Ein längerer Arbeitsaufenthalt im Ausland ist für viele eine willkommene Abwechslung im beruflichen Werdegang. Natürlich ist es unvermeidbar, vorher Fremdsprachenkenntnisse aufzufrischen oder sogar neu zu erwerben. Da Sprachbegabung nicht gleichmäßig auf die Menschheit verteilt ist, bedeutet dies für manche eine große Hürde. Doch unabhängig von Vorkenntnissen und Begabung kann jeder mit der notwendigen Begeisterung und einem angemessenen Sprachunterricht beachtliche Erfolge erzielen.
Sprachen lernen, aber wie?
Neben der herkömmlichen Methode, die örtliche VHS oder eine Sprachschule vor Ort zu besuchen, bieten sich auch das Arbeiten mit einer Lernsoftware, das Sprachenlernen im Web unter Nutzung eines E-Mail-Netzes mit Lernpartnern oder ganz schlicht der Gebrauch von Radio oder Fernsehen zur Verbesserung des Hörverstehens an.
Wer den Spaßfaktor reinbringen will – und über das nötige Kleingeld verfügt – entscheidet sich vielleicht für eine Sprachreise. Als Arbeitnehmer können Sie diese allerdings auch von Ihrem Unternehmen als Bildungsurlaub anrechnen lassen. Sprechen Sie mit Ihrem Arbeitgeber.
Sprachreisen bringen Unterrichtsmüde dazu, von bloßen Trockenübungen wegzukommen und Land und Leute kennen zu lernen. Ein klarer Vorteil, wie 160.000 gebuchte Sprachreisen pro Jahr in Deutschland bezeugen. Auch Marina Westphal aus Koblenz nutzte diese Chance für sich. Die zoologische Präparatorin gönnte sich vor einigen Jahren den Luxus einer Sprachreise zur Verbesserung ihrer Englischkenntnisse und lernte dabei das Alltagsleben in England kennen. Sprachschüler gewinnen durch solche Erfahrungen Sicherheit im Umgang mit anderen Kulturen, was mindestens genauso wichtig ist wie hervorragende Sprachbeherrschung. Denn „Interkulturelle Kompetenz“ ist bei Personalverantwortlichen eine gern gesehene Soft Skill.
Erste Überlegungen
Zunächst sollten Sie für sich selber klären, was genau Sie eigentlich wollen. Liegt Ihnen eher der Aufenthalt in einer Stadt oder auf dem Land? „Für mich kam eigentlich nur London in Frage.“ Marina Westphal liebt diese Stadt und genoss zusammen mit ihren Mitschülern die vielfältigen Annehmlichkeiten der Metropole an der Themse. Doch mit der Wahl des Ortes sind noch nicht alle Entscheidungen gefällt. Wie und wo möchten Sie untergebracht werden? Wollen Sie Zertifikate erwerben? Was sind Ihre Lernziele? Ist die möglichst schnelle Erlernung der Fremdsprache für Sie wichtig? Geht es Ihnen um eine verbesserte Aussprache oder wollen Sie sich eine bestimmte Fachterminologie aneignen? Viele Sprachschulen bieten Unterricht in Business English, aber auch Fachkurse für Journalisten, Juristen, Banker…. an.
Qualitätskriterien
Aber Vorsicht! Es gibt zwar zahlreiche Anbieter von Sprachreisen, in Deutschland zirka 150, aber nicht alle sind seriös. Ein guter Sprachreiseveranstalter verfügt über die staatlich vorgeschriebene Konkursausfallversicherung und lässt Ihnen zügig die Reisebestätigung und die vollständigen Reiseunterlagen zukommen. Verlangen Sie bei Anzahlung oder Vollzahlung einen Sicherheitsschein einer Versicherung oder eines Kreditinstituts. Um auf Nummer sicher zu gehen, empfiehlt es sich, beim Fachverband deutscher Sprachreise-Veranstalter e.V. (FDSV) die 50 im Reiseveranstalterregister eingetragenen Anbieter zu erfragen. Darüber hinaus sollten Sie natürlich auch selbst Erkundungen einziehen. Dabei sind folgende Kriterien zu beachten:
Auf jeden Fall muss ein gründlicher schriftlicher und mündlicher Einstufungstest erfolgen, damit Sie in einer für Sie maßgeschneiderten Gruppe soviel wie irgend möglich von dem Unterricht profitieren können. Auch über die Teilnahmebedingungen müssen Sie sich gut informieren. Die Kursstärke sollte bei höchstens 15 Personen liegen, die alle über ungefähr den gleichen Kenntnisstand verfügen. Die Größe der Gruppe ist natürlich ein wesentliches Beurteilungskriterium für den Preis der Sprachreise. Günstig ist es auch, wenn die Kurse nach Erwachsenen und Schülern getrennt unterrichtet werden, da das altersbedingte Lerntempo und die Herangehensweise zwischen diesen Altersgruppen sehr verschieden sein können. Die Anzahl der Lektionen pro Woche sollte 15 Stunden und die Dauer der Unterrichtsstunde 45 Minuten nicht unterschreiten.
