Britische NARIC erkennt deutschen BA und MA nicht voll an
von Robert Piterek
Über 1.000 gestufte Studienangebote gibt es mittlerweile - und die Studienzahlen steigen. Voll anerkannt sind diese Studiengänge aber noch nicht, räumt die Kultusministerkonferenz der Länder (KMK) ein: Das britische Äquivalenzzentrum NARIC setzt den deutschen Master einem britischen Bachelor gleich und den deutschen Bachelor einem sogenannten „Ordinary Bachelor“. KMK gegenüber karrierefuehrer.de: „Die Internationalisierung ist schwierig.“
Grundvoraussetzung für die flächendeckende Umstellung des Hochschulsystems, welches zurzeit die deutschen Universitäten und Fachhochschulen prägt, ist die internationale Anerkennung. Daher dringt die KMK auf eine sachgerechte Anerkennung der neuen deutschen Hochschulabschlüsse in Großbritannien. Der britische „Ordinary Bachelor“, dem der deutsche Bachelor gleichgesetzt wird, ist einem Vertreter der KMK zufolge „ein niedrigerer Abschluss, der nicht mit dem Bachelor vergleichbar ist“. Ziel sei, erläutert er, dass „zum Beispiel ein Bachelor in Deutschland erworben wird und der Master danach in Großbritannien. Vom Äquivalenzprinzip her müssen wir darauf dringen, dass die Abschlüsse gleichwertig behandelt werden: die Harmonisierung seitens der NARIC ist notwendig!“
Britische Unis erkennen Abschlüsse überwiegend an
Inoffiziell gibt es allerdings wenig Probleme. Die KMK beobachtet, dass deutsche Abschlüsse „in den überwiegenden Fällen“ von britischen Universitäten ohne Abstriche anerkannt werden. Die KMK habe jedoch den Anspruch, dass das jeweilige Anerkennungsverfahren nach gemeinsamen Maßstäben erfolge, hieß es. Die in einem deutschen Studium erworbenen wissenschaftlichen Qualifikationen würden in der von UK NARIC vorgenommen Bewertung nicht ausreichend respektiert. Sie stellt Masterabschlüsse deutscher Hochschulen mit acht bis zehn Semestern Regelstudienzeit britischen Bachelor-Abschlüssen gleich, die bereits nach sechs Semestern Hochschulstudium erreicht werden können. Besonders bitter ist, dass durch diese Bewertung die mit dem Abschluss verbundenen akademischen Berechtigungen ignoriert werden. Ein Bachelor-Abschluss eröffnet den Zugang zu einem Masterstudium, der Master ermöglich die Promotion. Fazit der KMK: Ein deutscher Bachelor kann nur einem „Bachelor Honours“, also einem vollwertigen Bachelor, gleichgestellt werden. Dasselbe gelte für den Master.
Ziel des Bologna-Prozesses: Anerkennung im Ausland
30 europäische Staaten einigten sich in der Bologna-Erklärung vom 19. Juni 1999 darauf, bis zum Jahr 2010 einen einheitlichen „Europäischen Hochschulraum“ zu verwirklichen. Um die Konvergenz der Hochschulsysteme zu ermöglichen, werden daher seither die gestuften Abschlüsse (Bachelor und Master) in Deutschland eingeführt. Dies dient auch der Verbesserung der Anerkennung in den ausländischen Staaten, die ein derartiges System schon seit langem haben. Probleme werden sehr ernst genommen. Eine Einigung zwischen der KMK und der UK NARIC ist schon deshalb sehr wichtig, weil es keine staatliche Vereinbarung über die gegenseitige Anerkennung der Hochschulabschlüsse gibt. Die zuständigen deutschen Stellen (Kultusministerkonferenz, Wissenschaftsressorts der Länder, Hochschulrektorenkonferenz) seien jedoch im Kontakt mit dem britischen Äquivalenzzentrum, um die „auf Missverständnissen und Fehleinschätzungen beruhende“ Bewertung deutscher Abschlüsse in Großbritannien zu verbessern. Zudem ist das europäische Netzwerk für Qualitätssicherung im Hochschulbereich (ENQA) gerade damit befasst, europaweit harmonisierte Referenzrahmen für die neuen Studiengänge zu entwickeln.