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Ausland

05.05.2003

Bankenwesen: Karrierechance London

von Robert Piterek
Journal

Stagnierende Konjunktur, Globalisierung und Aktien-Baisse: Drei Schlagworte, die das Dilemma in der Kreditwirtschaft und die Gründe für den massiven Stellenabbau der vergangenen Jahre beschreiben. Die fehlenden Berufsperspektiven in Deutschland drängen gut ausgebildete Banker zunehmend ins Ausland: In London sind Kenner des deutschen Aktienmarktes mit guten Sprachkenntnissen weiterhin gefragt.

Mit Personalabbau, Fusionen und Filialschließungen versuchen die Banken in Deutschland die Lage wieder in den Griff zu bekommen: Auf Kosten vieler erfahrener Finanzexperten, die nicht bereit sind den Beruf zu wechseln. Wer flexibel und mobil ist, ist auch heute nicht gezwungen seine Karriere abzubrechen. Möglichkeiten hierzu bietet beispielsweise Europas Bankenplatz Nr. 1, die britische Hauptstadt London. Von den zirka 80.000 in London lebenden und arbeitenden Deutschen ist etwa jeder vierte Banker. Die Arbeitsmarktlage in Großbritannien ist für Finanzexperten zwar auch nicht völlig entspannt, Kenner des deutschen Wertpapiermarktes und erfahrene Banker mit Spezialwissen stehen in London aber alle Türen offen, wenn sie gleichzeitig über gute Sprachkenntnisse verfügen. Hinzu kommen muss auch die Bereitschaft, in einer Stadt mit horrenden Mieten und Preisen zu leben und sich an die Gepflogenheiten der britischen Finanzwelt anzupassen. Dafür ist Langeweile in diesem Schmelztiegel der Kulturen ein Fremdwort.

Banker in London: soziale Kontakte wichtiger

Das Leben eines Bankers in London ist wesentlich stärker von sozialen Kontakten auch außerhalb des Büros geprägt. Treffen im Pub nach der Arbeit oder der gemeinsame "Lunch" mit Kollegen gehören zum britischen Geschäftsverständnis. Hier werden die Ereignisse des Tages rekapituliert und diskutiert - und Kontakte geplegt.

Tipp für Newcomer: Der Towel-Club

Das deutsche Urlauber in Mallorka bei der Schlacht um die besten Liegeplätze am Strand immer eine Nase vorn haben, wurmt die Briten offenbar sehr. Damit das Klischee nicht in Vergessenheit gerät, haben sie den Klub der deutschen "Ex-Patriots" Towel-Club genannt. Der Klub ist einer in London lebenden Bankerin zufolge eine gute Adresse, um so manchen guten Tipp zu bekommen. Insiderinformationen zu "bezahlbaren" Wohnungen bespielsweise. Denn Banker, die sich in der britischen Hauptstadt niederlassen, zahlen für eine Zwei-Zimmer-Wohnung schnell einmal
den Preis, den ein Haus mit Garten in bester Wohnlage in einer deutschen Großstadt kosten würde. Erst wer einen Wohnsitz nachweisen kann, darf ein Bankkonto eröffnen.

Neu-Londoner müssen sich außerdem um folgende Dinge kümmern:

  • Social Insurance Number: Die Sozialversicherung ist in Großbritannien auch für den Einzug der Steuern zuständig. Ausländer werden vor der Vergabe ausführlich nach Herkunft, Familie und Beruf befragt. Die Versicherungsnummer kann bei der so genannten Benefit Agency beantragt werden.

  • Krankenversicherung:Beiträge an die staatliche Krankenversicherung zahlen alle.
Besonderheiten des britischen Steuersystems

Das Steuerrecht auf der Insel ist im Gegensatz zum deutschen sehr einfach: abgesetzt werden kann nichts. Den jährlich anfallenden Papierkrieg wegen der Einkommenssteuer kann man sich in London allerdings sparen: Den übernimmt die Steuerbehörde auf Wunsch kostenlos.

Quelle: Süddeutsche Zeitung


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