22.08.2003
Mikromedizintechnik - nichts für Grobmotorikervon Dietrich H.W. Grönemeyer |
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Die Medizintechnik ist in kurzer Zeit zu einem der weltweit führenden und stark expandierenden Marktsegmente geworden. Für die Industrie ist sie zu einer hochinteressanten Branche geworden. Denn die kreative Verbindung von alter Technik und moderner Technologie ist eine Herausforderung für die Medizin und die europäische Forschungs- und Entwicklungslandschaft.
Neue Qualifikationen
Die mikroinvasiven Behandlungsverfahren mit Steuerungssicherheit durch makroskopische Echtzeit-Transparenz, bedürfen besonders viele hochqualifizierte Arbeitskräfte und neue Ausbildungskonzepte im Handwerk sowie in Fach- und Hochschulen, um Standards zu halten und zu verbessern. Deutschland ist Weltspitze in der Produktion elektromedizinischer Geräte. Drastisch verkleinerte Instrumente, feinste Sonden und Endoskope, hochenergetische Operationssysteme wie der Laser, Hochfrequenztechnik, hochenergetischer Ultraschall, aber besonders auch bildgebende Verfahren wie Computer- (CT), Kernspintomographie (MRI) und Ultraschall in hybrider Kombination untereinander oder mit anderen Verfahren ermöglichen dem Arzt schon heute punktförmige, mikro-therapeutische und damit fast schmerzlose sowie komplikationslose Eingriffe mit hoher Darstellungsqualität. Weiterentwicklungen in der Labordiagnostik, von medikamentösen Behandlungen, von psychotherapeutischen Ansätzen sowie von Immunologie und Umweltmedizin als auch von Präventions- und Rehabilitationsmaßnahmen schaffen neue Perspektiven für ein vernetztes, ganzheitliches Gesundheitssystem. Die Technik revolutioniert alle Gebiete der Medizin. Innerhalb der Medizin brechen die Fächergrenzen auf, alte Berufsbilder verändern sich. Bisher aufwendige Operationen werden durch miniaturisierte Eingriffe ersetzt, veraltete und wenig aussagekräftige diagnostische Maßnahmen werden durch neue abgelöst. Ehemals große operative Eingriffe werden durch immer weniger belastende und hochpräzise Methoden ersetzt, wobei bildgesteuerte Operationsverfahren eine zentrale Rolle spielen. Operationen in Vollnarkose weichen zunehmend lokalen Anästhesieverfahren, insbesondere für Routineeingriffe. Der Arzt als "Einzelkämpfer" lernt zunehmend interdisziplinär im Team zu denken und zu behandeln. Patienten und Gesellschaft profitieren davon.
Der Techniker und Ingenieur ist aus zukünftigen medizinischen Teams nicht mehr wegzudenken.
Mikro- und Nanotechnik
Wesentlicher Bestandteil in der Entwicklung innovativer Medizin ist die Mikrostrukturtechnik. Sie ermöglicht erstmals die Produktion von Kleinstmaschinen und Kleinstpumpen mit "intelligenten" Sensoren, die im Nano- bis Millimeterbereich liegen. So können diese Techniken künftig bei Gefäßoperationen, Bandscheibeneingriffen oder in der Tumortherapie verwendet werden. Solche Geräte kombinieren unter anderem auf kleinstem Raum das mechanische Abtragen bei gleichzeitigem sensorischen Erfassungen von Hindernissen bzw. lokaler Analyse von Druck, PH- oder biochemischen Reaktionen.
Beispiele aus der Praxis
Die „intelligente“ Tablette wirkt auf Kommando und wird neben anderem an der Eidgenössisch-Technischen Hochschule in Lausanne in der Schweiz entwickelt. Mit einem Radiosignal ist die High-Tech-Pille im Verdauungskanal aufspürbar. Ein weiters erwähnenswertes innovatives Technologiefeld ist die Plasmatechnologie. Zur ihr gehören plasmatechnologische Verfahren, wie Schneiden und Schweißen, die Entwicklung und Reinigung von Oberflächen, sowie die Beeinflussung der Benetzbarkeit und anderer Oberflächeneigenschaften. In der Medizintechnik werden plasmatechnologische Verfahren u.a. für die Beschichtung von metallischen Implantaten (z.B. Hüftgelenkprothesen) verwendet. Im klinischen Einsatz wird die Pasmatechnologie bereits für die Gewebedurchtrennung, z.B. in der Tumorchirurgie genutzt.
Für die Krebsbehandlung, Schmerztherapie und Insulindosierung sind Mikropumpen zur Langzeitinjektion von Medikamenten von großem Interesse. Bei Diabetikern könnte in Zukunft eine fast physiologische Stoffwechselregulation erzielt werden. Dies ist nur ein kleiner Ausschnitt aus den Möglichkeiten, die in dem weiten Feld der Medizintechnik stecken.