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21.10.2002

Porträt Hubert Rehm: Vom Forscher zum Verleger

von Frederike Hammar
Journal

Forscher-Biographien verlaufen nicht immer gradlinig, auch wenn zunächst alles danach aussieht. Ein Beispiel dafür ist Hubert Rehm: Er beendete eine sehr erfolgreiche Forscherkarriere, weil es in seinem Institut zu Uneinigkeit in einer Forschungsfrage kam. Heute ist Rehm Mitherausgeber des „Laborjournal“. Aus dem Forscher Rehm wurde der Verleger Bär. „Laborjournal“ erscheint zehn Mal im Jahr mit einer Auflage von jeweils 22.000 Exemplaren.

Der wissenschaftliche Werdegang von Hubert Rehm liest sich wie ein Leitfaden für Biowissenschaftler die eine Hochschulkarriere planen:

  • Studium der Biochemie in Tübingen
  • Doktorarbeit am Max-Planck-Institut für Psychiatrie in München, danach Leitung eines Teilprojektes in einem DFG-geförderten Sonderforschungsbereich am Zentrum für Molekulare Biologie in Heidelberg.

  • Anschließend folgte der obligate Auslandsaufenthalt am CNRS in Nizza und der University of Washington, Seattle, gefördert durch ein Forschungsstipendium der DFG.

  • Zurück in Europa arbeitete Hubert Rehm von 1989-1992 am pharmakologischen Institut der ETH Zürich und wechselte 1992 nach Mainz.

Wissenschaftliche Lorbeeren errang er mit der Aufklärung des Wirkungsmechanismus des ß-Bungarotoxins, dem Gift einer chinesischen Schlange, der gestreiften Krait. Hubert Rehm publizierte grundlegende Arbeiten über Kaliumkanäle, die auch heute noch häufig zitiert werden, und widmete sich der Erforschung weitere Membranproteine von Nervenzellen. Sein letztes Projekt war der Versuch, den NMDA (N-methyl-D-aspartat)-Rezeptor zu reinigen. Seine Vorstellungen darüber, wie dieses Problem zu lösen sei, kollidierten jedoch mit denen seines Institutschefs, was ihn letztendlich dazu bewog, die Forscherkarriere an den Nagel zu hängen.

Schon länger hatte er sein Talent zum Schreiben entdeckt: Sein 1992 unter dem Pseudonym „Siegfried Bär“ erschienenes Buch „Forschen auf Deutsch“ karikiert das deutsche System der „Ausbildung“ zum Universitätsprofessor und wurde ein heimlicher Bestseller. Es erscheint bereits in der vierten Auflage. 1994 veröffentlichte er ein – für den Laborgalltag sehr empfehlenswertes - biochemisches Methodenhandbuch „Der Experimentator, Proteinbiochemie“ und 1999 „Biochemie light“ (zusammen mit Friederike Hammar), ein Ultrakurzlehrbuch der Biochemie.
Bereits mit der ersten Ausgabe 1995 begann seine Mitarbeit bei der Zeitschrift „Laborjournal“, zu deren Erfolg er mit seiner spitzen Feder entscheidend beitrug. 1999, als einer der Gründer des Laborjournals schwer erkrankte, übernahm Hubert Rehm dessen Aufgaben. Neben der Chefredaktion und dem Layout war das vor allem die Anzeigenaquise, eine Tätigkeit, die ihm nach eigenem Bekunden „...sogar Spaß machte“. Im Jahr 2000 nach dem Tod des Gründers, wurde Rehm Mitgesellschafter des LJ-Verlags und sorgte für einige Veränderungen: Unter seiner Regie startete der LJ-Verlag 2001 sein Buchprogramm. Das erste war 2001 „Im Reiche der Propheten - ein Führer durch die Wüsten und Oasen der deutschen Wissenschaftsförderung“, Autor: Siegfried Bär alias Hubert Rehm.

Weitere Informationen:

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