23. Oktober 2001
Züchtungsforschung: Die grüne Wissenschaftvon Christoph Berger |
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Im Westen von Köln, nahe dem Stadtteil Vogelsang, liegt, in Felder eingebettet, das Max-Planck-Institut für Züchtungsforschung: kurz MPIZ. Es liegt in einer Region, die von der nordrheinwestfälischen Regierung zu einer der Hochburgen der Biotechnologie-Branche ausgebaut werden soll. In dem sieben Hektar großen Institutsgelände wird molekulare Pflanzenzüchtung mit den Schwerpunkten Genetik, Entwicklungsbiologie, Biochemie, Phytopathologie und Physiologie betrieben.
Das Institut gliedert sich in vier wissenschaftliche Abteilungen und knapp 40 Arbeitsgruppen, die sich aus Diplomanden, Doktoranden, Postdocs, technischen Angestellten und Ingenieuren zusammensetzen. „Jeder Gruppe steht ein Forschungsleiter vor, der für seine Gruppe verantwortlich ist“, erläutert Susanne Benner. Seit vier Jahren ist sie zusammen mit einem Kollegen für den Bereich Presse- und Öffentlichkeitsarbeit des MPIZ zuständig. „Die Attraktivität des Instituts liegt vor allem in seinem guten und weltweit anerkannten Ruf in der Wissenschaft sowie den internationalen Verknüpfungen. Wir haben sehr gut etablierte Fachgruppen“, erklärt die 37-Jährige. Die Atmosphäre ist international geprägt. Viele Forscher kommen aus England und Italien. Auch aus China sind einige dabei. Die Institutssprache ist Englisch.
Kontakt übers Praktikum
Die meisten am Institut beschäftigten Forscher arbeiten an ihrer Doktorarbeit oder sind als Postdoktoranden angestellt. Daneben gibt es auch einige Studenten, die ihre Diplomarbeit schreiben. Sie sind in den hellen, mit Vogelzwitscher und allerhand Forscherutensilien gefüllten Labors zu finden. So zum Beispiel die 24-jährige Dörthe Ahlbory. Sie arbeitet an ihrer Diplomarbeit zum Thema „Expression von MADS-Box Genen beim Mais“ im Bereich Entwicklungsbiologie: „Der Kontakt kam über die Uni Köln zustande. Ich absolvierte ein Praktikum am MPIZ und entschloss mich daraufhin, meine Diplomarbeit hier zu schreiben.“
Vor allem im Schwerpunkt Pflanzengenetik sieht Dörthe Ahlbory Vorteile für ihren weiteren Werdegang. „An der Uni wurde vor allem zoologische Genetik gelehrt. Ich will in eine andere Richtung. Außerdem stehen dem MPIZ mehr Gelder zur Verfügung als den Universitäten. Das erleichtert die Forschungsbedingungen.“
Die meisten Diplomanden kommen während ihres Hauptstudiums das erste Mal mit dem Institut in Berührung. „Der persönliche Kontakt ist wesentlich besser als eine anonyme Bewerbung“, meint Susanne Benner.
Nur männliche Prof.'s
Anders lief es bei Gieta Dewal, die als Postdoktorandin am MPIZ forscht. Nach einem Biologiestudium in Osnabrück und der Promotion in Hannover kam die 33-Jährige über eine im Internet ausgeschriebene Stelle im Bereich Pflanzliche Molekularbiologie an das Institut. „Während an Universitäten jeder sein eigenes Süppchen kocht, ist das beim MPIZ anders. Hier ist die Forschungstechnik reifer und es herrscht eine gute Teamarbeit. Außerdem habe ich einen Chef, der sich Zeit nimmt und auf die Bedürfnisse seiner Wissenschaftler eingeht – und dies auch bei Frauen, die es in diesem Bereich nicht immer leicht haben“, erklärt die Wissenschaftlerin, die sich einen sauberen Kittel für den Fototermin überzieht.
Das Problem des Geschlechterverhältnisses in der wissenschaftlichen Forschung spricht auch Susanne Benner an: „Während des Studiums überwiegt meist, wenn auch nur leicht, der Anteil an Frauen. In höheren Positionen nimmt dieser dann immer mehr ab. Und wie hier am Institut zu sehen ist: Alle Direktoren sind männlich.“
Behind the big sea
Um am MPIZ zu arbeiten, werden unterschiedlichste Kriterien vorausgesetzt. Gesucht werden Biologen oder Chemiker mit Schwerpunkt Molekularbiologie oder Biochemie. Diese sollten mit biotechnologischen Richtungen verknüpft sein. Bei Diplomanden und Doktoranden ist es von Vorteil, wenn im Studium der Schwerpunkt bereits auf der pflanzlichen Biologie liegt.
Orientierungsmöglichkeiten für Interessenten eröffnen sich über Praktika. Das Verständnis für Pflanzen wird in diesem Fall noch nicht unbedingt vorausgesetzt. Es zählt vor allem das Interesse. In den weiteren Phasen sieht es allerdings anders aus. Postdoktoranden werden auf Selbstständigkeit in der Wissenschaft und ihre Fachrichtung hin befragt. „Wir sehen uns die Publikationen der Bewerber an und möchten etwas über den bisherigen Werdegang wissen. Interessant ist auch, in welchen Laboren bisher gearbeitet wurde“, so Susanne Benner.
