powered by crawl-it
Das Jobmagazin für Hochschulabsolventen
www.karrierefuehrer.de Online

Ausland

14. November 2001

Eine kulturelle Mischmaschine

von Anne Thesing
Journal

Man nehme 20 verschiedene Nationen, füge Ingenieur- und Managerwissen hinzu und runde das Ganze mit je einer Prise Theorie und Praxis ab – fertig ist die kulturelle Mischung, die an der Reims Management School angerührt wird.

"Ich bin überzeugter Europäer“, erklärt Didier Develey mit leuchtenden Augen. „Und ich möchte, dass unsere Schule immer europäischer wird.“ Mit „unserer Schule“ meint der Franzose die 1928 gegründete Reims Management School, die er seit 1995 als Direktor leitet. Im Jahr 2000 wurde ihr von der European Foundation for Management Development (EFMD) das europäische Qualitätslabel EQUIS verliehen. Mit dieser Auszeichnung kommt der Direktor seinem Ziel einer europaweit anerkannten Schule ein Stück näher.

Dass dieses Ziel der Grenzüberschreitung schon zu einem großen Teil verwirklicht ist, zeigt auch die international besetzte Studentenschaft. Aus insgesamt 20 Staaten kommen die 2500 Studenten angereist, um eines der Management-Programme zu absolvieren – zum Beispiel den Master of Business Administration (MBA) oder den Bachelor of Technology and Management (TEMA).

Unterrichtet wird der Management-Nachwuchs von 50 ordentlichen Professoren sowie 500 Gastprofessoren und Unternehmensvertretern. In den multimedial ausgestatteten Räumen, Sprachlabors und Simulationszentren der Schule geben die Dozenten ihr Bestes, um die Studenten auf künftige Führungspositionen vorzubereiten.

Ein Jahr mit Folgen

Der MBA kann Vollzeit innerhalb eines Jahres oder Teilzeit in 18 Monaten absolviert werden. 60 Prozent der Vollzeit-Studenten sind Nicht-Franzosen. „In dem letzten Kurs unterrichtete ich mit amerikanischem Lehrmaterial Studenten aus China, Irland und Frankreich“, beschreibt Gastdozent Hans-Erich Müller das multikulturelle Klima an der Schule.

Seit 1999 lehrt der studierte Betriebswirt aus Berlin regelmäßig an der Reims Management School – zusammen mit einem international besetzten Dozenten-Team, das zu einem Fünftel aus Nicht-Franzosen besteht. Die Internationalität betrachtet er als großen Vorteil für die Zukunft der Studenten: „In einer internationalen Gruppe lernt man, die unterschiedlichen Kulturen als Potentiale statt als Barrieren zu begreifen. Und genau auf diese Fähigkeit kommt es heute im Management an“, meint er.

Wie sehr die Zusammenarbeit mit anderen Kulturen alle Beteiligten positiv prägt, weiß auch Didier Develey: „Die Studenten verändern sich im Laufe der Ausbildung. Nach Abschluss des MBA ist ein Franzose nicht mehr nur ein Franzose. Und ein Deutscher ist nicht mehr nur ein Deutscher“, erklärt er. Jeder nehme etwas aus den anderen Kulturen mit und gebe zugleich etwas von seiner Kultur an die Kommilitonen weiter.

Dass dieser Austausch der Kulturen nicht nur hinter den Mauern der französischen Schule stattfindet, beweist eine Besonderheit des MBA-Programms: Die Hälfte des Studiums kann an einer der Partneruniversitäten in Dublin oder Madrid absolviert werden – auf diese Weise können die Absolventen sich am Ende mit einem doppelten, international anerkannten Abschluss schmücken.

Banal, aber wichtig

Doch es bleibt nicht bei der Mischung unterschied-licher Nationalitäten. Die kulturelle Mischung greift auch in andere Ebenen über, und gerade diese Erweiterung des Kulturbegriffs ist dem Direktor sehr wichtig. So betrifft die zweite kulturelle Mischung die in der Schule vermittelten Inhalte. Der „Bachelor of Technology and Management“ macht es bereits vor, für den MBA ist es geplant: eine Mischung aus Technik- und Managerwissen soll den Unterricht prägen.