Ein weiterer wichtiger Beurteilungsfaktor ist die Qualität der Lehrer. Handelt es sich um Muttersprachler? Welche Ausbildung haben sie vorzuweisen? Auch wichtig: Wie ist es um die Ausstattung der Unterrichtsräume bestellt? Welche Freizeitangebote gibt es? Wenn Sie auf Wochenendausflüge, Sport oder besondere landestypische Freizeitbeschäftigungen Wert legen, dann überprüfen Sie diesbezüglich vorher das Programm. Überhaupt empfiehlt es sich, im Vorfeld genaue Informationen darüber einzuholen, welche Leistungen im Preis inbegriffen und welche zusätzlich gebucht werden können. Falls Ihnen eine einfache Teilnahmebescheinigung nicht genügt, sollten Sie außerdem klarstellen, welche Zeugnisse und Zertifikate im Anschluss an den Kurs ausgestellt werden und ob diese möglichen Arbeitgebern als Nachweis der Sprachbeherrschung willkommen sind.
Unterbringung und Verpflegung
Wenn Sie sich für den Aufenthalt in einer Gastfamilie entscheiden, dann klären Sie vorher mit dem Reiseveranstalter, was Sie sich von dieser Art der Unterbringung erhoffen, denn erfahrungsgemäß widmen nicht alle Familien ihren Urlaubsgästen die notwendige Aufmerksamkeit. Wählen Sie, falls möglich, einen Haushalt, in dem nicht mehrere Gäste mit derselben Muttersprache untergebracht sind. „Die Alltagssituation hat mich sprachlich wesentlich weiter gebracht als der Unterricht“, so Frau Westphal. „Ich war in das Familienleben integriert. Meine Gasteltern gaben sich wirklich große Mühe. Am Wochenende unternahmen sie sogar kleinere Ausflüge mit mir.“ Über Mitwohnzentralen lassen sich übrigens auch WG-Plätze ergattern. Zu klären wäre auch die Entfernung vom Wohnort zur Schule. Welche Transportmittel stehen zur Verfügung?
Hochschulen und Zertifikate
Neben privaten Sprachreisenveranstaltern können Sie sich alternativ auch an Hochschulen wenden, und zwar nicht nur als Student! In 29 Ländern bieten zirka 300 Hochschulen und kooperierende Institute allgemeine und fachbezogene Sprachkurse – zum Beispiel für Naturwissenschaftler, Ingenieure und Wirtschaftswissenschaftler – an. Informieren Sie sich beim Deutschen Akademischen Austausch Dienst (DAAD) oder direkt bei den Sprachenzentren und Fremdspracheninstituten der Universitäten. Auch die Carl Duisberg Gesellschaft vermittelt Arbeitspraktika und Intensivsprachkurse.
Für alle, die in erster Linie aus beruflichen Gründen eine Fremdsprache erlernen möchten, ist es sicher überlegenswert, ein international anerkanntes Zertifikat zu erwerben. Der TOEFL-Test (Test of English as a Foreign Language), der die Grundlage für ein Studium in Amerika bildet, kann auch Arbeitgebern als Bestätigung über Englischkenntnisse eines Bewerbers dienen. Er kann in deutschen Testzentren abgelegt werden. Informationen erhalten Sie in Amerikahäusern. „Das einzige, was etwas heikel sein kann, ist das Hörverstehen“, erklärt Marina Westphal, die diesen Test zwecks eines einjährigen Lehrgangs in North-Carolina absolvierte. Auch erwähnenswert ist das IELTS (International English Language Testing System), das in Großbritannien, Neuseeland und Australien verlangt und in den USA, Kanada und Deutschland anerkannt wird. Einen hohen Bekanntheitsgrad genießen die Prüfungen der University of Cambridge/Royal Society of Arts (RSA), weshalb sie auch für berufliche Zwecke sehr empfohlen werden. Man unterscheidet hier je nach Schwierigkeitsgrad zwischen FCE (First Certificate in English), CAE (Certificate in Advanced English) und CPE (Certificate of Proficiency).
Spätestens, wenn all diese Hürden genommen sind, werden Phrasen wie„My English makes me so quickly nobody after“ der Vergangenheit angehören.
Sprach-Links:
- www.daad.de
- www.sprachkurs-ratgeber.de
- Sprachschulen aus aller Welt
- Sprachschulenvermittlungsportal
- www.britishcouncil.de
- Instituts francais
- Studienmöglichkeiten im Ausland und Englischkurse
- www.stiftung-warentest.de
- www.language-learning.com
- www.sprachkurse-weltweit.com
- Unabhängiges Verzeichnis
- www.fdsv.de
- Zugang zu den Sprachen der neuen EU-Mitgliedsländer
- www.sprachen-beruf.com
- Nordic Training and Job Center
- Baltic Training Center
- Sprachschule Centro Puccini