Der Fachkräftemangel in Deutschland macht sich auch am MPIZ bemerkbar. Es wird schwieriger an gut ausgebildete Doktoranden zu kommen – die Bewerberzahlen sinken. Im Bereich der Bioinformatik ist die Misere noch größer. Nicht nur das Finden von geeigneten Mitarbeitern, sondern vor allem ihre Bezahlung ist für das Institut nicht einfach. Denn es gelten die Tarife des öffentlichen Dienstes, die mit den Angeboten der freien Wirtschaft konkurrieren müssen.
Aus diesem Grund geht das MPIZ immer öfter im Ausland auf die Suche nach qualifiziertem Personal. „Wir pflegen in vielen Ländern wissenschaftliche Kooperationen, beispielsweise mit Israel und China. Doch auch dies ist schwer“, meint Susanne Benner und erläutert: „Viele Kollegen in Europa blicken in die USA. Da spreche ich nicht nur für das Max-Planck-Institut. Denn ein USA-Aufenthalt ist immer noch ein Pluspunkt in der wissenschaftlichen Karriere.“
Höhere Gehälter sowie bessere Forschungsbedingungen locken qualifizierte Mitarbeiter zudem in die kommerziellen Labore. Auch Gieta Dewal und Dörthe Ahlbory sehen ihre längerfristige Zukunft in der freien Marktwirtschaft. „Ich würde erst mal gerne in der Forschung bleiben, auch hier am MPIZ, was allerdings von der Projektförderung abhängt. In zwei bis drei Jahren kann ich mir dann schon vorstellen in eine Bio-Tech-Firma zu wechseln“, meint Gieta Dewal. Ehemalige Kollegen haben diesen Schritt bereits getan und sich selbstständig gemacht. Zum Beispiel mit der Science-Factory, ein Bioinformatik Start-up mit Sitz in Köln. Seit gut anderthalb Jahren ist es erfolgreich in der Branche tätig.
Fit für die Zukunft
Um die Mitarbeiter für die Zukunft fit zu machen, bietet das MPIZ in den letzten Jahren verstärkt Weiterbildungsmöglichkeiten für die Wissenschaftler an. Das Angebot lässt sich zwar noch verbessern und ausweiten, der Bedarf solcher Veranstaltungen wurde jedoch erkannt.
Letztes Jahr gab es zusammen mit der biotechnologischen Studenteninitiative (btS) ein Bewerbungstraining, dieses Jahr werden Präsentationskurse angeboten. Weiter ist das Institut in das Graduiertenkolleg der Universität Köln involviert. Hierbei nehmen Doktoranden an Vorlesungen, Seminaren und Übungen teil, wo Kontakte mit Medizinern und anderen Biologen geknüpft werden. In institutsinternen Übungen bekommen die Wissenschaftler vermittelt, wie wissenschaftliche Anträge gestellt und Ergebnisse veröffentlicht werden können. Zu guter Letzt bietet die International Max-Planck-Research-School eine Weiterbildungsmöglichkeit für in- und ausländische Nachwuchswissenschaftler durch spezielle Angebote in englischer Sprache.
Aufklärung der Öffentlichkeit
Den Mitarbeitern des MPIZ ist es wichtig, die Bevölkerung über die Aktivitäten des Instituts zu informieren und aufzuglären. „Die Akzeptanz im Bereich der grünen Gentechnik war lange Zeit sehr kritisch. Anfang der 90er-Jahre kam es zu einem massiven Aufeinandertreffen von Öffentlichkeit und Wissenschaft. In dieser Zeit wurden am MPIZ die ersten Versuche mit gentechnisch veränderten Pflanzen durchgeführt – Versuche, die die Bürger nicht tolerieren wollten“, erinnert sich Susanne Benner.
Die Diskussionen halten immer noch an, doch hat sich die Aufmerksamkeit auf den medizinischen Bereich verschoben. Debattiert wird heute eher die Präimplantationsdiagnostik oder das Klonen. Doch Aufklärungsarbeit wird vom Institut immer noch übernommen. Es werden Führungen durch das Gelände angeboten und Vorträge organisiert. Ein eigens angelegter Lehrgarten zeigt landwirtschaftliche Aspekte und Forschungsansätze. Verdeutlicht werden dadurch Zweck und Ziel von Wissenschaft.
„Diskussionen finden auch hier im Institut statt. Versuche werden besprochen und es wird beobachtet, wie die Öffentlichkeit die Forschungen aufnimmt“, so Susanne Benner, „denn letztlich ist sich jeder darüber im Klaren, dass hier öffentliche Forschung betrieben wird, die ohne öffentliche Akzeptanz und auch Gelder nicht möglich ist.“
Kontakt:
www.mpiz-koeln.mpg.de
www.bts-ev.de
www.science-factory.com
Info:
Das Institut wurde 1928 bei Berlin als Kaiser-Wilhelm-Institut für Züchtungsforschung gegründet. 1948 wurde es von der Max-Planck-Gesellschaft übernommen und 1956 nach Köln verlegt.
Weitere Informationen:
Max-Planck-Institut für Züchtungsforschung
Dr. Susanne Benner
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Carl-von-Linné-Weg 10
50829 Köln