„Viele entdecken erst jetzt die eigentlich banale Tatsache, dass auch Technologie Bestandteil eines Unternehmens ist“, erklärt Didier Develey und kritisiert, dass diese Banalität nur in den wenigsten MBA-Programmen berücksichtigt werde. Dabei ist der Gedanke, dass einerseits Ingenieure Managementwissen und andererseits Manager technologische Kenntnisse haben sollten, durchaus einleuchtend.

Aus diesem Grund legt der Direktor Wert darauf, dass die Ausbildung an seiner Schule nicht nur das Verständnis verschiedener Nationalitäten, sondern auch das Verständnis unterschiedlicher Unternehmensbereiche schult.

Eine praktische Angelegenheit

Die dritte Ebene, auf der eifrig gemischt wird, betrifft die Vermittlung der Inhalte. Didier Develey ist es wichtig, dass in seinen Programmen sowohl die akademische, als auch die Unternehmenskultur abgedeckt wird. Dies geschieht zum einen durch die Auswahl der Dozenten. Die regelmäßige Teilnahme von Unternehmensleitern, Managern und Beratern an den akademischen Lehrveranstaltungen trägt dazu bei, dass der Bezug zu Praxis und Unternehmen nicht zu kurz kommt.

Darüber hinaus veranstaltet die Schule einmal im Jahr die so genannte „semaine entreprise“ – eine „Woche der Unternehmen“. „120 Unternehmen waren im letzten Jahr dabei – überwiegend sehr große und bekannte“, berichtet Didier Develey. Die Unternehmensvertreter kommen mit Vorträgen, Präsentationen, Konferenzen sowie Job- und Praktikaangeboten in die Schule und geben den Studenten die Möglichkeit, nützliche Kontakte zur Praxis zu knüpfen.

Und natürlich kann auch vor Ort Praxisluft geschnuppert werden. Vier bis sechs Monate verbringen die MBA-Studenten in Unternehmen aus dem In- und Ausland, wo sie ihr theoretisches Wissen einbringen und praktische Kenntnisse sammeln können.

Bergsteigende Manager

Nach einem so international und multikulturell geprägten Jahr fällt es nicht wenigen MBA-Absolventen schwer, in die eigene Kultur zurückzukehren. Viele Deutsche wagen daher nach der Schule den Berufseinstieg vor Ort in Frankreich. Die Möglichkeiten deutscher Absolventen für einen Karrierestart in Frankreich schätzt Didier Develey als sehr positiv ein.

Besonders junge, dynamische Unternehmen arbeiten oft mit vielen verschiedenen Kulturen unter einem Dach – und genau für diese Zusammenarbeit bilde die Schule schließlich aus. Und auch andere in der Arbeitswelt wichtige Fähigkeiten vermittelt die Schule. Dass zum Beispiel die so oft geforderte Teamarbeit in Reims nicht zu kurz kommt, kann Gastdozent Hans-Erich Müller bestätigen: „An der Schule wird viel Wert auf Teamgeist gelegt. Zum Beispiel gehen die Kurse gemeinsam Bergsteigen und unternehmen ähnlich waghalsige Dinge.“

Spätestens nach einem solchen Wochenende wissen die Beteiligten den Wert eines Teams zu schätzen – und können nach Abschluss ihres MBA gut vorbereitet in das Berufsleben entlassen werden.

Zur Person:

Didier Develey ist seit 1995 Direktor der Reims Management School (vormals Groupe ESC Reims).

Prof. Dr. Hans-Erich Müller ist Professor an der Berliner Fachhochschule für Wirtschaft und unterrichtet als Gastdozent an der Reims Management School.


karriereführer bauingenieure karriereführer consulting karriereführer erneuerbare energien karriereführer finanzdienstleistungen
karriereführer handel karriereführer hochschulen karriereführer informationstechnologie karriereführer ingenieure
karriereführer mittelstand karriereführer naturwissenschaften karriereführer recht karriereführer vertrieb
karriereführer wirtschaftswissenschaften karriereführer asien karriereführer china karriereführer europa
© 2010 Transmedia Verlag GmbH & Co. KG
www.karrierefuehrer.de www.transmedia-verlag.de
Kontakt für Anzeigen, Banner: anzeigen@karrierefuehrer.de Mediadaten Newsletter Kontakt
Bitte beachten Sie folgende Nutzungshinweise, unsere AGB und das Impressum.