Hochschule
19.08.2003
Doktorenschmiedenvon Caroline Augspurger
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Das Studium beendet – und jetzt steht man als Naturwissenschaftler vor der Wahl: Soll ich promovieren oder soll ich noch was anderes studieren?
Soll ich lieber in der Industrie das „große Geld“ verdienen? Wie finde ich bei dem großen Angebot das Richtige für mich?
Die meisten wollen nach ihrem Abschluss endlich arbeiten, Geld verdienen. Sie entscheiden sich für einen Job in der Industrie. Andere für eine Promotion. Oder ist ein Zweitstudium sinnvoll? Je nach Bundesland und Abschlussnote muss man für das Zweitstudium tief in die Tasche greifen (ca. 500 Euro pro Semester) und wird höchstens an Erfahrung reich.
Wer sich für die Promotion entscheidet, wird zwar zunächst auch kein Millionär, wird aber oftmals danach mit einem höheren Gehalt belohnt. Zudem hat man während der Promotion die Gelegenheit, noch ein wenig wissenschaftliche Forschungsluft zu schnuppern, eigenständig ein Projekt zu bearbeiten und gleichzeitig die Weichen für die Zukunft zu stellen. Braucht man für seinen Traumjob die Promotion nicht, so lässt man lieber die Finger davon und spart sich die drei-fünf Jahre.
Alea iacta est: Promotion!
Ist die Entscheidung zugunsten der Promotion gefallen, dann ergeben sich gleich wieder mehrere Alternativen: Industrie, Uni oder Forschungsinstitut. Ein eindeutiger Rat ist nirgends zu finden, da jeder andere Prioritäten setzt. Auf jeden Fall ist es hilfreich, viele Leute an verschiedenen Orten zu befragen, am besten aus höheren Semestern, noch besser aus ähnlichen oder gar gleichen Studiengängen. Die eigene Erfahrung kann man später selbst an jüngere Semester weitergeben. Mir persönlich hat die Arbeit bei der Biotechnologischen Studenteninitiative e.V. (btS) bei Entscheidung, Suche und Bewerbung sehr geholfen.
Doc in der Industrie
Hier besteht die Möglichkeit, über das Gehalt zu verhandeln. Aber: trotz Euphorie steht in der Industrie der Wettbewerb und die Wirtschaftlichkeit an erster Stelle. Auch darf man nicht alles publizieren. Man sollte nicht zuviel „Fremdarbeit“ nebenher erledigen müssen, dass für die eigene Arbeit keine Zeit mehr bleibt. Auch kann ein Projekt kurzerhand eingestellt werden und man bekommt dann ein neues Thema. Dennoch, hat man die Promotion in dem Unternehmen erst erfolgreich abgeschlossen, steht der Fuß schon weit in der Tür. Wer jedoch eine wissenschaftliche Karriere (Juniorprofessur, Habilitation) anstrebt und auf Publikationen angewiesen ist, sollte lieber an der Uni oder einem Forschungsinstitut promovieren.
Doc an der Uni
An Universitäten gibt es kaum Probleme mit der Veröffentlichung von Publikationen, die Ausstattung ist aber vom Institut abhängig, selten ist sie die modernste. Das „Hobbythema“ des Gruppenleiters zu bearbeiten, hat sich oft als schwierig herausgestellt. Ein Bekannter erzählte aber, die Promotion könne an der Uni durchaus „kuschelig“ sein: Arbeitszeit flexibel von 9-16:30 Uhr und nebenbei mal locker ein Aufbau-Fernstudium gemacht. Besser geht’s nicht, oder? Richtig, aber das ist eher selten. Wenn man dann noch einen netten Prof. hat, eine super Arbeitsgruppe, die Studifeten, die Mensa nebenan, eine riesige Bücherauswahl in der Bibliothek, hat man richtiges Glück gehabt. Und weil man nicht alles haben kann, nimmt man gern in Kauf, ab und zu ein paar Studenten-Praktika zu betreuen. Erstgutachter ist automatisch der Lehrstuhlinhaber und einen Zweitgutachter findet sich schnell.
Doc am Forschungsinstitut
Genau hier liegt das Problem bei Promotionen an Forschungsinstituten. Wenn nicht gerade der Prof. vor Ort einer Universität angegliedert ist, ist man auf Kooperationspartner angewiesen, zu denen aber auch wenigstens gelegentlicher Kontakt bestehen sollte. Selbstverständlich sollte für einen Dr. rer. nat. kein Mediziner Gutachter sein, aber er sollte wenigstens an einer Naturwissenschaftlichen Fakultät kooptiert sein. Mitunter kommt es vor, dass der betreuende Professor einen Ruf an eine andere Uni bekommt.
Promotionsordungschaos
Da die Promotionsordnungen der Universitäten nicht einheitlich sind, sollte man sich frühzeitig informieren. Einige Universitäten schreiben eine zwei-semesterige Immatrikulation vor, andere haben feste Prüfungszeiträume. Zum Teil muss man sich einer allgemeinen Fachprüfung unterziehen, die nicht nur auf die Arbeit abzielt (Rigorosum). Bei anderen ist es möglich die Arbeit in einem Kolloquium vorzustellen und anschließend zu verteidigen (Disputatio). Bei einer sehr guten Diplomnote hat man auch schon mal die Wahl. Viele Doktoranden wollen sich aufgrund diverser Vorteile auf jeden Fall vor Ort immatrikulieren. Dies wird zum Problem, wenn der Erstgutachter einer anderen Universität angehört und diese eine längere Immatrikulation vorschreibt. An zwei Universitäten darf man nicht gleichzeitig eingeschrieben sein (Ausnahmen sind bei Fernstudien u.ä. möglich). Der Traum vom Studiticket und Unisport ist somit dahin. Die Unibibliothek kann trotzdem genutzt werden.
Ausnahmen bestätigen die Regel
Die Forschungsinstitutionen veranstalten meist eigene, recht fachspezifische Seminare und Vorträge, die sich lohnen, denn die Uni liegt selten nebenan. Die Ausstattung ist fast immer besser als an Universitäten, durchschnittlich wird aber auch mehr Einsatz verlangt. Unterschiede bestehen zwischen den verschiedenen Forschungseinrichtungen: Während sich die Max-Planck-Gesellschaft zu 90 Prozent aus Bundesgeldern finanziert und Grundlagenforschung betreibt, finanzieren sich die Fraunhofer-Institute zu 80 Prozent über Drittmittel, forschen anwendungsbezogen oder betreiben Auftragsforschung. Hier müssen vor Veröffentlichungen unbedingt Patente gesichert werden. Die Helmholtz-Gemeinschaft besteht aus den früheren Großforschungszentren des Bundes. Da die Finanzierung fast ausschließlich über Bund und Länder erfolgt, anwendungsbezogene Forschung aber auch Grundlagenforschung betrieben wird, gibt es bei Publikationen weniger Probleme.
Caroline Augspurger, geboren 1975. Studium mit Schwerpunkt Biotechnologie. Seit 2002 Promotion bei der Helmholtz-Gemeinschaft im Bereich der regenerativen Medizin/Tissue Engineering.
Seit 1999 ehrenamtliche Tätigkeit bei der Biotechnologischen Studenteninitiative e.V
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