03.10.2003
CHE begrüßt erneuten Studiengebühren-Vorstoßvon Robert Piterek |
Nach Ansicht des CHE ist ein Gebührenverbot, wie es auf Veranlassung der Regierungskoalition zurzeit gelte, "grundfalsch" und "verfassungsrechtlich bedenklich". CHE-Leiter Detlef Müller-Böling sagte: "Modelle, wie allgemeine Studiengebühren für das Erststudium sozialverantwortlich gestaltet werden können, liegen seit langer Zeit auf dem Tisch."
Nachgelagerte Gebühren
Derzeit sind so genannte "Nachgelagerte Gebühren" in der Diskussion, die erst bei Antritt des ersten Jobs nach dem Studium zurückgezahlt werden müssen. Dies ist heute bereits beim BAFÖG üblich. Die Neuorientierung der SPD sei zu begrüßen, gab das CHE, eine von der Bertelsmann Stiftung und der Hochschulrektorenkonferenz (HRK) gegründete GmbH, bekannt. Allerdings fließe so das dringend benötigte "frische Geld" erst mit enormer Zeitverzögerung in die Hochschulen.
Darlehensmodell gefordert
Das CHE, welches sich als Institution für Hochschulreformen versteht, favorisiert ein Darlehensmodell mit dem sich beides erreichen ließe: Das Gebührenaufkommen fließt sofort an die Hochschulen, die Rückzahlung erfolgt nachlaufend, also erst dann, wenn die Studierenden ihr erstes Geld verdienen.
CHE: Finanzierung der Hochschulbildung unsozial
Die Hochschulreformer um Detlef Müller-Böling argumentieren, dass die heutige Finanzierung der Hochschulbildung über Steuergelder auch der Nicht-Akademiker nicht sozial gerecht sei. Ein Missstand, den die Einführung von Studiengebühren beenden würde. Hinzu käme der positive Nebeneffekt, dass die Verbindlichkeit im Verhältnis zwischen Studierenden und Hochschulen stiege. Käme es darüber hinaus zu einem "Optionsmodell", das es den Hochschulen selbst überließe, ob sie Studiengebühren einführer wollten oder nicht, würde der Wettbewerb um überzeugende Lehrkonzepte gestärkt.
CHE: Niemand soll von Studium abgehalten werden
Studierende von der Hochschulausbildung abhalten will Müller-Böling aber nicht. Voraussetzung für die Studiengebühren sei, dass die Gelder tatsächlich zusätzlich für die Lehre zur Verfügung stünden und Stipendien- und Darlehensmodelle verhinderten, dass jemand aus finanziellen Gründen von einem Studium abgehalten werde.
Studierende strikt gegen zusätzliche Belastungen
Eine qualitative Umfrage unter 202 Studierenden der TU Dresden macht deutlich, was Studierende in Deutschland vom Thema allgemeine Studiengebühren halten. Strikt dagegen sind 100 Studierende (50 Prozent), eher dagegen 54 (27 Prozent). Nur 28 Studierende (14 Prozent) stehen den neuen Vorschläge zu allgemeinen Studiengebühren demnach aufgeschlossen gegenüber. 18 (Neun Prozent) sind unentschieden. Dass die zusätzlichen Gelder zur Qualität des Studiums beitragen würden, glaubt ebenfalls nur eine Minderheit. Genauer: 36 (17,9 Prozent) von 202 Studierenden.
Quelle: Informationsdienst Wissenschaft, CHE, Homepage TU Dresden
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