08.07.2005
Ausländische Studenten in Österreich diskriminiertvon Thomas Böttcher |
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Den Zulauf der jungen Österreicher regelten die Hochschulen selbst, und den ausländischen (vorwiegend deutschen) Studenten verwährte man das Studieren mit der Begründung, dass sie nur zugelassen würden, wenn sie auch die Qualifikation für einen entsprechenden Studienplatz in ihrem Herkunftsland nachweisen könnten.
Doch genau dieser Paragraph der Zulassungsordnung verstößt nach einem Urteil des Europäischen Gerichtshofs (EUGh) gegen gültiges EU-Recht, da er ausländische Studenten diskriminiere. Allein 60.000 Studenten aus Deutschland sind davon betroffen, da sie dem deutschen Numerus clausus zum Opfer gefallen sind. Nach dem Luxemburger Urteil drohe nun eine regelrechte Invasion der jungen Deutschen, so die Befürchtung von Experten, und es drohe eine Gefährdung des Lehrbetriebs in Österreich. In den Fächern Medizin, Veterinärmedizin, Psychologie, Zahnmedizin, Biologie und Pharmazie beispielsweise stehen in Österreich insgesamt nur rund 8400 Plätze für Studienanfänger zur Verfügung.
Da aber gerade auch diese Fächer in Deutschland sehr beliebt sind, reiche die Zahl in Zukunft einfach nicht aus, so die Meinung der Experten. Daher sollten sich trotz des Urteils nicht allzu viele ausländische Studenten Hoffnungen machen, tatsächlich einen Studienplatz in Österreich zu bekommen. Denn bereits in den nächsten Tagen dürften die betroffenen Universitäten Maßnahmen beschließen, die ein Chaos in den besonders begehrten Fächern verhindern sollen. Die Regierung allerdings lehnt die Einführung eines österreichischen Numerus clausus weiterhin ab. Dafür werden andere „Notmaßnahmen“ ins Auge gefasst, wie zum Beispiel Aufnahmeprüfungen oder Einstiegssemester für die sieben Fächer, an deren Ende dann mit Hilfe von Tests "aussortiert" wird.
Die Zahl der Studienanfänger soll in jedem Fall auf die Durchschnittszahl der vergangenen drei Jahre begrenzt werden. Dem Urteil der europäischen Richter wäre damit in jedem Fall genüge getan, denn künftig wären von diesen Beschränkungen sowohl Ausländer, als auch Österreichs Studienanfänger betroffen. Und somit hätte auch ein deutscher Numerus-clausus-Student seine Chance: Allein an der veterinär-medizinischen Fakultät in Wien haben sich bereits 1000 deutsche Interessenten für einen Studienplatz vormerken lassen.