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Ausland

16.11.2004

Hunting for a job

von Marcus Bingenheimer-Zimmermann
Journal

Die britische Wirtschaft befindet sich seit einigen Jahren im Aufwind. Viele deutsche Firmen haben eine oder sogar mehrere Niederlassungen auf der Insel. Im Gegenzug sind viele englische Unternehmen daran interessiert, auf den deutschen Markt zu expandieren. Deutsche Absolventen haben daher gute Chancen, einen Job jenseits des Kanals zu finden. Mit einigen Basis-Infos kann aus dem „job seeker“ schnell ein „job holder“ werden.

Wie in Deutschland gibt es auch in England verschiedene Wege, um den richtigen Job im richtigen Unternehmen zu finden. Am meisten Sinn macht es, den potenziellen englischen Arbeitgeber direkt zu kontaktieren. Wer sich aber zuerst einmal in Deutschland informieren möchte, kann sich an den Deutschen Akademischen Austauschdienst oder den British Council wenden – zwei Anlaufstellen, die bei der Stellensuche behilflich sind und Listen mit möglichen Vermittlern zur Verfügung stellen.

Job Centers

Auch in Großbritannien gibt es eine staatliche Stellenvermittlung. Als Pendant zu den deutschen Arbeitsämtern sind die „Job Centers“ nahezu in allen Städten zu finden und können ohne weitere Einschränkungen von ausländischen Interessenten genutzt werden.

Private Agenturen

Als Konkurrenz zu den Job Centers gibt es auch viele private Arbeitsvermittler, die als „employment agencies“ oder „personnel consultants“ bekannt sind. Die Vermittlung ist für die Arbeitssuchenden kostenlos, da die Gebühren vom Arbeitgeber getragen werden. Der einzige Nachteil ist, dass sich die Bewerber in der Regel persönlich vorstellen – mit etwas Geschick dürfte aber von Deutschland aus auch ein Telefoninterview genügen. Ein weiterer nützlicher Anlaufpunkt ist die „Recruitment and Employment Confederation“, der Dachverband der Arbeitsvermittler (www.rec.uk.com Externer Link). Adressen der privaten Vermittler gibt es meist in Universitätsbibliotheken, bei den Industrie- und Handelskammern, in den „Yellow Pages“ (Gelben Seiten) oder in den örtlichen Telefonbüchern.

Online-Portale

Auch in England lohnt sich natürlich das Auswerten der Stellenanzeigen in den großen Zeitungen und Zeitschriften oder das Durchforsten von Online-Stellenportalen. Viele Dienste und Zeitungsstellenmärkte sind mittlerweile auch über das Internet zugänglich, zum Beispiel:
The Guardian Externer Link
The Times Externer Link
The Daily Telegraph Externer Link
The Financial Times Externer Link

Außerdem die Online-Jobbörsen:
www.monster.co.uk/ Externer Link
www.gradunet.co.uk Externer Link
www.topjobs.net Externer Link

Careers Services

Viele britische Hochschulen bieten "Careers Services" für Stellensuchende an. Careers Services veröffentlichen verschiedene Stellenangebote, helfen den „job seekers“ bei der Bewerbung, vermitteln Sommerpraktika und organisieren „recruitment fairs“ (Firmenkontaktmessen). Nützliche Broschüren können jederzeit bei dem Central Services Unit (CSU – Verband der Careers Services) bestellt werden.

E-Mail statt Geldverschwendung

Hat man die erste Hürde überwunden und ein lukratives Stellenangebot beziehungsweise ein interessantes Unternehmen gefunden, folgt der nächste Schritt – die schriftliche Bewerbung. Die äußere Gestaltung der Bewerbungsunterlagen findet in England weitaus weniger Aufmerksamkeit als in Deutschland. Die meisten Personalverantwortlichen bevorzugen daher eine E-Mail-Bewerbung. Hochwertige Bewerbungsmappen werden meist nur belächelt und sind oftmals verschwendetes Geld, da die Unterlagen im Falle einer Absage nicht wie hierzulande zurückgeschickt werden, sondern im Schredder landen.
Grundsätzlich sollten sich die Bewerbungsunterlagen aus zwei Bausteinen zusammensetzen: dem „Covering Letter“ (Anschreiben) und dem „Curriculum Vitae“ (Lebenslauf).

