03.06.2005
Noir sur Blanc veröffentlicht Studie zur Entwicklung des internationalen MBA-Marktesvon Thomas Böttcher |
Der lebhafte Konkurrenzkampf auf dem MBA-Markt, den sich Universitäten und Business Schools in der ganzen Welt liefern, hat sowohl strukturelle als auch konjunkturelle Gründe. Als eine der wichtigsten Ursachen ermittelte Noir sur Blanc die weltweite Explosion der Anzahl der Programme in den letzten fünf Jahren. So ist ein Drittel der untersuchten MBA-Programme jünger als zehn Jahre – ein Phänomen, das in Europa und im asiatisch-pazifischen Raum besonders deutlich wird. Gleichzeitig ist ein globaler Rückgang der Teilnehmerzahlen zu verzeichnen, was zunächst demographische Ursachen hat. Zusätzlich jedoch erschwert das schwache Wachstum der Weltwirtschaft eine schnelle Rendite auf die Investitionen an Kapital und Zeit, die mit einem MBA-Studium verbunden sind. Schließlich wird auch die lange Zeit dominierende Stellung des anglo-amerikanischen MBA-Marktes durch Alternativen aus Europa und dem asiatisch-pazifischen Raum ernsthaft in Frage gestellt.
Angesichts der sinkenden Bewerberzahlen bleibt die Mehrheit der MBA-Verantwortlichen dennoch optimistisch und sucht neue Expansionsmöglichkeiten: 77,9 Prozent der Befragten planen eine Erweiterung ihres MBA-Angebots mittels unterschiedlicher Methoden: Erhöhung der Absolventenzahlen, Schaffung neuer Diplome, Kooperation mit anderen Hochschuleinrichtungen, Niederlassungen im Ausland. Die Lösungsansätze sind vielfältig.
Neue Modelle gewinnen an Einfluss
In ihrem Bestreben, sich den gewandelten Marktbedingungen und neuen Ansprüchen der Kunden anzupassen, bieten Business Schools verstärkt Programme an, die sich immer weiter vom klassischen MBA-Modell entfernen. So steigern Teilzeit- und Executive-MBA-Programme beständig ihren Marktanteil, und die große Mehrheit der MBA-Verantwortlichen ist vom wachsenden Erfolg dieser Modelle in den kommenden Jahren überzeugt. Die europäischen Angebote sind dabei besonders innovativ und zeichnen sich gegenüber ihren US-amerikanischen Pendants durch eine größere Diversität und Internationalität aus. Angesichts dieser Vielfalt sorgen sich viele führende Business Schools allerdings um die Reputation des MBA-Studiums. Sie fürchten, dass einige dieser neuen Modelle zu einer Entwertung des MBA-Abschlusses führen und dem Prozess der Rationalisierung und Harmonisierung der europäischen Studiengänge (Bologna-Deklaration) entgegenstehen könnten.
Ohne Akkreditierung geht nichts
Wie kann ein MBA-Anbieter in einer so unüberschaubar gewordenen Landschaft sichtbar bleiben? Als Patentlösung erscheint hier eine internationale Akkreditierung, da sie ein bestimmtes Qualitätsniveau bescheinigt und häufig eine Bedingung für die Präsenz in den internationalen MBA-Rankings ist. Allerdings vervielfacht sich die Anzahl der akkreditierten Hochschuleinrichtungen im Laufe der Zeit automatisch. Hinzu kommt, dass viele der untersuchten Business Schools neben den weltweit anerkannten Akkreditierungen von AMBA, AACSB und EFMD über eine zusätzliche Akkreditierung verfügen, wie die der FIBAA für den deutschsprachigen Raum. Zwar ist die Akkreditierung heute unverzichtbar, aber nicht ausreichend für die Bekanntheit einer Hochschuleinrichtung. Deshalb legen Business Schools immer größeren Wert auf ihre Kommunikation, ihre Marketingstrategie, ihr Ehemaligen-Netzwerk und den Ruf ihrer akademischen Partner.
Neuausrichtung oder Umwälzung?
Wachstum des europäischen Angebots, Stagnation bei den klassischen Programmen, insbesondere in den USA, Unschärfe der „Marke“ MBA – der MBA-Markt ist heute heterogen und extrem umkämpft. Er durchläuft eine Phase der Neuausrichtung, die hauptsächlich auf die ernsthafte europäische Konkurrenz zurückzuführen ist, die auf den lange Zeit von den anglo-amerikanischen Programmen dominierten Markt drängt. Die stürmische Entwicklung erstrangiger Wirtschaftsmärkte, allen voran Indien und China, wird innerhalb kurzer Zeit zu einem immensen Bedarf an hochqualifizierten Führungskräften in Wirtschaft und staatlichem Sektor führen. Die Nachfrage nach einer adäquaten Ausbildung wird parallel dazu ansteigen, vor allem angesichts des demographischen Gewichts dieser Länder. Dabei ist zu erwarten, dass bald auch Bedarf an der Ausbildung von Eliten besteht. Der MBA-Markt dürfte daher vor einer neuen Wachstumsphase stehen.