14.04.2003
Lohnt sich ein Auslandseinsatz?von Claudia Einfalt |
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Nicht nur Mitarbeiter großer Industriekonzerne werden ins Ausland entsandt. Auch im Dienstleistungssektor sowie bei mittelständischen Unternehmen eröffnen sich Auslandseinsatzmöglichkeiten. Jedoch können die wenigsten Berufsanfänger damit rechnen, schon kurz nach dem Einstieg ins Ausland geschickt zu werden. Ein Auslandseinsatz im eigentlichen Sinne (2-4 Jahre Dauer) beinhaltet Know-how-Transfer und Koordinations- und Kontrollaufgaben. So ist es nachvollziehbar, dass die Mehrzahl der Entsandten erst einmal einige Jahre Berufserfahrung im Unternehmen sammeln müssen.
Der ideale Kandidat
Aus Unternehmenssicht ist der ideale Entsendungskandidat meist um die Mitte 30 und hat bereits im Heimatland erste Managementaufgaben übernommen. Neben der fachliche Qualifikation,ist es unerläßlich, sich sprachlich und kulturell vorzubereiten. Denn selbst innerhalb Westeuropas gibt es nicht zu unterschätzende kulturelle Unterschiede. Während der Zeit im Ausland ist ein möglichst enger Kontakt zum Stammhaus wichtig. Idealerweise fungiert ein Mentor vom Heimatland aus als Ansprechpartner und Interessenvertreter. Essenziell für das Gelingen eines Auslandseinsatzes ist die Bereitschaft der Familienangehörigen, diesen Schritt mit zu tragen. Da in der Regel der Partner seine berufliche Karriere während dieser Zeit zurückstellen muss, ist dies keineswegs selbstverständlich.
Reichtum nicht inbegriffen
Die Zeiten, in denen der Auslandseinsatz automatisch mit finanziell attraktiven Konditionen verknüpft ist, sind vorbei. Lediglich bei „unattraktiven“ Regionen ist mit deutlichen Zulagen zu rechnen. So bemerkte ein Personalverantwortlicher gegenüber einer Kandidatin für die USA: „Wenn Sie Geld verdienen wollen, müssen Sie nach China gehen“.
Es ist jedoch unumstritten, dass ein erfolgreicher Auslandseinsatz vielerlei Möglichkeiten zur Entwicklung der Persönlichkeit bietet: In einem fremden Umfeld müssen berufliche und private Kontakte aufgebaut werden und es besteht die Chance, neue Werte und Verhaltensmuster kennen- und verstehen zu lernen. „Auch wenn der Auslandseinsatz für mein berufliches Fortkommen nichts bringen sollte, war er doch eine wertvolle Erfahrung für mich, die ich nicht missen möchte“, äußern viele hinterher.
Der persönliche Marktwert
In Deutschland gibt es zahlreiche Unternehmen, in denen ein Auslandsaufenthalt Vorraussetzung für den Aufstieg ins obere Management ist. Einen sofortig wirksamen Automatismus: Auslandseinsatz => Karrieresprung, gibt es allerdings nicht. Viele Entsandte berichten enttäuscht, dass ihre neu erworbenen Erfahrungen und Fähigkeiten überhaupt nicht zum Einsatz kommen und dass sie im Vergleich zu ihren daheim gebliebenen Kollegen in ihrem beruflichen Fortkommen benachteiligt sind. Auf jeden Fall erhöht jedoch ein erfolgreicher Auslandsaufenthalt den eigenen Marktwert.
Claudia Einfalt, geb. 1973, war selbst einige Zeit im Ausland und hat ihre Diplomarbeit zum Thema: Auslandseinsatz und Karriere – eine Befragung entsandter Fach- und Führungskräfte deutscher Unternehmen“ verfasst. Seit Juni 2002 arbeitet sie bei PM&Partner Marketing Consulting GmbH in Frankfurt und ist dort Projektleiterin in der Marktforschung.