9. Oktober 2001
Vermögen Sie zu beraten?von Gesa Fuchs |
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Es riecht nach frischen Blumen. Die Atmosphäre ist freundlich, geprägt von Holz und warmen Farben. Der Blick durch die Fensterfront geht hinunter auf den Alten Friedhof von Bonn. Neben Walter Kessel sitzt an dem runden Tisch Albert Kock, Pressesprecher der Bonnfinanz AG.
Die Gesellschaft für Vermögensberatung und Vermittlung ist wie die Bonner Akademie ein Tochterunternehmen der Deutschen Bank Gruppe und mit ihrem 30-jährigen Bestehen ältester Allfinanz-Vertrieb Deutschlands. Die Bonner Akademie betreibt unter anderem die Aus- und Weiterbildung der Bonnfinanzberater.
„Wissen Sie, wir haben uns auf die Marktsituation eingestellt“, beginnt Walter Kessel, „denn der Umbruch in der Bank- und Versicherungswirtschaft führt zu einem Bedarf an neuen Mitarbeitern in der vertriebsorientierten Finanzdienstleistungsbranche, die mit umfassendem Know-how und hoher Beratungskompetenz ausgestattet sind.“
Mit der Bonner Akademie möchte er den Mitarbeitern im Vertrieb der Banken und Versicherungen – aber auch Berufseinsteigern – neue Perspektiven anbieten, „um in ganz neue Richtungen zu denken. Da, wo die Banken sich zurückziehen, setzt der Allfinanzberater an.“
Alte Berufsbilder passé
Angesichts einer Vielzahl an Innovationen und fortschreitender Globalisierung, die sich auch auf die Finanzdienstleistungsbranche auswirkt, setzt sich die Bonner Akademie für eine Orientierung auf dem Markt ein. Denn gerade die in den letzten Jahren neben den stationären Filialen stark gewachsenen mobilen Vertriebsformen suchen qualifizierte und dienstleistungsorientierte Mitarbeitern für das beratungs- und betreuungsintensive Privatkundengeschäft.
Kock: „Das Schmalspurdenken ist vorbei, die alten Berufsbilder Bank-, Versicherungs- und Immobilenfachwirt sind passé. Gefragt ist der spartenübergreifende, mobile, flexible und kundenorientierte Allfinanzberater.“
Von dem wird eine hohe Fortbildungsbereitschaft erwartet, denn der Markt befindet sich in einem rasanten Wandel. Der Einsatz lohnt sich, denn bei entsprechender Qualifikation sind die Karrierechancen hoch und die Verdienstmöglichkeiten gut: „Bis zu
500 000 Mark lassen sich im Vertrieb verdienen“, meint Kock. Beispielsweise beim mobilen Vertrieb im gehobenen Privatkundengeschäft, wie es die Bonnfinanz für die Deutsche Bank betreibt.
150 Vermögensberater rekrutiert die Bonnfinanz AG im Jahr. Voraussetzung: Erfahrungen im Bankgeschäft oder Anlagemanagement, Kompetenz und Qualifikation.
„Nach einer Einstellung wird die notwendige verkäuferische Schulung hinreichend über die Bonner Akademie gewährleistet“, erläutert Kessel.
IHK-geprüft?
Ist der Vermögensberater in anderen EU-Ländern, wie beispielsweise England, längst ein Beruf, zu dem ein Studium qualifiziert, ‚genoss er hierzulande lange den Ruf einer unsoliden oder gar zwielichtigen Tätigkeit. „Es kann sich bis heute jeder Finanz-, Anlage- oder Vermögensberater nennen, da es sich hierbei noch um ungeschützte Berufsbezeichnungen handelt“, so der Leiter der Akademie.
Nicht zuletzt dem Engagement der Bonner Akademie ist es zu verdanken, dass es heute die öffentlich-rechtlich anerkannte Aufstiegsfortbildung zum Fachberater für Finanzdienstleistungen (erste Stufe) und Fachwirt für Finanzberatung (zweite Stufe) gibt.
Anstoß dazu waren vor allem die zunehmende Unübersichtlichkeit in der Finanzbranche und die „EU-Richtlinie über Wertpapierleistungen“ aus dem Jahr 1993. Diese schreibt für alle vertriebsorientierten Finanzdienstleister fest, dass ihre Tätigkeit auf einzelstaatlicher Ebene einer Regelung unterworfen sein muss. Ziel ist, dass die Bundesregierung die Qualifizierung von Finanzdienstleistungsvermittlern in Deutschland in Zukunft gesetzlich regelt und die Aus- und Fortbildung des mobilen Finanzberaters auf ein solides Fundament stellt.
Das vor über drei Jahren ins Leben gerufene bundeseinheitliche Qualifizierungsmodell des Deutschen Industrie- und Handelstages (DIHT) bildet in der ersten Stufe zum IHK-geprüften ‚Fachberater für Finanzdienstleistungen' aus. Dieser Titel befähigt zur Vermittlung von Standardprodukten für die Grundversorgung privater Haushalte. Die zweite Stufe bildet zum ‚Fachwirt für Finanzberatung' aus und endet ebenfalls mit IHK-Abschluss.
Der Fachwirt für Finanzberatung ist befähigt, mit hoher Beratungskompetenz Finanzprodukte an Privat- und Firmenkunden zu vertreiben.
Zum Fachberater für Finanzdienstleistungen bildet die Bonner Akademie in 330 Stunden aus, zum Fachwirt für Finanzberatung in weiteren 400 Stunden.
Die erste Qualifizierungsstufe bzw. der Grundlagenteil beinhaltet folgende Themen: