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Berufsbilder

17.02.2004

Ein Kopf voller Ideen

von Dr. Jan R. Göpfert
Journal

Ohne sie würde vieles so bleiben, wie es ist. Sie bringen frischen Wind ins Unternehmen und bekämpfen den Stillstand. Sie sorgen dafür, dass Ideen realisiert werden: Innovationsmanager.

Innovationen sind „in“: Unternehmen positionieren sich durch innovative Produkte als Technologieführer, verschaffen sich Wettbewerbsvorteile und können höhere Margen realisieren. Zugleich sind mit Innovationen auch Risiken und Investitionen verbunden: Oft ist die technische Realisierung neuer Produkte schwieriger als zunächst vermutet. Noch weniger vorhersehbar ist die Frage, wie die Innovation vom Markt angenommen wird. Das erfolgreiche Management von Innovationen ist daher eine der wichtigsten und zugleich schwierigsten Aufgaben im Unternehmen. Dieser Herausforderung stellt sich ein neuer Berufszweig: der Innovationsmanager.

Das Team unterstützen

Der Innovationsmanager ist – im Idealfall – ein wahres Multitalent: Er (oder sie) hat ein weitreichendes technisches Verständnis und kann daher die Realisierungschancen von Innovationen schnell abschätzen. Zugleich kennt er den Markt und dessen zukünftige Entwicklung. Denn nur mit diesem Wissen kann er die Anforderungen an das neue Produkt präzise definieren. Dadurch wird er zur Schnittstelle und zum Mittler zwischen der Welt der Technik und der des Vertriebes. Durch seine integrierende Art gelingt es ihm, die oft widerstreitenden Interessen und Sichtweisen im Unternehmen zu moderieren und zu einem Gesamtoptimum zusammenzuführen. Sein Blick für das Ganze macht ihn zum unparteiischen Manager und Berater für den Innovationsprozess. Er hält die Fäden zusammen, bewahrt den Überblick und gibt eine Richtung. Durch neue, unkonventionelle Ideen bringt er immer wieder frischen Wind auch in scheinbar ausweglose Diskussionen und Entwicklungsprozesse, ohne jedoch dem Team zu stark seinen eigenen Willen aufzudrängen. Denn letztlich ist die entstehende Innovation eine Teamleistung, die der Innovationsmanager unterstützend moderiert und nicht selbst hervorbringt.

Das Handwerkszeug lernen

Als Innovationsmanger gefragt sind Generalisten mit Tiefgang. Idealerweise bringen sie sowohl einen technischen als auch einen betriebswirtschaftlichen Hintergrund mit, der beispielsweise in einem Doppelstudium oder als Wirtschaftsingenieur erworben werden kann. Dabei ist es weniger wichtig, welche Studiengänge genau belegt werden: Maschinenbau, Elektrotechnik, Verfahrenstechnik oder Physik – alle fördern das Verständnis technischer Vorgänge und Denkweisen. Im betriebswirtschaftlichen Zweig ist zum Beispiel Marketing und Organisation eine günstige Fächerkombination, aber keineswegs die einzig sinnvolle. Auch Kenntnisse in Psychologie, Kostenrechnung und Produktionswirtschaft sind für den Innovationsmanager hilfreich.

In den Job hineinwachsen

Um als Innovationsmanager akzeptiert zu werden, sind allerdings in der Regel einige Jahre Berufserfahrung und „Bewährung“ in unterschiedlichen Bereichen eines Unternehmens erforderlich. Die Qualifikation zum Innovationsmanager erfolgt somit zum großen Teil „on the job“.

Wer beispielsweise einmal als Assistent des Projektleiters oder Produktmanagers erfolgreich eine Innovation (mit)entwickelt hat, kennt die Tücken des Geschäfts aus eigener Erfahrung und ist für die Aufgaben bestens qualifiziert. In den Beruf wächst man im Laufe der Zeit hinein – was neben der erforderlichen Erfahrung auch daran liegt, dass dieses Berufsbild noch sehr jung ist und sich in den meisten Unternehmen noch keine „standardisierten“ Entwicklungspfade etabliert haben.

