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Ausland

08.09.2003

AufBAUarbeit

von Ralph Matschinsky
Journal

In Entwicklungsländern wird die Hilfe qualifizierter Bauingenieure dringend benötigt. Sei es, um die Wohnsituation zu verbessern, hygienische Wasserstellen zu bauen oder Zufahrtspisten anzulegen. Beispiele aus Mali, Kamerum und dem Jemen (mit Bildergalerie).

Der Deutsche Entwicklungsdienst (ded) arbeitet zurzeit in 46 Ländern Afrikas, Asiens und Lateinamerikas. Allein in Afrika sind mehr als die Hälfte der insgesamt rund 900 Entwicklungshelfer im Einsatz. Die Helfer beschäftigen sich vor allem mit ziviler Konfliktbearbeitung und Friedensförderung, ländlicher Entwicklung, Ressourcenschutz, Gesundheit und sozialen Grunddiensten, Förderung der Zivilgesellschaft, Kommunaler Selbstverwaltung sowie Wirtschafts- und Beschäftigungsförderung. Zum letztgenannten Bereich gehören auch die rund 250 Arbeitsplätze der handwerklich/technisch orientierten Berufe sowie die der Bauingenieure, die in ganz unterschiedlichen Bereichen zum Einsatz kommen. Die folgenden Beispiele geben Einblick in die vielfältigen Mitarbeitsmöglichkeiten.

Bessere Wohnsituation im Jemen

In Shibam/Nord-Ost-Jemen werden Bauingenieure im Bereich der Lehmbau- und Altstadtsanierung eingesetzt. Konkret geht es um die Verbesserung der Wohnsituation in den historischen Gebäuden der Altstadt hinsichtlich der Bausubstanz und der Sanitärinstallationen. Kooperationspartner sind die GTZ (Deutsche Gesellschaft für technische Zusammenarbeit) und die lokale Partnerorganisation. Dabei müssen die besonderen Eigenarten der Lehmbauweise berücksichtigt werden. Durch das Vorhaben sollen die Entwicklung der städtischen Infrastruktur, der Gesundheits- und Erziehungseinrichtungen vorangebracht, die ökonomischen Rahmenbedingungen verbessert und damit die Armut bekämpft werden. Die Stadt soll als Wohn- und Arbeitsort für die Bürger attraktiv und die Altstadt soll ihrer Bedeutung als Weltkulturerbe gerecht werden.
Langfristig soll Shibam die ökonomische und strukturelle Entwicklung der Region Hadramaut vorantreiben. Zielgruppen des Einsatzes sind, neben Partnern und Hauseigentümern, die Bevölkerung der Altstadt und lokale Bauträger. Zu den Aufgaben der Entwicklungshelfer gehören die Mitarbeit an einer Baubestandsanalyse, Eignerberatung (Kosten, Standards, Sanierungsmaßnahmen), Budgeterstellung, Ausbildung und Beratung der lokalen Bauträger sowie Ausbau und Verbesserung der Baudokumentation.

Sauberes Trinkwasser in Kamerun

In Kamerun unterstützt der ded zusammen mit verschiedenen Ministerien, der katholischen Diözese Eséka und der deutschen Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) das lokale Trinkwasserversorgungsprogramm „Provillage“. Ziel ist es, den Dorfbewohnern den Zugang zu hygienisch unbedenklichem Trinkwasser zu ermöglichen. In Zusammenarbeit mit einem kamerunischen „Counterpart“ nehmen die Entwicklungshelfer folgende Aufgaben wahr: Koordination der Bauaktivitäten (Organisation des Bauhofs, der Animation, Bauüberwachung, Materialbeschaffungen, Abrechnungen und Leistungserfassung), Organisation hydrogeologischer Messungen (Festlegung der Brunnenbauplätze), Wasseranalyse, Nachhalten von Programminhalten und Sitzungsbeschlüssen im Projekt, interne Finanzkontrolle, Qualitätskontrolle sämtlicher Baumaßnahmen, Aus- und Weiterbildung der Projektmitarbeiter in Organisation, Verwaltung und Technik, Organisation von Weiterbildungsveranstaltungen für die Zielgruppen, Budgetplanung, -begleitung und -kontrolle sowie das progressive Delegieren von Aufgaben an die Partnerorganisation.

