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Ausland

14. November 2001

Der kleine Unterschied

von Anne Thesing
Journal

Schon im eigenen Land, dessen Mentalität man kennt und dessen Sprache man beherrscht, ist die Zusammenstellung der Bewerbungsmappe kein Kinderspiel. Wie viel aufwändiger muss es da sein, sich für ein Unternehmen im Ausland zu bewerben. Oder?

Bei der Suche nach einem neuen Job kann Auslandserfahrung ein entscheidender Pluspunkt sein. Bewerber, die bereits längere Zeit im Ausland gearbeitet haben, gelten als interessierte und offene Menschen, die sich gerne neuen Herausforderungen stellen. Doch die verbesserten Jobchancen in Deutschland sollten nicht das entscheidende Motiv für einen Arbeitsaufenthalt im Ausland sein. Persönliches Interesse an dem entsprechenden Land, Flexibilität, Toleranz und Sprachkenntnisse sind wichtige Voraussetzungen, damit der Auslandsaufenthalt zu einem beruflichen und persönlichen Erfolgserlebnis wird.

Auf die nicht immer leichte Suche nach einem geeigneten Job im Ausland folgt „nur“ noch das Zusammenstellen der Bewerbungsunterlagen, die nicht nur auf den Job, sondern auch auf das jeweilige Land zugeschnitten sein sollten. Wie klein aber fein die Unterschiede von Land zu Land sind, zeigen schon unsere nächsten Nachbarn Großbritannien und Frankreich.

Applying for a job ... in Great Britain

Großbritannien ist ein bei deutschen Bewerbern sehr beliebtes Land – nicht nur aufgrund der Sprache, die uns allen aus der Schulzeit bekannt ist und bei Bedarf relativ schnell aufgefrischt werden kann. Auch Land und Leute haben einiges zu bieten. Die Briten wissen das Interesse ausländischer Bewerber an ihrem Land zu schätzen und empfangen sie mit herzlicher Offenheit am neuen Arbeitsplatz.

Deutsche Bewerber müssen beachten, dass sie im Vergleich zu ihren britischen Mitbewerbern relativ alt sind. In Großbritannien starten junge Menschen oft schon mit 21 oder 22 Jahren nach Abschluss des Bachelor ins Berufsleben. Deutsche Absolventen sollten also durchaus betonen, dass ihr relativ später Abschluss eher dem eines britischen Master – also eines „postgraduate degree“ – entspricht.

Covering letter

Mit dem „covering letter“, dem Anschreiben, will der Bewerber wie in Deutschland das Interesse nach weiteren Informationen wecken und den Personalentscheider von seinen Qualifikationen überzeugen. Das englische Anschreiben umfasst folgende Bestandteile (von oben nach unten):

  • Absender: Adresse und Telefonnummer (rechts)
  • Datum (rechts)
  • Adressat: Name, Position, Firma, Postadresse (links)
  • Anrede: „Dear Mr ..., Dear Ms ...,“
  • Betreff
  • Brieftext
  • Grußformel: „Yours sincerely,“
  • Name, Unterschrift

Inhaltlich sollte das Anschreiben zunächst den Grund für die Bewerbung – meist eine Stellenanzeige – nennen. Anschließend wird „Werbung in eigener Sache“ betrieben, zum Beispiel anhand einiger zum gewünschten Job passender Stationen aus dem Lebenslauf. Zum Schluss bekundet der Bewerber höflich und zurückhaltend sein Interesse an einem persönlichen Gespräch.

Das Schreiben sollte maximal eine Seite lang, immer persönlich an die zuständige Person adressiert und frei von Fehlern sein. Am sichersten fährt, wer seine Bewerbungsunterlagen vor dem Gang zum Briefkasten von einem Muttersprachler Korrektur lesen lässt – dies gilt übrigens für alle Länder und Sprachen.

Englisches Curriculum Vitae

Der englische Lebenslauf sollte klar und leserfreundlich gegliedert sein. Auf den maximal zwei Seiten beginnt er zeitlich in der Gegenwart und bewegt sich chronologisch in die Vergangenheit hinein. Diese umgekehrt chronologische Reihenfolge wird auch bei deutschen Bewerbungen immer häufiger gewählt und ist in Großbritanien Standard.

Ähnlich wie der deutsche besteht der englische Lebenslauf aus folgenden Teilen:
  • Personal details: Vorname, NAME, Adresse, Telefon mit internationaler Vorwahl, Geburtsdatum, Nationalität
  • Education
  • Practical Experience
  • Additional skills (zum Beispiel EDV- und Sprachkenntnisse)
  • Personal interests
  • eventuell der Zusatz „References available on request“
  • Sofern bestimmte Berufsbezeichnungen, Bildungsgrade oder Institutionen genannt werden, kann die deutsche Bezeichnung beibehalten und die englische Entsprechung in Klammern genannt werden

Anders als in Deutschland wird der Lebenslauf in England weder datiert noch unterschrieben. Wenn ein Foto verlangt wird (was nicht immer der Fall ist), sollte die Bildqualität einwandfrei sein: Also kein Foto aus dem Automaten ziehen, sondern einen guten Fotografen aufsuchen!

Das Kopieren der Zeugnisse kann man sich bei einer Bewerbung in England sparen, da den Unterlagen keine Zeugniskopien beigelegt werden. Stattdessen sollten die Originale zum Vorstellungsgespräch mitgebracht werden.

Die „Verpackung“ der Bewerbung spielt eine sehr viel geringere Rolle als in Deutschland. Oft reicht schon ein einfacher Umschlag – da die Bewerbungsunterlagen normalerweise nicht zurückgeschickt werden, können so unnötige Kosten gespart werden.

