Stellenanzeigen: Traumtyp gesucht …

Bild: karriereführer
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Liest man sich Stellenanzeigen durch, kann man schnell das Gefühl bekommen, hier werden Supermann oder Superfrau gesucht: hervorragender Universitätsabschluss in der Regelstudienzeit, Praktika, am Besten im Ausland absolviert, Fremdsprachenkenntnisse und ein IT-Profi soll man auch noch sein. Außerdem werden Teamfähigkeit, Kommunikationsstärke, Durchsetzungskraft und Stressresistenz verlangt.

Doch keine Angst vor einer Bewerbung! Unternehmen haben halt Vorstellungen von ihrem „Traumtypen“ und formulieren entsprechende Anforderungen in ihren Stellenanzeigen. Die Kunst bei der Interpretation der Gesuche besteht darin, den Spielraum zwischen Muss- und Kann-Anforderungen zu entdecken.

Wo finde ich Stellenanzeigen?
Zunächst müssen Sie Stellenanzeigen finden, die für Sie infrage kommen. Da ist natürlich zum einen das Internet: Zahlreiche Online-Jobbörsen bieten freie Stellen, und auch die meisten Unternehmen verfügen mittlerweile über eigene Karriere-Websites, auf denen Sie sich über aktuelle Stellenangebote informieren können. Sowohl die Jobbörsen als auch viele der meist großen Unternehmen haben Apps im Angebot, mit denen Sie schnell auf neue Anzeigen aufmerksam gemacht werden. Alternativ können Sie bei vielen Arbeitgebern Jobletter abonnieren: Newsletter, die per E-Mail über offene Stellen informieren.

Auch wenn Sie viel im Imternt unterwegs sind, vernachlässigen Sie nicht die klassischen Printmedien. Ihr erster Weg führt Sie also zur Auswertung von Tageszeitungen und Wochenzeitschriften. Als Erstes stechen Ihnen dabei die großen Anzeigen namhafter Unternehmen ins Auge, doch werfen Sie auch einen Blick in die Textanzeigen. So mancher interessante Job mag sich in der unscheinbaren „Bleiwüste“ verbergen.

Für Sie als Hochschulabsolvent unverzichtbar sind zudem die zahlreichen Absolventen-Publikationen, die Sie meist kostenlos an Ihrer Hochschule oder auf Rekrutierungsmessen erhalten. In den karriereführer-Publikationen zum Beispiel finden Sie Unternehmen, die über das ganze Jahr Absolventen in großer Zahl benötigen. Oftmals haben Sie hier auch den Vorteil, dass Unternehmen viel von sich preisgeben, indem sie sich rege an redaktionellen Themen beteiligen.

In den Jobbörsen im Internet (z. B. Jobware) verläuft die Suche in zwei Richtungen: Zum einen suchen Unternehmen unter den eingegebenen Lebensläufen passende Kandidaten, zum anderen stellen sie selbst konkrete Personalanzeigen ein. Ihr Profil sollte natürlich aussagekräftig sein. Nicht vergessen sollten Sie die diversen Fachzeitschriften, in denen Sie ganz gezielt nach Stellenangeboten fahnden können – wie etwa in der W&V als Werbeprofi.

„Klassische“ Stellenanzeige oder Personalimage-Insertion?
Neben „klassischen“ Stellenanzeigen begegnen Ihnen auch so genannten Personalimage-Insertionen der Unternehmen, die wenig konkrete Sachinformationen der Unternehmen enthalten. Oft stehen Ansprechpartner mit Anschrift, Telefonnummer und E-Mail in der Anzeige. Wenn Sie das Unternehmen interessiert, rufen Sie auf jeden Fall an und informieren Sie sich über die angebotenen Programme oder Stellen.

Aufbau der klassischen Stellenanzeige
Normalerweise ist eine Stellenanzeige folgendermaßen aufgebaut:

  • Informationen zum Unternehmen
  • Informationen zur Position und zum Aufgabengebiet
  • Anforderungen an den Bewerber/die Bewerberin
  • Informationen zum Bewerbungsverfahren und zum Umfang der gewünschten Unterlagen

Schauen Sie sich die Anzeige auch vom Stil her an: Was sagt sie Ihnen über die Unternehmenskultur? Wird ein sachlicher Ton angeschlagen, oder kommt das Unternehmen locker-flockig daher? Werden Männer und Frauen gleichermaßen angesprochen? Auf welche Eigenschaften wird besonderer Wert gelegt, und welche Formulierungen werden benutzt? Was spricht Sie von an der Anzeige an?

