Clown under – Träume verwirklichen

Andreas Schaible, Foto: Privat
Andreas Schaible, Foto: Privat
Anzeige

Andreas Schaible aus Baden-Württemberg arbeitete nach dem Abitur sechs Monate als Aushilfe im größten Zirkus Australiens. Über seine Zeit am anderen Ende der Erde schrieb der heute 23­-Jährige ein Buch: „Clown Under“. Dem karriereführer verrät der Student der Wirtschaftswissenschaften die Highlights seiner Reise. Das Interview führte Sabine Olschner.

Work & Travel-Reisende arbeiten oft auf Farmen oder in der Gastronomie. Warum wollten Sie unbedingt bei einem Zirkus arbeiten?
Es war schon als kleiner Junge mein Kindheitstraum, einmal im Zirkus aufzutreten. Ich bewarb mich also bei verschiedenen Zirkussen in Australien und erhielt eine Einladung vom Silvers Circus – obwohl ich ja gar keine Erfahrung in der Branche hatte. Ich arbeitete sechs Monate dort, am Ende sogar mit einer eigenen Clown­Nummer.

Buchtipp

Cover Andreas Schaible Clown Under
Andreas Schaible: Clown Under. Mein Jahr Work and Travel in Australien. Bastei Lübbe 2016. 13 Euro

Einen Teil der Einnahmen des Buches will Andreas Schaible dem Verein „Humor hilft heilen“ von Dr. Eckart von Hirschhausen spenden und damit Krankenhausclowns unterstützen.

Was waren in der Zeit die größten Herausforderungen für Sie?
Das war zum einen der Zeltauf­ und ­abbau. Als Abiturient war ich solch eine körperlich harte Arbeit, 16 bis 17 Stunden am Tag in der heißen australischen Sonne, einfach nicht gewohnt. Neben der körperlichen Herausforderung musste ich mich auch an das Leben im Zirkus gewöhnen, das ganz anders war als mein Leben in Deutschland. Ich fand es zum Beispiel faszinierend, wie die Zirkusleute mit Unfällen, auch mit tödlichen, umgehen. Sie wissen, dass in der Show immer etwas passieren kann, lassen sich davon aber nicht die Lebensfreude nehmen – nach dem Motto: „The show must go on“. Meine Mutter ist ein paar Jahre vor meiner Reise gestorben, daher war diese andere Sichtweise auf Unfälle und Todesfälle für mich eine ganz neue Erfahrung.

Was haben Sie in Ihrer Zeit beim Zirkus in Australien gelernt?
Ich habe zu schätzen gelernt, dass ich zu Hause einen festen Wohnsitz habe und jederzeit mit meiner Familie zusammen sein kann. Das Leben der fahrenden Schausteller wäre auf Dauer nichts für mich.

Und jetzt studieren Sie mit Wirtschaftswissenschaften so ein bodenständiges Fach …
Ja, ich studiere Wirtschaftswissenschaften an der Uni Hohenheim und habe den Schwerpunkt Sozialmanagement gewählt. Im August gehe ich mit einer Hilfsorganisation nach Indien und werde in einem Slum Kunsthandwerkern dabei helfen, sich selbstständig zu machen. Nach dem Studienabschluss möchte ich gern bei einer solchen Organisation arbeiten. Außerdem trete ich weiterhin manchmal als Clown auf, zum Beispiel auf Stadtfesten.

Würden Sie jungen Menschen zu einem Auslandsaufenthalt raten?
Auf jeden Fall. Was man im Ausland macht, ist eigentlich zweitrangig. Man verbessert auf jeden Fall seine Sprachkenntnisse und wird selbstständiger, wenn man sich in einem fremden Land plötzlich um alles selber kümmern muss. Das ist nochmal was ganz anderes, als „nur“ sein Studium in einer fremden Stadt zu beginnen.

Sie haben aus Ihren Blogberichten aus der Zirkuszeit ein Buch geschrieben. Was ist Ihre Botschaft?
Ich will meine Leser dazu ermuntern, das zu tun, was sie immer wollten. Es ist nie zu früh und selten zu spät, seine Träume zu verwirklichen. Meine Lebenseinstellung ist: Wenn ich etwas erreichen will, versuche ich, alles in die Wege zu leiten, damit es auch tatsächlich klappt.