Was macht eigentlich eine Maschinenbauerin mit Schwerpunkt chemische Verfahrenstechnik?

Christiane Follmann, Foto: privat
Christiane Follmann, Foto: privat
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Nach dem Abitur habe ich mich für das Fach Maschinenbau an der RWTH Aachen eingeschrieben und zum Beginn des Hauptstudiums die Vertiefungsrichtung chemische Verfahrenstechnik gewählt. Von Christiane Follmann, 28 Jahre, Projektingenieurin beim Spezialchemie-Konzern Lanxess.

Ein Auslandssemester in Singapur bot mir dann erstmals die Möglichkeit, echte Praxiserfahrung in Sachen Chemieanlagenbau zu sammeln: Im Rahmen einer Gruppenarbeit konnte ich zusammen mit einigen Kommilitonen einen kleinen chemischen Betrieb planen und auslegen. Dazu gehörte unter anderem, für Rührkessel und Kolonnen die Geometrie, die richtige Temperatur und den Druck so festzulegen, dass die Reaktion optimal abläuft und das Produkt am Ende auch die gewünschten Eigenschaften aufweist. Das Entwickeln von Ideen, das Finden von Lösungen für kleine und große Problemstellungen sowie die rege Zusammenarbeit mit den Kommilitonen haben riesigen Spaß gemacht – und waren letztlich entscheidend für meinen Entschluss, später im Bereich Chemieanlagenbau arbeiten zu wollen.

Heute ist mein Arbeitsplatz bei Lanxess am Standort Leverkusen. Unsere Abteilung „Site Engineering“ arbeitet eng mit allen Geschäftsbereichen des Spezialchemie-Konzerns zusammen und unterstützt bei der Erweiterung von Produktionsanlagen. Wir begleiten dabei den gesamten Prozess: von der Planung, Leitung und Koordination über die Umsetzung bis hin zur Inbetriebnahme. Gleich zu Anfang meiner Berufslaufbahn habe ich bei der Kapazitätserweiterung eines Produktionsbetriebs mitgearbeitet und konnte hier früh Verantwortung für einzelne Teilprojekte übernehmen.

In meinem Arbeitsalltag ist vor allem ein regelmäßiger Austausch mit den Kollegen der unterschiedlichen Gewerke wichtig, zum Beispiel aus den Bereichen Rohrleitungsbau oder Verfahrensentwicklung. Ich erhalte in Projektbesprechungen Informationen über den aktuellen Stand des Projekts und koordiniere die weitere Planung und die nächsten Schritte. Wenn es um die Bestellung der richtigen Maschinen und Apparate für ein Projekt geht, bin ich das Bindeglied zwischen Betrieb und Lieferant. Ich stelle Anfragen bei den einzelnen Herstellern, überprüfe die Angebote auf technische Richtigkeit und stimme mich mit dem Betrieb ab, so dass eine spezifikationsgerechte Bestellung erfolgen kann. Während der Montagephase bin ich vor Ort in der chemischen Anlage und koordiniere den Montageverlauf.

An meiner Tätigkeit gefällt mir besonders, dass ich sehr selbstständig und eigenverantwortlich arbeiten kann. Durch die abwechslungsreichen Aufgaben ist jeder Arbeitstag anders. Das macht die Arbeit als Chemieingenieurin so spannend.

Job-Steckbrief Maschinenbauerin mit Schwerpunkt chemische Verfahrenstechnik

Voraussetzungen:
Sehr guter Hochschulabschluss des Chemieingenieurwesens, der Verfahrenstechnik, des Maschinen- oder Anlagenbaus, erste praktische Erfahrungen (Praktika, Bachelor-/Masterarbeiten in der Industrie), erste internationale Erfahrungen (z. B. Auslandssemester oder Praktika) wünschenswert, Engagement, Teamfähigkeit, Eigeninitiative, hohes Maß an Verantwortungsbewusstsein, sehr gute Deutsch- und Englischkenntnisse

Einstiegsmöglichkeiten:
Forschung und Entwicklung, Projektmanagement, Betriebsbetreuung

Informationen:
Verband der Chemischen Industrie e. V.: www.vci.de
Verband angestellter Akademiker und leitender Angestellter der chemischen Industrie e. V. (VAA – Führungskräfte Chemie): www.vaa.de