Selbstbewusst und originell

Aus dem Anschreiben sollte der Personalverantwortliche direkt erkennen, für welche Stelle sich der Interessent bewirbt. Dabei sollte sich der Bewerber nicht zurückhalten, sondern den Leser von der persönlichen Qualifikation für die Position überzeugen, die Motivation für die Bewerbung zum Ausdruck bringen und eventuell auch durch Originalität auffallen.

Curriculum Vitae

Genau wie das Anschreiben soll auch der Lebenslauf beim Personalentscheider Aufmerksamkeit und Interesse wecken. Schriftliche Arbeitszeugnisse oder komplette Biografien sind in Großbritannien nicht üblich, sie werden daher in der Bewerbung auch nicht erwartet. Der typische englische CV enthält üblicherweise kein Foto, wird weder datiert noch unterschrieben und setzt sich aus den folgenden sechs Bausteinen zusammen:

Personal details: Name, Adresse, Telefonnummer, E-Mail

Education: Dieser Part enthält eine ausführliche Darstellung der Schul- und Berufsausbildung mit Angabe der Abschlussfächer und der einzelnen Noten. Im Gegensatz zu vielen deutschen Lebensläufen ist der CV immer in antichronologischer Reihenfolge aufgebaut

Practical Experience: Aktuelle Berufs- und Praxiserfahrungen. Bei spezifischen Berufsbezeichnungen oder Bildungsgraden kann der deutsche Name beibehalten und der englische in Klammern ergänzt werden

Additional skills: Computer und Sprachkenntnisse

Personal interests: Sonstiges, wie außeruniversitäres Engagement und (sportliche) Hobbys, die in Großbritannien einen hohen Stellenwert einnehmen

References: „References available on request“ – natürlich sollte man sich vorher mit den genannten Personen über positive Empfehlungen abgesprochen haben

Die Kenntnis mehrerer Sprachen –insbesondere die Kombination Deutsch – Englisch – ist für Bewerber ein großer Vorteil.
Also dann, Mut zur Bewerbung! Wenn alles klappt, muss nur noch das Vorstellungsgespräch oder Assessment Center erfolgreich überstanden werden, bevor es losgeht in Richtung England.

DER AUTOR:

Marcus Bingenheimer-Zimmermann kennt sich mit englischen Bewerbungs-Basics aus. Seit April 2004 ist er Personalreferent bei der Krombacher Brauerei, Bernhard Schadeberg GmbH & Co. KG. Von Dezember 2003 bis März 2004 arbeitete er bei Porsche Cars Great Britain Ltd. in London an einem Projekt zur Optimierung des Recruitmentprozesses, vorher studierte er BWL-Personalmanagement an der FH Pforzheim.

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Steckbrief „England“

Was kostet…:

…ein Kaffee: 2 £ oder 1,50 £ ein Earl’s Grey (Tee)

…ein Snack: 3 £ (Baked Beans and sausages)

…ein Abendessen: ab 8 £

…ein Abend mit Freunden: kann teuer werden

Was ist…

…besonders günstig? Sportartikel (Schlussverkauf ist das ganze Jahr – Buy 1 get 1 free)

…besonders teuer? Sehenswürdigkeiten, einfache Bahntickets und Nachtschwärmen

Alltag:

Sprache: englisch (mit oftmals sehr unterschiedlichen Dialekten)

Wohnen: in kleinen Häusern, die als WG genutzt werden

Lebensmittel: am besten selbst ein Bild verschaffen

Gehalt: niedriger als in Deutschland, aber auch geringere Abgaben

Vorsorge: Auslandskrankenversicherung.

Joballtag: Arbeitszeit wird recht genau eingehalten, viel Spaß mit Kollegen

Gern gesehen? Manschettenknöpfe, fliederfarbene Hemden

Tabu? Jeans bei der Arbeit

Besonderheiten: Pubs schließen um 23:00 Uhr,


(Nach den England-Erfahrungen von Marcus Bingenheimer-Zimmermann)


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