Bewerbung
Das Vorstellungsgespräch
von Sabine Olschner
Sie haben eine Einladung
zum Vorstellungsgespräch
erhalten? Herzlichen Glückwunsch,
die erste Bewerbungshürde
ist geschafft. Nun
sollten Sie sich auch gründlich
auf Ihr Gespräch mit dem
Personaler vorbereiten.
Die Bewertung einer Person erfolgt in den ersten Sekunden,
nachdem man sich gesehen hat. Entsprechend wichtig ist Ihr
Auftreten zu Beginn eines Vorstellungsgesprächs: Erscheinen Sie
pünktlich, lieber ein paar Minuten zu früh als zu spät. Beim ersten
Zusammentreffen schauen Sie Ihrem Ansprechpartner in die
Augen, begrüßen Sie ihn mit einem festen Händedruck und der
Nennung seines Namens („Guten Tag, Herr Müller“) und stellen
Sie sich deutlich mit Ihrem Vor- und Nachnamen vor.
Um die Nervosität des Bewerbers ein wenig zu mildern, beginnt
das Gespräch in der Regel mit ein wenig Small Talk über Ihre
Anfahrt oder das Wetter. Wer geübt ist in der leichten Art der
Konversation, dem wird das Reden nicht schwer fallen – aber verfallen
Sie nicht ins Plaudern. Nach ein paar Minuten sollte der
Personaler in der Lage sein, zur Sache zu kommen. Sollte Ihnen
übrigens Kaffee angeboten werden, können Sie dieses Angebot
problemlos annehmen – oder auch ablehnen, wenn Sie keinen
Kaffee trinken. In diesem Fall äußern Sie aber keine Sonderwünsche:
Ein Wasser zu verlangen ist dann allemal besser als eine
spezielle Teesorte oder ähnlich ausgefallenes.
Zum Start des Vorstellungsgesprächs wird der Personaler Sie
wahrscheinlich bitten, etwas über sich selbst zu erzählen. Das
können Sie schon zu Hause bestens üben: Sprechen Sie das, was
Sie über sich zu sagen haben, auf Band und hören Sie sich selbst
einmal zu. Das bedeutet nicht, dass Sie Ihren kurzen Vortrag auswendig
lernen sollen – aber Sie werden schnell merken, an welchen
Stellen in Ihrem Lebenslauf Sie ins Stocken geraten oder
unsicher werden.
Auf mögliche Nachfragen müssen Sie sich gefasst machen, sei es,
weil der Gesprächspartner Unklarheiten im Lebenslauf hinterfragen
oder erfahren will, warum Sie in Ihrem Leben bestimmte Entscheidungen
getroffen haben. Dies lässt sich am besten im Gespräch mit Freunden üben. Überlegen Sie, welche Fragen der Personaler
Ihnen möglicherweise stellen wird. Dazu gehören zum
Beispiel:
- Warum haben sie sich ausgerechnet für unser Unternehmen
entschieden?
- Was qualifiziert Sie für diese Stelle besonders?
- Was sind Ihre Erwartungen an die neue Stelle?
- Was erwarten Sie von Ihren Vorgesetzten?
- Was bringen Sie unserer Firma?
- Wie flexibel sind Sie bezüglich Belastbarkeit/Überstunden/
Wochenendarbeit?
- Was sind Ihre Stärken und Schwächen?
Wer sich vorab Gedanken zu möglichen Antworten gemacht,
wird im Vorstellungsgespräch nicht so leicht ins Schwimmen
geraten. Vor allem auf die Frage nach den eigenen Stärken und
Schwächen sollten Sie sich bereits vorher Antworten überlegen.
Die Schwächen „Ungeduld“ oder „Perfektionismus“ werden zu
häufig genannt, als dass sie noch glaubwürdig klingen würden.
Einen positiven Eindruck erwecken hingegen Ehrlichkeit, Offenheit
und vorsichtig dosierte Beispiele für bestimmte Charaktereigenschaften.
Doch nicht nur der Personalchef wird Sie fragen – Sie werden
auch die Möglichkeit haben, selber Fragen zu stellen. Zeigen Sie
echtes Interesse am Unternehmen, indem Sie sich im Vorfeld
überlegen, was Sie über das Unternehmen und Ihre künftige
Position wissen wollen. Bereiten Sie Ihre Fragen schriftlich vor
und nehmen Sie ruhig die Frageliste mit ins Gespräch. Ein paar
typische Fragen könnten sein:
- Wie sehen die Aufgaben aus, die ich übernehmen werde?
- Wie verläuft die Einarbeitungsphase? Welche Abteilungen lerne
ich kennen?
- Wo ist mein Arbeitsplatz? Kann ich ihn eventuell besichtigen?
- Kann ich eventuell künftige Kollegen kennen lernen?
- Wie ist die Abteilung ins Unternehmen eingebunden?
- Welche Aufstiegsmöglichkeiten/Karriereprogramme gibt es in
Ihrem Unternehmen?
- Besteht die Möglichkeit zu einem Einsatz im Ausland?
- Unterstützt das Unternehmen Weiterbildungsmaßnahmen?
Fragen nach Urlaub und Freizeitausgleich kommen im ersten
Gespräch nicht gut an. Auf das Thema Gehalt hingegen sollte man
sich bereits vorbereitet haben. Informieren Sie sich über die Gehälter,
die für Berufseinsteiger in Ihrer Branche üblich sind. Berufsverbände,
Internetseiten von Jobbörsen oder auch Gespräche mit Freunden
und Bekannten, die in der Branche arbeiten, können helfen, sich
einen realistischen Eindruck zu verschaffen. Pokern Sie bei der
Gehaltsfrage nicht zu hoch, aber verkaufen Sie sich auch nicht unter
Wert. Übertreibungen in beide Richtungen hinterlassen bei den Personalern
einen schlechten Eindruck.
Vorstellungsgespräche sind eine spannende Angelegenheit, denn
hier entscheidet sich, ob der Bewerber zum Unternehmen passt und
umgekehrt. Grund zur Nervosität gibt es hingegen nicht: Wenn Sie
sich gut vorbereitet haben, werden Sie in der Lage sein, offen und
ehrlich aufzutreten. Authentische Kandidaten haben ohnehin die
besten Chancen. Und sollte es beim ersten Vorstellungsgespräch
nicht klappen, bedenken Sie immer: Übung macht den Meister!
Vorbereitung zum Bewerbungsgespräch
- Rechtzeitig zum Friseur gehen
- Kleidung aussuchen und vorbereiten
(keine Flecken, Löcher
oder abgerissene Knöpfe?)
- Schuhe putzen
- Selbstdarstellung üben
- Unterlagen zusammenstellen
(alle Bewerbungsunterlagen, falls
vorhanden Arbeitsproben)
- Liste mit eigenen Fragen
vorbereiten
- Papier und Stift für Notizen
einstecken
- Reise buchen
- Mit Unternehmen die Übernahme
der Reisekosten abklären
- Anfahrtsbeschreibung mitnehmen
- Kontaktdaten für eventuellen
Anruf von unterwegs aus
mitnehmen
- Am Tag des Bewerbungsgespräches
pünktlich aufstehen und genügend
Zeit für Vorbereitung und Anfahrt
einplanen
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