Staumauern und Pisten in Mali

In Mali beschäftigt sich ein von der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) finanziertes Projekt mit der Rehabilitation von Staumauern, dem Bau von Kleinststaumauern sowie dem Ausbau von Dorfzufahrtspisten und Hauptpisten. Die Funktionen des Bauherrn und der Bauüberwachung dieser Pisten liegen beide in der Hand der Projektmitarbeiter. Koordinationsbedarf ergibt sich aus den unterschiedlichen Arbeitsfeldern, dem großen Interventionsgebiet, der Anzahl von über 100 malischen Mitarbeitern sowie aus den eingegangenen Verpflichtungen gegenüber der KfW. Der Entwicklungshelfer hat als Koordinator gegenüber dem malischen Chef de Projét, der sein Vorgesetzter ist, eine beratende Funktion. Die Aufgaben des Baukoordinators umfassen die Finanzabwicklung und das Finanzmonitoring, die Koordination des ded-Beitrags, die fachliche Beratung der einheimischen Fachkräfte, der Entwicklungshelfer und der lokalen Partnerorganisationen im Staudammbau und Erosionsschutz, die Koordination der Bereiche Bautechnik und Animation sowie den Aufbau einer Datenbank für die Staumauern.
Darüber hinaus werden Bauingenieure als Berater in handwerklichen Ausbildungszentren und bei Klein- und Kleinstunternehmen sowie deren Verbänden eingesetzt.

Fachliche und persönliche Kompetenzen

Für den Einsatz in solchen Projekten müssen bestimmte Grundvoraussetzungen gegeben sein. Neben körperlicher Gesundheit gehören dazu eine abgeschlossene Berufsausbildung, mindestens zwei Jahre einschlägige Berufserfahrung, gute Fremdsprachenkenntnisse (Französisch und Englisch), soziales Engagement, Toleranz, Einfühlungsvermögen und Konfliktfähigkeit, pädagogisch-didaktisches Geschick, Improvisationstalent und Personalführungskompetenz. Welche Fähigkeiten und Eigenschaften wie wichtig sind, hängt von den einzelnen Arbeitsplätzen ab und kann stark variieren.
Entscheidend ist auf jeden Fall die Freude am Kennenlernen anderer Menschen und ihrer Kultur, die Offenheit und Bereitschaft, sich auf das Leben und Arbeiten in dieser fremden Kultur einzulassen und die Bereitschaft, unter schwierigen Rahmenbedingungen (Klima, geographische und politische Lage, mangelnde Infrastruktur) zu arbeiten.

Gute Vorbereitung

Der Regelvertrag bei einer Erstentsendung umfasst eine Vertragslaufzeit von mindestens zwei Jahren zuzüglich einer zwei- bis dreimonatigen Inlandsvorbereitung. Bei dieser Vorbereitung in Deutschland geht es zum Beispiel um das Erlernen der Landessprache, den Erwerb von Methodenkenntnissen und um eine landeskundliche Vorbereitung. Es folgt eine zweimonatige Vorbereitung im Partnerland, in der Sprachkenntnisse weiter vertieft und landesspezifische Besonderheiten mit Blick auf den künftigen Arbeitsplatz behandelt werden.
Eine gute Gelegenheit für Berufsanfänger ist das ded Nachwuchsförderprogramm (NFP). Im Rahmen dieses Programms erhalten Berufsanfänger die Möglichkeit, sich unter den Bedingungen eines Stipendiums und unter besonderer Begleitung durch langjährig auslandserfahrene Entwicklungshelfer ein Jahr Berufspraxis im Ausland anzueignen. Dieses Stipendiatenprogramm bietet Berufsanfängern bis 28 Jahre einen qualifizierten Einstieg in die vielfältigen Tätigkeiten in der Entwicklungszusammenarbeit und kann verschiedene Möglichkeiten einer anschließenden Tätigkeit im In- und Ausland eröffnen.
Entwicklungshelfer erhalten ein Unterhaltsgeld, dessen Höhe von Land zu Land entsprechend des jeweiligen Kaufkraftausgleichs variiert. Als weitere Leistung erhalten sie nach ihrer Rückkehr eine Wiedereingliederungsbeihilfe, deren Höhe von der Einsatzdauer abhängt. Der ded finanziert außerdem die Wohnung und sorgt für eine umfassende soziale Absicherung.



Ralph Matschinsky
Ralph Matschinsky arbeitete viele Jahre in Bauwirtschaft und Entwicklungsdienst. Heute ist er für den Deutschen Entwicklungsdienst (ded) in Bonn im Fachreferat Wirtschafts- und Beschäftigungsförderung tätig.





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