Nach Eingang der Bewerbung schicken einige Unternehmen dem Bewerber ein standardisiertes Formular, das Lebenslauf und Anschreiben ergänzen soll und Fragen zur Person des Bewerbers stellt. Den Personalentscheidern geben diese Formulare einen schnellen Überblick, den Bewerbern können sie bei der Vorbereitung auf das Vorstellungsgespräch helfen. Vor dem Abschicken also unbedingt das Formular kopieren!

Trouver un emploi ... en France

Wie in Großbritannien liegt auch in Frankreich das durchschnittliche Berufseinstiegsalter deutlich unter dem deutscher Hochschulabsolventen. Auch hier muss also das relativ hohe Alter möglicherweise begründet werden – beispielsweise mit der größeren Erfahrung des älteren Bewerbers.

Der Zugang zur französischen Mentalität erfolgt vor allem über die französische Sprache, in der selbst in internationalen Unternehmen kommuniziert wird. Entsprechend großer Wert wird schon bei der Bewerbung auf korrekte Formulierungen gelegt.

Lettre de présentation

In Frankreich ist es üblich, die „lettre de présentation“, das Anschreiben, handschriftlich zu verfassen, da einige Unternehmen die Schrift der Bewerber von einem Grafologen untersuchen lassen. In der letzten Zeit geht allerdings auch hier der Trend zum maschinengeschriebenen Begleitbrief.

Das Anschreiben sollte maximal eine Seite lang, die Sprache höflich und zurückhaltend sein. Es gliedert sich in folgende Teile (von oben nach unten):
  • Absender: Vorname, Name, Adresse, Telefon (links)
  • Datum (rechts)
  • Adressat (rechts)
  • Betreff (links)
  • Anrede: „Monsieur,“ „Madame,“ oder „Messieurs,“ (ohne Nennung des Nachnamens)
  • Brieftext
  • Höflichkeitsformel: zum Beispiel „Je vous priee d'agréer, Monsieur, l'assurance de mes sentiments distingués.“
  • Name und Unterschrift

Inhaltlich soll das französische Anschreiben folgende Punkte ansprechen:
  • Grund für den Brief (Bezug auf die Stellenanzeige)
  • Warum bin gerade ich für diesen Job geeignet?
  • Hinweis auf weiterführende Informationen im Lebenslauf
  • Interesse an einem Vorstellungsgespräch

Französisches Curriculum Vitae

Der französische Lebenslauf muss klar und übersichtlich gegliedert sein und alle für die betreffende Position relevanten Daten herausstellen.
Oben links erscheinen die Angaben zur Person (Vorname, NAME, Adresse, Telefon, Nationalität, eventuell Geburtsdatum, Familienstand und Kinder). Das Foto wird – falls verlangt – oben rechts auf den Lebenslauf geklebt.

Grundsätzlich sollte das Curriculum Vitae über folgende Punkte informieren:
  • Formation: Da die Franzosen großen Wert auf renommierte Schulen legen, sollten die Hochschulnamen und eventuell die erfolgreiche Teilnahme an „Hochschulrankings“ unbedingt erwähnt werden.
  • Deutsche Berufsbezeichnungen und Abschlüsse müssen eventuell übersetzt oder erklärt werden.
  • Langues
  • Expérience professionelle
  • Divers: Sport, Hobbys und andere Aktivitäten

Die Reihenfolge der einzelnen Punkte kann je nach Zielsetzung variieren. Die relevanten Punkte sollten zuerst erscheinen, innerhalb der einzelnen Bereiche muss jedoch eine chronologische Ordnung eingehalten werden – entweder von der Gegenwart zur Vergangenheit oder umgekehrt.

Der Lebenslauf wird auch in Frankreich weder datiert noch unterschrieben, und auch auf Zeugniskopien kann verzichtet werden. Die Unterlagen können gefaltet und ohne weitere Hülle in einem Umschlag verschickt werden, da auch französische Unternehmen die Mappe in der Regel nicht zurückschicken.

Wer bei seiner Bewerbung all diese Punkte beachtet und fachlich wie auch persönlich für den gewünschten Job geeignet ist, hat gute Chancen, zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen zu werden. Und wer weiß, vielleicht können schon bald die Koffer für einen neuen Job in einem neuen Land gepackt werden.

Adressen zur Jobsuche im Ausland:
Der Europaservice der Bundesagentur für Arbeit ist die zentrale Informationsplattform des neuen Europaservice der Bundesagentur für Arbeit (ES-BA). Die Web-Seite der ES-BA enthält aktuelle Informationen zu 31 europäischen Arbeits- und Bildungsmärkten. Sie bietet Erstinformation für Arbeitnehmer, die Arbeits- oder Weiterbildungsmöglichkeiten im europäischen Ausland suchen, für Studierende, für Auszubildende sowie für junge Leute, die zwischen Schule und Beruf nach Jobs und Praktika im Ausland suchen.

Dort erhalten diese Kundengruppen einen einfachen und übersichtlichen Zugang zur Gesamtpalette der europabezogenen Dienstleistungen der Bundesagentur für Arbeit.
www.europaserviceba.de Externer Link

Weitere nützliche Infos gibt es bei:
Martina Schulze / Stefanie Winter: Berufschancen im Ausland, FALKEN Verlag 2000, ISBN 3-8068-2574-2.

Anthony Lee / Sylvie Lebar-Börmann / Karl-Heinz Brücher / Gerda Niemann: Bewerben in Europa, FALKEN Verlag 2000, ISBN 3-8068-2370-7.


Informationen über Krankenversicherungs- und Gesundheitssysteme in England:
www.ess-europe.de Externer Link




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