Einklang von Erwartungen

Foto: Fotolia/Unclesam
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Egal ob Spezial-, Inhouse- oder Strategieberatung: Für Frauen bieten sich in der Beraterbranche zunehmend neue Karriewege. Was jedoch ihren Aufstieg in die Top-Positionen betrifft, gibt es noch Luft nach oben. Von Christoph Berger

Ein Blick in die Statistik spricht Bände: In einer vom Bundesverband der Deutschen Unternehmensberater (BDU) im Jahr 2015 veröffentlichten Untersuchung wurden unter anderem die Anteile männlicher und weiblicher Mitarbeiter in Unternehmensberatungen mit einem Umsatz von über zehn Millionen Euro untersucht. Heraus kam dabei, dass der Frauenanteil im Backoffice-Bereich der Beratungsunternehmen bei 69 Prozent liegt. Doch mit den ansteigenden Hierarchiestufen nimmt er dann sukzessive ab. So sind unter den Juniorberatern 33 Prozent Frauen, unter den Seniorberatern nur noch 25 Prozent Frauen zu finden. Ins Management schaffen es schließlich gerade noch vier Prozent.

Nach Ansicht von Dr. Dirk Lippold, früherer Geschäftsführer der Capgemini Deutschland GmbH und heute Gastprofessor an der Humboldt Universität zu Berlin, sollte sich das ändern. In seinem Buch „Grundlagen der Unternehmensberatung“ schreibt er zur genderspezifischen Personalentwicklung unter anderem, dass es zwar eine Tatsache sei, dass Frauen aus familiären Gründen häufiger Abstriche in Bezug auf den eigenen Beruf und die eigene Karriere machen würden als Männer, doch er gibt ebenfalls zu bedenken: Besonders die High Potentials unter den weiblichen Arbeitnehmern werden immer wichtiger und damit begehrter für die Unternehmensberatungen. Den Beratungsunternehmen empfiehlt er eine familienfreundlichere Gestaltung der Arbeitszeiten sowie die Förderung der Karrieren von Frauen. Dies würde zu einer verbesserten Bindung und Integration führen.

Mehr Informationen:
www.bdu.de
www.inhouse-consulting.de

Dass die Beratungshäuser ihren Fokus vermehrt auf qualifizierten weiblichen Nachwuchs legen, zeigen auch deren Internetseiten. Dort werden beispielsweise speziell auf Frauen ausgerichtete Strategie-Workshops angeboten – einerseits, um die gesamte Bandbreite einer Beratertätigkeit kennenzulernen, andererseits, um sich ein Netzwerk aufzubauen. Vorgestellt werden auch Führungskräfte-Programme für Studentinnen aller Fachrichtungen sowie die Aussicht, Mentorinnen beim Einstieg zur Seite gestellt zu bekommen. Und ein Inhouse-Consulting-Unternehmen gibt unter den „Häufigsten Fragen“ unter anderem Antworten auf den Frauenanteil im Unternehmen und die für den Job erforderliche Reisebereitschaft. Derartige Initiativen und die dazugehörige Transparenz sind sicher einer von vielen Schritten, um die Erwartungen von Unternehmen und Einsteigerinnen in Einklang zu bringen.