Bewerbung
Klassische Kontaktwege
Von
Christian Gasche
"Jung - erfolgreich - entlassen" titelte der Spiegel im August 2002.
"Die Arbeitslosigkeit erreicht den Mittelstand und damit auch die Hochschulabsolventen."
In der derzeitigen Krise erinnern sich viele Bewerber an alte Tugenden: Saubere
schriftliche Bewerbungsmappen kommen wieder in Mode.
Bei der Bewerbungsstrategie sollten Hochschulabsolventen genau überdenken, wie
und auf welchem Weg sie den künftigen Chef ansprechen. Form und Art der Zustellung
einer Bewerbung spielen eine große Rolle und müssen auf die Erwartungen des neuen
Arbeitgebers abgestimmt sein.
Der wohl einfachste Weg, einen ersten Eindruck beim neuen Arbeitgeber zu hinterlassen,
ist die Karrieremesse.
Zahlreiche Veranstalter haben sich etabliert und praxiserprobte Konzepte entwickelt,
um den "Matching-Prozess" zwischen Unternehmen und Arbeitsuchenden zu begleiten.
Bei den Messen der IQB Career Services AG - zum Beispiel auf der JOBcon - wird
die reale Begegnung durch ein Online-Tool begleitet. Hier wird das Internet ergänzend
eingesetzt und dient der Vorabinformation über "Hard-Facts" des Bewerbers sowie
der Koordination von Terminen mit Unternehmensvertretern. Wer sich Zeit und Enttäuschungen
ersparen will, bereitet sich auf den Messetag und auf die vereinbarten Termine
intensiv vor. Zu einem gepflegten Äußeren (business like!) gehört eine optimierte
Bewerbermappe: Lebenslauf, ein professionell gefertigtes Bild und Zeugniskopien
sollten perfekt gestaltet und formvollendet präsentiert werden.
Keine Stromlinienform
Es lohnt sich, Zeit und Energie in die Bewerbungsmappe zu stecken. Oft werden
hier ärgerliche Fehler gemacht. Neben dem Ausbildungsweg und ersten beruflichen
Stationen - zum Beispiel als Tutor oder wissenschaftlicher Mitarbeiter - gehören
in den Lebenslauf auch Praktika und Auslandsaufenthalte. Ebenso wichtig ist es
für Personaler, sich einen Eindruck von der Persönlichkeit zu machen. Gute Zeugnisse
haben viele. Personaler beachten daher immer, ob sie es mit einem stromlinienförmigen
"Streber" oder mit einer Person zu tun haben, die sich auch für Interessen und
Belange des Gemeinwohls einsetzt. Es empfiehlt sich deshalb, den Lebenslauf um
ein Kapitel "Ehrenamtliches Engagement" zu ergänzen: Mitarbeit in Hochschulgremien
gehört genauso dazu wie Engagements im Sportverein oder in einer Kirchengemeinde.
Der künftige Chef unterstellt durch solche Angaben, dass ein Bewerber seine Persönlichkeit
gebildet hat, sich im Team bewähren und für die übergeordneten Ziele eines Unternehmens
arbeiten wird.
Wer eine musische Ader hat, sollte auch dies erwähnen. Es reicht, wenn man in
seinem Lebenslauf am Ende unter der Rubrik "Sonstige Kenntnisse" seine musikalischen
Talente aufnimmt. Hier sollten auch die Sprach- und EDV-Zertifikate stichwortartig
aufgeführt werden.
A-B-C-Stapel
Die Bewerbermappe ist die Grundlage für einen nachhaltigen Eindruck. Deshalb sollten
Bewerber auch die Herrschaft über die Präsentation ihrer Mappe behalten. Bei einer
Online-Bewerbung ist zu bedenken, dass die Formatierung auf einem fremden Computer
und Drucker anders ausfallen kann. Wer seltene Schriftarten verwendet, läuft selbst
bei einem pdf-File Gefahr, dass der verwendete Schrifttyp beim Empfänger nicht
installiert und das Dokument nicht darstellbar ist. Außerdem ist die Verbindlichkeit
einer Online-Bewerbung vergleichsweise geringer als bei einer per Snail-Mail versandten
Bewerbung. Und es muss berücksichtigt werden, dass die meisten Unternehmen ihre
internen Arbeitsabläufe nicht geändert haben, nur weil sie im Internet Stellenausschreibungen
veröffentlichen und E-Mails empfangen können.
Als Faustregel empfiehlt es sich, den vom Unternehmen angegebenen Weg zur Kontaktaufnahme
zu beschreiten. Ein Mittelständler, der eine klassische Printanzeige schaltet,
erwartet eine schriftliche Bewerbungsmappe per Post - nach allen Regeln der Kunst.
Wo keine explizite Aufforderung zur Online-Bewerbung steht, sollte ebenfalls eine
schriftliche Bewerbung erfolgen, selbst wenn die Anzeige online veröffentlicht
wurde. Nur wenige Großkonzerne bilden ihre Recruitingprozesse in einem Online-Tool
ab, mit dem die Behandlung von Online-Bewerbungen geregelt ist. Gerade mittelständische
Unternehmen arbeiten weiterhin mit Bewerbermappen, die sie auf A-, B- oder C-Stapeln
verteilen.
Fazit: Die Regeln der Old Economy sind im Bewerbungsverfahren uneingeschränkt
gültig.
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Autor: Christian Gasche ist Betriebswirt und arbeitet als Freier Autor
und Berater unter anderem für die IQB Career Services AG (www.iqb.de).
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