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11.11.2003

Vom Physikstudent zum Nanotech-Unternehmer

von Tanja Loitz
Journal

Innovationsgehalt und Anwendungsbezug gaben den Ausschlag: Dr. Niels Fertig, Physiker und Geschäftsführer der Nanion Technologies GmbH in München, ist der erste Preisträger des iKuh-Award 2003 für anwendungsorientierte Nachwuchsforschung im Bereich der Nanotechnologie. Der karriereführer sprach mit ihm über seine Laufbahn.

ikuh-Preisträger Dr. Niels Fertig
Der mit insgesamt 10.000 EUR dotierte iKuh-Award wurde vom IVG Businesspark vor München, ein Standort für namhafte Technologie-Unternehmen, initiiert und dieses Jahr erstmals vergeben.


Herr Dr. Fertig, zunächst herzlichen Glückwunsch zum ersten Preis beim iKuh-Award 2003. Für was genau haben Sie den Preis erhalten?

Ich habe den Preis für meine Arbeit: „The Nano-Patch-Clamp Principle“ erhalten, in der ich für die Entwicklung eines neuen Biochips Nanotechnologie mit Biotechnologie kombiniere. Der Biochip ermöglicht die Hochdurchsatz-Untersuchung von Wirkstoffeffekten auf eine wichtige Proteinklasse, die Ionenkanäle in Zellmembranen. Mit Hilfe des Chips können die Wirkungen neuer Arzneimittel auf menschliche Zellen präziser und effizienter getestet werden. Die Ergebnisse sind sehr wichtig für die Entwicklung neuer Pharmaka gegen Krankheiten wie Herzrhythmusstörungen, Migräne und Epilepsie.

In der Jurybewertung wurde insbesondere der Anwendungsbezug Ihrer Arbeit hervorgehoben. Wird Ihre Entwicklung bereits umgesetzt?

Ich habe im Januar 2002 mit zwei Partnern das Startup Unternehmen Nanion Technologies GmbH gegründet, mit dem wir in einem Team, bestehend aus Physikern, Chemikern, Medizinern und Elektrotechnikern, das Messverfahren automatisieren und kommerzialisieren. Im September ist die Produkteinführung auf einer Messe in Amerika geplant und unseren Break-Even streben wir für Ende 2004 an.

Sie sind promovierter Physiker und haben in Göttingen, Kalifornien und München studiert und geforscht. Ab wann haben Sie sich auf Nanotechnologie spezialisiert?

Mein Interesse für die Nanotechnologie hat sich im Laufe meines Studiums entwickelt. Es war ein andauernder Prozess, der auch von populär-wissenschaftlichen Beiträgen beschleunigt wurde. Bei der Diplomarbeit kam dann die Festlegung. Besonders reizvoll finde ich, die Entwicklung von 3D-Architekturen auf der Nanometerskala, insbesondere bei der Verknüpfung von künstlich erzeugten und natürlichen, zum Beispiel biologischen Nanostrukturen. Die Entwicklung völlig neuer Materialien mit maßgeschneiderten Funktionen wird so ermöglicht.

Wenn es um Nanotechnologie geht, werden teilweise revolutionäre Entwicklungen vorausgesagt. Wenig ist davon bisher greifbar. Würden Sie sagen, dass es zur Zeit einen Nano-Trend gibt, der gerade in schwierigen Zeiten wieder aus der Mode kommt?

Nein. Nanotechnologie ist kein reiner Hype, sondern eine sehr nachhaltige Technologie. Sie wird auch noch in 20 Jahren sehr aktuell sein. Sicherlich, in Deutschland schlägt zur Zeit die erste Begeisterung in Ernüchterung über. Es ist wichtig, dass auch in solchen Zeiten Risikokapital für erfolgsversprechende Unternehmensideen zur Verfügung steht, um die Entwicklungen voranzutreiben.

Während Ihres Aufenthalts an der University of California at San Diego haben Sie die amerikanische Forschungslandschaft kennen gelernt. Was waren für Sie wichtige Erfahrungen?

Die Zeit im Ausland war für mich sehr prägend und ich kann nur jedem dazu raten, die Chancen für einen Auslandsaufenthalt während des Studiums wahrzunehmen. Neben persönlichen Erfahrungen, dem Genuss von Wellen, Sand und Sonne hatte ich die Möglichkeit, am amerikanischen Uni-Alltag teilzunehmen. In Amerika wird sehr viel praxisbezogener geforscht und gelehrt. Professoren sind auch für die unteren Semester erreichbar und arbeiten mit den Studenten zusammen.

Nach Ihrer Promotion haben Sie den Schritt in den Selbstständigkeit gewagt. Welche Eigenschaften sollte man als Unternehmer mitbringen?

Eine hohe Leidensfähigkeit. Die konnte ich bereits während meines Physikstudiums und meiner Doktorarbeit antesten. Da stellte sich auch ständig die Frage „Und – klappt das Experiment?“. Abgesehen davon muss man ein Teamplayer sein. Als einzelne Person kann man kein Unternehmen aufziehen. Genauso wichtig wie eine gute Geschäftsidee ist das passende Team, mit dem man die Idee realisieren kann.

Welche Berufswege wären eine Alternative zu Ihrer jetzigen Tätigkeit gewesen?

Eine Festanstellung in einem großen Industrieunternehmen habe ich wegen der langen Entscheidungswege und oft geringen Entscheidungskompetenz nie angestrebt. Eine wirkliche Alternative wäre die akademische Laufbahn gewesen. Wobei in Deutschland auf junge Forscher der lange Weg bis zu einer sicheren Perspektive und auch die vergleichsweise geringe Vergütung abschreckend wirken. Meine aktuelle Tätigkeit ziehe ich allen anderen vor: Dinge selbst in die Hand nehmen zu können, ist eine große und sehr motivierende Herausforderung.

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