„Klassische“ Anforderungen
Haben Sie nun die eine oder andere vielversprechend klingende Stellenanzeige gefunden, geht es nun zum nächsten Schritt: die genaue Interpretation. Nach Ihrer Selbstanalyse (Wer bin ich? Was kann ich?) sollten Sie genau wissen, wo Ihre Stärken und Schwächen liegen. Nun müssen Sie sich mit den Vorstellungen des Unternehmens auseinandersetzen:

  • Welche Hard Skills und Soft Skills wünscht sich das Unternehmen von einem erfolgreichen Kandidaten?
  • Welche Kenntnisse sollen Sie mitbringen, über welche Fähigkeiten sollten Sie idealerweise zusätzlich verfügen?
  • Welche Ausbildung wird vorausgesetzt?
  • Auf welchen (Arbeits-)Gebieten sollen Sie sich auskennen?
  • Welche Branchenerfahrungen werden verlangt?

Der Wille zum Lernen
Diese „klassischen“ Anforderungen sollten mit Ihrem Profil übereinstimmen. Für Hochschulabsolventen besteht jedoch auch ein gewisser Spielraum, denn Sie haben durch ihr Studium gezeigt, dass sie lernen und sich erforderliche Qualifikationen schnell aneignen können. Dass hingegen eine Bewerbung als Anglist auf eine Stelle als Entwicklungsingenieur wenig Erfolg versprechend ist, versteht sich von selbst.

Schauen Sie sich genau an, was Sie während Ihres Studiums geleistet haben. Dazu gehört nicht nur, dass Sie Ihr Studienfach mit Differenzierungen herausstellen. Überprüfen Sie auch, ob Sie Ihre Praktika oder studienbegleitende Tätigkeiten als erste Berufserfahrungen vermitteln können.

Parlez-vous „ausländisch“?
Fremdsprachenkenntnisse sind in unserer globalisierten Wirtschaft unerlässlich. Englisch wird in der Regel vorausgesetzt, oft auch gute Kenntnisse wenigstens einer weiteren Fremdsprache. Wenn in der Anzeige von „verhandlungssicheren Englischkenntnissen“ die Rede ist, reicht das Abiturwissen nicht aus.

Sollten Ihre Fähigkeiten in der letzten Zeit etwas eingerostet sein, machen Sie deutlich, dass Sie sich um Abhilfe bemühen, zum Beispiel durch einen Kurs für Business-Englisch.

IT-Profis gesucht?
Dass Sie sich als Hochschulabsolvent mit den gängigen Anwendungsprogrammen auskennen, wird von Ihnen erwartet – und zwar in so gut wie jedem Job. Bewerben Sie sich hingegen im IT-Bereich und werden Kenntnisse verlangt, über die Sie zum Zeitpunkt Ihrer Bewerbung nicht verfügen, verweisen Sie ruhig auf Ihre Fähigkeit, sich in neue Sachverhalte schnell und gründlich einzuarbeiten. Das sollten Sie anhand eines schlüssigen Beispiels illustrieren können.

Soft Skills nachweisen durch Hard Facts
In Stellenanzeigen ist viel von Teamfähigkeit, Kommunikationsstärke, Frustrationstoleranz die Rede. Doch wie können Sie diese Fähigkeiten in Ihrer Bewerbung untermauern? Versuchen Sie, die sogenannten Soft Skills, also Ihre sozialen Kompetenzen, anhand konkreter Beispiele darzustellen, zum Beispiel: „Als regelmäßige Betreuerin bei Ferienfreizeiten des Jugendrotkreuzes habe ich gelernt, im Team zu arbeiten.“

Was ist Muss, was ist Kann?
Wichtig ist, dass Sie lernen, genau zu unterscheiden, was für das Unternehmen unabdingbare Voraussetzungen für die Position sind und bei welchen vom „Traumtypen“ abgewichen werden kann. Achten Sie auf Formulierungen wie …

“ … vorausgesetzt … “
“ … nur berücksichtigt, … “
“ … unabdingbar … “

Dies können Sie als Muss-Anforderungen interpretieren. Wenn Sie die Muss-Anforderungen nicht erfüllen, sparen Sie sich die Zeit und das Geld für eine Bewerbung!

Kann-Qualifikationen wünscht sich ein Unternehmen. Diese sehen folgendermaßen aus:

“ … wären Voraussetzungen … “
„Idealerweise … “
“ … wären von Vorteil … “
“ … wünschenswert … “

Wenn Sie die Muss-Anforderungen erfüllen und vielleicht das ein oder andere Bonbon bei den Kann-Qualifikationen anzubieten haben, machen Sie sich ran an Lebenslauf und Anschreiben!