02.11.2004
Kreditspezialistin - Bewerbungs-Bonus Berufserfahrungvon Martin Rath |
|
Sandra Debbrecht arbeitet als Kreditspezialistin in
der Düsseldorfer Filiale der Hypo Vereinsbank AG, München. Ihre Banklaufbahn begann sie im April 2002 als Trainee bei der HVB Real Estate, ein Jahr später wechselte sie zur HVB AG. Sandra Debbrecht betreut heute Immobilienkunden aus dem Mittelstand: "Das sind beispielsweise Projektentwickler und Objektbetreiber, aber auch kleine Anleger, zum Beispiel Zahnärzte, die in Immobilien investieren", erklärt sie mir, "aber ‚Häuslebauer', also Eigennutzer, zählen nicht dazu".
Studium mit Berufserfahrung
"Ich habe nach dem Abitur zunächst vier Semester Jura studiert", erzählt meine Gesprächspartnerin. "Ich habe das Studium aber abgebrochen, weil es mir zu wirklichkeitsfremd war und mir das Massenstudium in Köln nicht lag."
Es folgte eine Ausbildung zur Bauzeichnerin im Hochbau, nach deren Abschluss und neun Monaten Berufspraxis Sandra Debbrecht Betriebswirtschaft in Rheinbach und Köln studierte. Sie schloss das Studium mit einer Diplomarbeit über einen "konzeptionellen Entwurf einer Datenbankstruktur" ab.
Ich möchte von ihr wissen, welche Kenntnisse aus dem Studium für ihre tägliche Arbeit das größte Gewicht haben. "Rechnungswesen", meint sie, "das ist es fast schon. Es ist schon gut zu wissen, wo man auch seine ‚Lücken' hat und dass man sich eben noch einarbeiten muss. Beispielsweise in die Bilanzanalyse." Dann fährt Frau Debbrecht ernster fort: "Wirklich von Vorteil für den Start bei der HVB war, dass ich während des Studiums jedes Jahr in einem neuen 20-Stunden-Job gearbeitet habe und viele Unternehmen, unter anderem aus der Immobilienbranche, kannte - und entsprechend Berufserfahrung mitbrachte."
Rollenspiele im fiktiven Unternehmen
Der Bewerbung beim Münchner Kreditinstitut folgte die Einladung zu einem Assessment Center, das im bayerischen Kloster Seon stattfand. "Die Teilnehmer - ich glaube wir waren zu zwölft - mussten Aufgaben in einem fiktiven Unternehmen lösen, einer so genannten ‚Softwareschmiede'", erinnert sich Sandra Debbrecht. "Am Anfang stand eine Gruppendiskussion, für die jeder aus 20 vorgegebenen Strategie-Vorschlägen die für die ‚Softwareschmiede' vorteilhaftesten auswählen sollte. Im späteren Gespräch wurde dann abgeglichen, wer sich durchgesetzt hat."
Es folgte ein simuliertes Kundengespräch, bei dem ein unzufriedener Kunde erst zu beruhigen war, um ihm dann gleich noch ein neues Produkt zu verkaufen. Auch die sonst üblichen AC-Bausteine wie eine Selbstpräsentation in Englisch oder eine Postkorbübung fehlten nicht. "Bei einer weiteren Übung mussten strategische Chancen und Risiken für das fiktive Unternehmen entwickelt werden, anschließend sollte jeder ein Statement zur Umsetzbarkeit abgeben und grafisch darstellen", erinnert sich Frau Debbrecht an eine der letzten Stationen ihres AC.
"Mein kompletter Lösungsansatz war sozusagen ‚aus dem Leben gegriffen', ohne irgendwelche BWL-Formeln und schöne Fachvokabeln wie ‚Cash-Cow' oder ähnliche Anglizismen." Zur Darstellung ihres Lösungsansatzes habe sie zudem eine einfache Ampelgrafik verwendet. "Mein praktischer Lösungsansatz und die einfache Darstellung wurden", so viel verrät sie vom Feedback-Gespräch des AC, "als Beleg für meine Berufserfahrung gewertet. Bei anderen Unternehmen laufen ACs aber anders ab: Dort wäre man von einer Boston-Consulting-Matrix begeistert. Und anders als bei der HVB wird in manchen ACs von den Bewerbern erwartet, dass sie sich gegenseitig in die Pfanne hauen."
Meine Mediennutzung
"Ich muss gestehen: Tageszeitungen lese ich nicht besonders gern. Die meisten für meine Arbeit relevanten Informationen beziehe ich aus dem Intranet, zum Beispiel wenn ein wichtiges Urteil verkündet wurde. Die elektronischen Medien sind schneller als die klassischen, und sie sind meiner Meinung nach inzwischen mindestens genauso zuverlässig."