Windkraft als Wachstumsmotor

Foto: Agentur für Erneuerbare Energien
Foto: Agentur für Erneuerbare Energien
Anzeige

Die Windenergie hat eine Erfolgsgeschichte hingelegt: Ihr Anteil an der deutschen Stromversorgung hat sich in zehn Jahren fast verdreifacht. International gehört die deutsche Windindustrie zu den Technologieund Weltmarktführern. Von Alexander Knebel, Agentur für Erneuerbare Energien e.V.

Die Erneuerbaren Energien sind das Update der Energieversorgung in Deutschland. Denn mit dem entschlossenen weiteren Ausbau von Windkraft, Solarenergie und Co. muss in den nächsten Jahren und Jahrzehnten die notwendige Modernisierung unseres Energiesystems einhergehen. Mit diesem Ausbau der umweltfreundlichen Energieversorgung wird sich ein weiterer Zuwachs an Arbeitsplätzen vollziehen. Rund 330.000 Menschen arbeiten bundesweit bereits in der Branche der Erneuerbaren Energien. Zum Vergleich: In den deutschen Braunkohlerevieren sind heute lediglich rund 60.000 Menschen beschäftigt – Tendenz weiter sinkend. Damit das Update der Energieversorgung gelingt, muss die deutsche Energie- und Umweltpolitik konsequent auf Klimaschutz und den weiteren Ausbau Erneuerbarer Energien setzen.

Zu den Wachstumsmotoren der Erneuerbaren- Branche gehört die Windenergie. Die bundesweit ins Stromnetz einspeisenden Windkraftanlagen steuerten im Jahr 2016 mit einer installierten Leistung von mehr als 50.000 Megawatt (MW) bereits 77 Milliarden Kilowattstunden (kWh) zur deutschen Stromversorgung bei. Das entsprach einem Anteil von 13 Prozent am deutschen Bruttostromverbrauch. Zum Vergleich: Zehn Jahre zuvor lag der Anteil mit rund 31 Milliarden kWh erst bei fünf Prozent. Die Windenergie leistet damit in Deutschland den größten Beitrag zur Stromerzeugung aus Erneuerbaren Energien. Im globalen Maßstab gehört die deutsche Windindustrie mit einer Exportquote von 67 Prozent zu den Technologie- und Weltmarktführern.

Weltweit über eine Million Mitarbeiter

Die Dynamik spiegelt sich in zentralen wirtschaftlichen Indikatoren wider: Die Windkraftindustrie in Deutschland gehört mit 143.000 Arbeitsplätzen zu den Wachstumsmotoren der Erneuerbaren- Branche. Rund 13 Prozent der weltweiten Windenergie-Jobs sind in Deutschland beheimatet. Laut einer Erhebung der Internationalen Agentur für Erneuerbare Energien (IRENA) sind weltweit mehr als eine Million Menschen in der Windenergiebranche tätig.

In Deutschland sind namhafte Anlagenhersteller ebenso wie Projektierer und – nicht zu vergessen – große Zulieferunternehmen beheimatet. Gerade die Zulieferer sitzen bei weitem nicht nur in den beim Windkraftausbau führenden nord- und ostdeutschen Bundesländern. So sind in Bayern knapp 12.000 und in Baden-Württemberg fast 10.000 Windkraft-Jobs angesiedelt. Die klassischen Anlagenhersteller befinden sich aber vor allem im Norden. Marktführer am Standort Deutschland ist der Anlagenhersteller Enercon. Das Unternehmen mit Stammsitz in Aurich zählt sich unter anderem bei Rotorblattkonstruktion, Regelungs- und Netzanbindungstechnologie zu den Vorreitern und Taktgebern bei den Erneuerbaren. Ein weiterer wichtiger deutscher Marktplayer ist Nordex mit Sitz in Rostock. Die dänische Vestas ist mit Produktionsstätten ebenso wie mit Forschung und Entwicklung hierzulande präsent.

Ingenieure gefragt

Die Einstiegsmöglichkeiten für Ingenieure in der Windbranche sind vielfältig. Ein studierter Ingenieur der Elektrotechnik hat im Bereich der Forschung und Entwicklung (F&E) unter anderem die Möglichkeit, neue Technologien mitzuentwickeln. Maschinenbauer, Mechatroniker und Bauingenieure sind für die Branche ebenfalls wichtige Fachkräfte. Ingenieure sind aber nicht nur in Forschung und Entwicklung gefragt, sondern werden auch in anderen Bereichen wie im Projektmanagement, im Vertrieb, in der Logistik, Verwaltung, Produktion und im Service benötigt.

Mehr zu Erneuerbaren Energien

Das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie betreibt das Informationsportal „Erneuerbare Energien“: www.erneuerbare-energien.de/EE/ Navigation/DE/Home/home.html Auf der Website des Bundesverbands WindEnergie finden sich unter anderem Stellenangebote für Jobs in der Branche: www.wind-energie.de/verband/stellenangebote

Enercons F&E-Bereiche beschäftigen sich mit der Neu- und Weiterentwicklung von Bauteilen, ganzen Windenergieanlagen und neuen Technologien im Sinne des Systemanbieter-Gedankens. In den Forschungsgebieten Strömungs-, E-Technik-, Bauteil- und Lastensimul ation sowie der Systeminnovation eröffnen sich bei dem weltweit tätigen Unternehmen vielseitige Einsatzmöglichkeiten, wie Unternehmenssprecher Felix Rehwald erklärt: „Für Ingenieure bieten wir in der Forschung und Entwicklung verschiedene Einstiegschancen, gegliedert nach den Teilbereichen Rotorblatt, Gondel, Turm, Generator und Elektrokomponenten. Auch die Validierung, Akustik oder die Technische Redaktion sind spannende, zukunftsweisende Arbeitsbereiche.“

Für die Hersteller von Windrädern geht es neben dem klassischen Anlagenbau zunehmend um die Vernetzung mit anderen Erneuerbaren Energien für eine sichere, saubere Stromversorgung. Zu besichtigen war das auf der jüngsten Hannover-Messe, wo Enercon den Prototyp seiner Schnellladesäule für Elektro-Fahrzeuge vorstellte, gleich neben einem Opel Ampera-e. Auf der Straße ist die Energiewende bei einem Anteil Erneuerbarer Energien von fünf Prozent noch nicht angekommen. E-Mobilität mit Erneuerbaren bietet die Chance, das zu ändern. Der Opel Ampera-e setzt hier in Sachen Reichweite für die Elektromobilität Maßstäbe. In den nächsten Jahren erwartete Modelle sollen weitere Neuerungen bringen. „Wir treiben unter anderem die Themen Smart Grids und Elektromobilität voran. Ingenieure der Elektrotechnik können dort ihr Wissen bestens einbringen. Der Bereich der Netzintegration ist ebenfalls auf gute Elektroingenieure angewiesen“, betont Felix Rehwald. Letztlich kann die Energiewende nur gelingen, wenn Verkehrsund Wärmesektor konsequent auf Erneuerbare umgestellt werden und sich das Energiesystem umfassend wandelt.