Im Unternehmen positionieren

Die Chancen und Herausforderungen des Innovationsmanagements bestehen darin, dass das Aufgabenspektrum quer zu den etablierten Unternehmensfunktionen wie Marketing und Vertrieb, Entwicklung, Produktion und Controlling liegt. Die formale Positionierung des Innovationsmanagements wird von Unternehmen auf unterschiedliche Weise gelöst. Üblich – sofern davon überhaupt schon gesprochen werden kann – sind fünf Grundformen:

(1) Das Innovationsmanagement wird der Geschäftsführung als eigenständiger Bereich unterstellt. Die zu betreuenden Projekte und Aufgaben werden direkt von der Geschäftsführung definiert.

(2) Das Innovationsmanagement wird in eine bestehende Unternehmensfunktion eingegliedert. Meist im Bereich Marketing/Vertrieb oder in der Entwicklung. Die „Nähe zum Produkt“ ist hier oft höher, da eine direkte Einbindung in laufende Projekte erfolgt. Allerdings ist es hier meist schwierig, „unparteiisch“ zu bleiben.

(3) Das Innovationsmanagement wird als eigenständige betriebliche Funktion etabliert, die Querschnittsfunktionen erfüllt. Oft werden in einer solchen Konstellation noch weitere Querschnittsaufgaben angesiedelt. Zum Beispiel Variantenmanagement, Prozess- und Methodenentwicklung und ähnliches. Die Leistung wird in der Regel von anderen Bereichen intern „beauftragt“.

(4) Sicherlich noch die häufigste Form in Unternehmen ist das informale Innovationsmanagement. Die Funktion des Innovationsmanagements ist hier nicht „offiziell“ definiert, sondern ergibt sich aus der Notwendigkeit des Alltagsgeschäfts. Die damit verbundenen Aufgaben werden von Personen „mit erledigt“, die in der Regel noch eine Linien- oder Projektfunktion erfüllen. Dadurch ist das Innovationsmanagement voll in die laufenden Prozesse integriert, geht aber leicht im Tagesgeschäft unter.

(5) Darüber hinaus gibt es viele Unternehmen, die sich gar keinen eigenen Innovationsmanager „leisten“. Bei Bedarf kaufen sie ihn temporär als externen Berater ein. Dies hat den Vorteil, dass von außen stets neue Ideen in das Unternehmen getragen werden und branchenübergreifende Erfahrungen genutzt werden können.

Viele Aufgaben meistern

Die Einsatzgebiete und Aufgabenbereiche eines Innovationsmanagers sind – entsprechend der breiten Qualifikation und den unterschiedlichen Ausprägungen in Unternehmen – sehr vielfältig. Zu den typischen Aufgabenfeldern zählen: Gestaltung von Innovationsprozessen, Methodenentwicklung und -anpassung, Moderation von Kreativitätsworkshops, Bewertung und Auswahl von weiterzuverfolgenden Innovationen, moderierende Begleitung oder Verantwortung für die frühe Konzeptphase der Produktneuentwicklung, Technologiescouting, Marktbeobachtung und –analysen, Erstellung von Businessplänen für ein neues Produkt, Unterstützung bei der Produktprogrammplanung oder Kommunikation der Innovationstätigkeit des Unternehmens nach außen.

Mit Optimismus nach vorne sehen
Wie bereits erwähnt: Innovationen sind „in“! Mit der zunehmenden Bedeutung der Innovationstätigkeit von Unternehmen wachsen auch die Berufschancen für professionelle Innovationsmanager. Allerdings lässt sich momentan noch schwer abschätzen, in welcher Form sich das Innovationsmanagement etablieren wird – als eigenständige Funktion oder eingebettet in existierende Strukturen. Wer sich für diesen Beruf interessiert und dabei schon ein spezifisches Unternehmen ins Auge gefasst hat, sollte sich daher frühzeitig informieren: In welcher Weise wird das Thema Innovationsmanagment dort betrieben? Welche Voraussetzungen gelten? Eines ist jedenfalls sicher: Die Kompetenz des Innovationsmanagers wird immer wichtiger, egal ob diese Bezeichnung auf der Visitenkarte steht, oder ob sie als Projektleiter, Produktmanager oder externer Berater eingebracht wird.

ZUR PERSON:
Dr. Jan R. GöpfertDr. Jan R. Göpfert gründete 1998 die Innovations- und Technologieberatung ID-Consult in München, die sich auf das Management komplexer Produktentwicklungsprozesse spezialisiert hat.
Infos: www.id-consult.de Externer Link


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