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Hochschule

23.08.2002

Skepsis gegenüber Bachelor und Master überwiegt noch

von Robert Piterek

Bachelor- und Master-Studienangebote gibt es mittlerweile an fast jeder deutschen Uni. Das breite Angebot wird aber bisher nur zögerlich angenommen. Oft herrscht der Irrglaube, für B.A. und M.A. würden Extrakosten erhoben. Viele schreckt auch die Unsicherheit über die Nutzungsmöglichkeiten auf dem Arbeitsmarkt ab. karriereführer.de wollte es genau wissen und sprach mit Dr. Gerd Grün von der allgemeinen Studienberatung der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf über den Stand der Dinge und die Zukunft der internationalen Abschlüsse.

Nur Semesterbeitrag fällig

"Bei einem Bachelor oder Master-Studium fallen keine besonderen Kosten neben dem normalen Semesterbeitrag an," versichert Dr. Grün. An der Düsseldorfer Heinrich-Heine-Universität beträgt er für alle angebotenen Studiengänge derzeit 107 Euro und 30 Cent. Zusätzlich einkalkuliert werden müssten höchstens Ausgaben für Literatur und eventuell im Studienprogramm vorgesehene Auslandsaufenthalte, so der Studienberater. Entstanden sei der Irrglaube vom teuren Bachelor oder Master laut Grün durch die Angebote privater Hochschulen, die die internationalen Abschlüsse schon seit geraumer Zeit im Programm hätten und Gebühren in unterschiedlicher Höhe berechneten.

Skepsis ist Grund für schwache Nutzung

Nach den Zahlen des Statistischen Bundesamtes studieren derzeit 1.860.698 Personen in Deutschland (2001/02). Lediglich etwa ein Prozent davon absolvieren eine international anerkannte Hochschulausbildung. Grob kalkuliert haben sich also bisher zirka 19.000 Studenten auf den neuen Studientrend eingelassen. Welche Ursachen haben die niedrigen Nutzungszahlen? Hinter der zögerlichen Haltung der Studenten stecken nach Ansicht von Dr. Grün drei Grundsorgen:

  • Skepsis vor Neuem: Bisher sind Studienanfänger noch vorsichtig, da Unklarheit darüber besteht, was von einem Bachelor oder Master erwartet werden kann.

  • Konzentration auf Teilgebiet statt Allgemeinstudium: Die sechssemestrigen Bachelor-Studiengängen gehen konkret auf einen wissenschaftlichen Teilbereich ein, geben aber keinen allgemeinen Überblick. Studenten, denen dies wichtig ist, haben aber keinen Grund zur Sorge: Im viersemestrigen Masterstudium im Anschluss können die allgemeinen wissenschaflichen Grundlagen des Fachbereichs nachgeholt werden.

  • Wissenschaftliche Laufbahn ausgeschlossen: Auch diese Sorge ist unbegründet, denn als erster Schritt für eine Karriere an der Universität gilt ein abgeschlossenes Vollstudium. Der Master of Arts kann in der Regel frühestens nach zehn Semestern erworben werden, hat dadurch den Status eines Vollstudiums und ist in der Wertigkeit dem Magister Artium ebenbürtig.

B.A. wird andere Studiengänge ablösen

Grün ist von einer weitreichenden Ablösung der deutschen Studienabschlüsse durch Bachelor und Master überzeugt. Denn gewisse Studiengänge würden zukünftig nur noch in Form der international anerkannten Variante angeboten. In etwa drei Jahren werde bei den Studierenden auch die Skepsis vor dem Neuen weichen, ist sich Grün sicher. Dann werde die Nutzungsquote deutlich nach oben schnellen. Wie die Unternehmen in Deutschland auf die neuen Studiengänge reagierten, sei allerdings noch unklar, denn bisher gebe es - zumindest in Düsseldorf - noch keine Studenten, die ihre Hochschulausbildung mit einem Bachelor oder Master beendet hätten. Gute Chancen auf dem Arbeitsmarkt sieht der Studienberater aber für Absolventen des an der Universität Düsseldorf angebotenen B.A Kultur und Medien und anderer internationaler Medienstudiengänge.

Zweitstudium B.A: Vernünftiger Schritt für Absolventen

Wenngleich nach dem Beschluss über die Einführung von Studiengebühren ab dem Sommersemester 2003 die Finanzierung eines Zweitstudiums erschwert wird, betrachtet Grün ein international ausgerichetes Studium auch für Hochschulabsolventen als vernünftigen Schritt: "Ein Zweitstudium kann durchaus sinnvoll sein. Und zwar nicht nur zur Umorientierung, sondern auch zur Wissensergänzung."

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