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Berufsbilder

07.05.02

Eine Karriere in Europa: EU-Verwaltungsbeamter

von Robert Piterek
Journal

Das Auswärtige Amt bietet Wochenendseminare an, um deutsche Interessenten an einem Arbeitsplatz in der EU-Verwaltung darauf vorzubereiten, den umfangreichen Eignungstest (`Concours´) zu bestehen. In den nächsten Wochen und Monaten stehen Auswahlverfahren für das Europäische Parlament, den Europäischen Gerichtshof und die EU-Kommission an. Bewerben kann sich, wer neben einem Hochschulabschluss zwei oder drei Jahre Berufserfahrung mitbringt.

Für Deutsche wird diese Auswahlrunde eine der letzten großen Chancen auf eine Stelle im EU-Verwaltungsdienst sein. Denn nach der Osterweiterung sollen bei der Besetzung von Stellen erst einmal die neuen Mitgliedstaaten zum Zuge kommen.

Deutsche in EU-Verwaltung unterrepräsentiert

Gemessen an der Bevölkerung sind die Deutschen in der EU-Verwaltung unterrepräsentiert. Der Hauptgrund liegt im Concours: Das zeitraubende Auswahlverfahren, das in der französischen Verwaltungstradition wurzelt, ist deutschen Akademikern fremd. Anders als Deutschland haben andere EU-Staaten ganze Studiengänge aufgebaut, um Nachwuchskräfte zu rekutieren. Inzwischen versucht man hierzulande mit den Wochenendseminaren Versäumnisse nachzuholen. Einer der EU-Beamten, der den Kandidaten hilft, ist Paul Engstfeld. Durch seine Hände sind bereits tausende Bewerbungen gegangen. Er mahnt die Kandidaten, auch auf Kleinigkeiten zu achten. Denn bei unvollständigen Bewerbungen kennt die Auswahlkommission kein Pardon: Schließlich gibt es 7000 weitere, unter denen man aussuchen kann.

Seminarinhalte und Perspektiven

In den Seminaren lernen die Kandidaten, wie man mit den Fragen im Multiple-Choice-Test der ersten Auswahlrunde umgeht, bekommen Sprachtests vorgelegt und erfahren, welche Paragraphen und Jahreszahlen man büffeln sollte. In der zweiten Phase gilt es, für einen Fraktionsvorsitzenden einen fiktiven Aktenvermerk zu verfassen. Wer sich aber erst einmal von vorn bis hinten durch den Aktenberg kämpft hat schon alles falsch gemacht. Denn die Zeit ist knapp, und viele Unterlagen sind überflüssig. Besteht der Kandidat dann auch die mündliche Prüfung, wird er auf die `Reserveliste´gesetzt. Ob und wann er eine Stelle bekommt, hängt vom Bedarf ab. Es kann eine Woche dauern, es können aber auch zehn Jahre ins Land gehen, ohne dass sich in der `Eurokratie´jemand an ihn erinnert. Sitzfleisch und Eigeninitiative gehören aber auch zu den Qualitäten, die ein Bewerber mitbringen muss.

Weitere Informationen zu den Seminaren:

Auswärtiges Amt (AA) Externer Link

Quelle: Rheinische Post


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