28.07.2003
Studieren in den USA: Land der begrenzten Möglichkeitenvon Anne Thesing |
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„We are an open country“, bekräftigte US-Justizminister John Ashcroft am 5. Juni 2002 gegenüber Journalisten. Die Beschlüsse der US-Regierung zur Überwachung ausländischer Studenten lassen allerdings an dieser Offenheit zweifeln. Die neuen Gesetze sind im Januar 2003 in Kraft getreten und haben die Einreise- und Aufenthaltsbestimmungen für ausländische Studenten verschärft. Anlass war der 11. September 2001, an dem sich in den USA eine Kontroll-Lücke öffnete. Mehrere der Attentäter waren mit einem Studentenvisum eingereist, ohne sich nach der Einreise an einer Hochschule einzuschreiben – und niemand hat es gemerkt. Solche Missbräuche wollen die Amerikaner mit den neuen Bestimmungen verhindern.
Inzwischen prüft der Konsularbeamte schon bei der Ausstellung des Studentenvisums F1, ob der Antragsteller eine weiße Weste hat oder ob er in der Vergangenheit strafrechtlich aufgefallen ist. Ist der Lebenslauf des Antragstellers in Ordnung, wird die Einreise genehmigt. Das Konsulat benachrichtigt daraufhin das State Department und die amerikanische Einwanderungsbehörde INS (Immigration and Naturalization Service), die seit kurzem zum "Department of Homeland Security" gehört. Die Daten des Studenten werden in einer Datenbank erfasst und die betreffende Hochschule wird informiert. Sobald der Student sich tatsächlich eingeschrieben hat, muss die Hochschule dies der INS melden.
Chemiker unter Verdacht?
Doch nicht nur die Einschreibe- und Einreisebedingungen werden verschärft, auch das Studium fällt unter strengste Kontrollen. Sobald Studenten weniger als die durchschnittliche Kurszahl belegen, melden amerikanische Hochschulen dies den Behörden. Zwar gab es diese Regelung schon vor dem 11. September, doch sie wurde nicht von allen Universitäten eingehalten. Nun wird alle zwei Jahre geprüft, ob die Hochschulen die Studiengewohnheiten ihrer Studenten kennen. Studenten, die nur sporadisch ihre Seminare besuchen, ihr Studium abbrechen oder von der Uni verwiesen werden, schickt die INS in ihr Heimatland zurück. Ganz besonderes Augenmerk richtet die Einwanderungsbehörde auf Studenten „verdächtiger“ Studiengänge. Wer Fächer wie Nuklearphysik oder Chemie studiert, in denen er sich Wissen für terroristische Zwecke aneignen könnte, muss mit Eingriffen der INS rechnen.
Diskussionsstoff
„We will continue to greet our international neighbors with goodwill. Asking some neighbors and visitors to verify their activities while they are here is fully consistent with that outlook“, erklärte Ashcroft weiter in seiner Rede an die Journalisten.
Dieser Auffassung des Justizministers widersetzten sich zahlreiche Kritiker – unter ihnen die American Immigration Lawyers Association, der American Council on Education und diverse Studentenverbände. Sie alle befürchten dass internationale Forscher und Studenten die USA meiden. Eine Sorge, die nicht unbegründet ist, denn der Wissenschafts-Standort Deutschland ist seit kurzem wieder im Aufwind. Dies ist teilweise den verschärften Einreise- und Arbeitsbedingungen in den USA "zu verdanken", wie karriereführer meldete. Kritiker befürchten auch die verstärkte Diskriminierung arabischer und muslimische Studenten.
Die US-Behörden vertreten seit dem 11. September 2001 das Motto: Kontrolle ist besser als Vertrauen. Doch wie weit darf diese Kontrolle gehen? Sagen Sie uns Ihre Meinung im Kommentarfeld unten!
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