aufbau des Servers wurde - auf der Grundlage von Open-Source-Software - zusammen mit künftigen Nutzerinnen in Angriff genommen. Die ifu-Userinnen wurden in den Prozess der Technikentwicklung mit hineingenommen, insbesondere nach ihrer Ankunft in Deutschland. "Software wird in diesem partizipativen Prozess weniger als Produkt, sondern als Dienstleistung verstanden. Ein kreatives und selbstbestimmtes Konzept technologischer Ausbildung der Teilnehmerinnen und deren Einflussnahme auf die Technik selbst, auf ihre Funktionalität und Benutzbarkeit gehen Hand in Hand", so Heidi Schelhowe, früher Humboldt-Universität zu Berlin, jetzt Informatik-Professorin an der Universität Bremen.
Die Gestaltung des Servers wird getragen von Prinzipien der Interaktivität. Die Teilnehmerinnen der ifu haben den Server zu ihrem Server gemacht und ihn gemeinsam - aus unterschiedlicher kultureller Perspektive - weiterentwickelt. Die Einbeziehung und das technologische Wissen der ifu-Teilnehmerinnen bildete einerseits eine Basis dafür, dass sie nach ihrer Rückkehr in ihrem Land selbst zu Pionierinnen technischer Entwicklung werden konnten. Es schuf andererseits eine enge Verbindung unter den Teilnehmerinnen und einen Bezug zum Server. Wenige virtuelle Bildungsumgebungen erfreuen sich derart reger Beteiligung wie die vifu, die weiterhin aus über 100 Ländern täglich mehr als 1000 Zugriffe verzeichnet.

Wissenspool durch Vernetzung

Die Universität Bremen engagiert sich in Projekten, die auf internationaler Ebene virtuelle "Networks of Agents" bilden und die gemeinsam Produktion und Nutzung von Wissen und Wissensproduktion gestalten und diese durch globale Kommunikation auf kulturell unterschiedliche lokale Gegebenheiten anwenden. Ein solches Netzwerk sieht Heidi Schelhowe in der vifu. Auch anderthalb Jahre nach dem Ende der ifu sind über den vifu-Server bis zu 1000 Akademikerinnen miteinander vernetzt, kooperieren und tauschen sich regelmäßig aus über internationale Forschungsprojekte, Stellenangebote und Konferenzankündigungen, verfassen gemeinsam Publikationen, organisieren Praxisprojekte. "Für meine Abschlussarbeit brauchte ich empirisches Material. Über den vifu-Server stellte ich meine Frage und erhielt einen Tag später 82 Antworten aus aller Welt", berichtet eine vifu-Teilnehmerin.

Ein Server reist um die Welt

Das internationale Netzwerk ist noch bis Ende des Jahres finanziell abgesichert. Seine Zukunft soll auf die Einbeziehung weiterer Akademikerinnen, über den ifu-Kreis hinaus, zielen. Das Projektteam denkt daran, die Netzaktivitäten sowie die technologischen und didaktischen Kompetenzen und die Erfahrungen in kooperativer und interkultureller Technologieentwicklung in andere Länder zu exportieren. Wenn die Finanzierung langfristig gesichert sei, könnten unter dem Motto "Ein Server reist um die Welt" interkulturelle Technikseminare in Südafrika stattfinden, kündigt Dr. Schelhowe an. Die Universität Bremen ist übrigens dem internationalen Hochschulkonsortium für ein "Womens Institut of Technology" beigetreten, das aus der ifu hervorgehen soll und ein einjähriges Masterprogramm mit virtueller Unterstützung organisiert.

Weitere Informationen:

Universität Bremen
Fachbereich Mathematik / Informatik
Prof. Dr. Heidi Schelhowe
Tel. 0421 / 218 2489
Fax. 0421 / 218 4269



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