22.07.2002
Jeder vierte Student verlässt die Hochschule ohne Abschlussvon karriereführer |
Inhalt:
Abbruchsrate an Unis am höchsten
Aufklärung an Schulen nötig
Fast jeder 2. Soziologe bricht ab
Abbruchsrate an Unis am höchsten
Edelgart Bulmahn sagte am 22. Juli 2002 in Berlin, dass die Hochschulen nun ihre Angebote überprüfen und für bessere Informationen der Studenten sorgen müssten. Während die Abbrecherquote aller Hochschulen (FH, Uni, TU, Berufsakademien etc.) bei 27 Prozent liegt, ist sie in den deutschen Universitäten mit 30 Prozent deutlich höher. An Fachhochschulen brechen "nur" 22 Prozent ihr Studium ab. Der Unterschied sei laut der Studie unter anderem auf die straffer geordneten Studiengänge und eine effizientere Lehrorganisation an den Fachhochschulen zurückzuführen. Zwischen 1992, als die letzte Studienabbruchstudie veröffentlicht wurde, und 2002 sind die Unterschiede jedoch gering. Bereits 1992 wurde eine generelle Abbruchquote zwischen 25 und 27 Prozent ermittelt, so dass der Richtwert von einem Viertel, die ihr Studium abbrechen schon vorher existierte. In der aktuellen "Studienabbruchstudie 2002 - Sudienabbrecher in den Fächergruppen und Sudienbereichen der Universitäten und Fachhochschulen" verringerte sich allerdings der Prozentsatz von weiblichen Studienabbrechern - von damals 28 bis 30 Prozent auf 26 Prozent. Die Rate bei den Männern verschlechterte sich im gleichen Zeitraum von damals 23 bis 25 Prozent auf 28 Prozent.
Aufklärung an Schulen nötig
Laut Ministerin Buhlmahn seien überfrachtete Studienpläne die Ursache für das Scheitern der Hochschulen. Sie forderte, dass "die künftigen Studierenden bereits in der Schule das kennenlernen müssen, was sie später in der Hochschule erwartet". In Zukunft sollten Professoren und Professorinnen den Kontakt mit den Schulen intensivieren und insbesondere in der Oberstufe über Studienmöglichkeiten aufklären.
Aufschlüsse über die Gründe des Studienabbruchs erwartet die Ministerin von der Studienabbrecherbefragung 2000/2001, die im Herbst vorliegen soll. Sie unterstrich, dass die Bundesregierung die finanziellen Rahmenbedingungen für Studenten durch eine BAFöG-Finanzspritze von jährlich 500.000 Euro verbessert und die Zahl der Bachelor- und Masterstudiengänge auf fast 1.100 erhöht habe.
Fast jeder 2. Soziologe bricht ab
An den Universitäten verzeichnet die Fächergruppe Sprach-, Kultur- und Sportwissenschaften die höchste Studienabbruchquote: Ein Drittel brechen ihr Studium ab. Mit 30 Prozent liegt dieser Wert in der Gruppe Jura-, Wirtschafts- und Sozialwissenschaften ebenfalls sehr hoch, was aber in starkem Maße am Fachbereich Sozialwissenschaften liegt, der eine Abbrecherquote von 42 Prozent verzeichnete. Und auch von 100 Informatik-Studienanfängern an einer Universität geben 37 das Studium vorzeitig auf. Die geringsten Abbrecherzahlen werden in Medizin mit nur acht Prozent registriert.
Erstmals wurde auch eine sogenannte Schwundquote ermittelt, die neben den Studienabbrechern auch die Fachwechsler berücksichtigt. Besonders hoch ist die Schwundquote an den Universitäten mit 58 Prozent in der Fächergruppe Sprach-, Kultur- und Sportwissenschaften. Viele Studierende geben auch in Mathematik und den Naturwissenschaften auf. An den Universitäten liegt der Schwund in diesen Fächern bei 45 Prozent, an den Fachhochschulen erreicht er 41 Prozent.
Weitere Informationen:
Bestellung der Broschüre: 'Studienabbruchstudie 2002 - Studienabbrecher in den Fächergruppen und
Studienbereichen der Universitäten und Fachhochschulen' bei:
HIS Hochschul-Informations-System GmbH
Goseriede 9
30159 Hannover