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Arbeitswelt

02.08.2004

Bewerbung: Vorsicht Stolpersteine

von Gitte Härter

Der Bewerbungsweg kann holprig sein. Auch der ein oder andere Sturz gehört dazu. In diesen Phasen heißt es: nicht entmutigen lassen und das Ziel im Blick behalten.

Eine Absage nach der anderen, die Arbeitsmarktlage, persönliche Unsicherheiten oder Lücken im Lebenslauf - die Energie ist auf dem Nullpunkt, Frust stellt sich ein.

So verständlich Mutlosigkeit, Ärger und Wut auch sind: Sie blockieren sich damit. Denn Frust hat Auswirkungen darauf, wie Sie sich bewerben, wie aktiv Sie im Bewerbungsprozess sind, wie es Ihnen persönlich geht und was Sie ausstrahlen.

Wichtig ist, mit diesem - völlig verständlichen - Frust umzugehen und sich nicht davon unterkriegen zu lassen.

Sehen Sie dem Frust ins Auge!

Umgehen mit Frust heißt nicht, die rosarote Brille aufzusetzen und so zu tun, als ob nichts sei: Ihre Erfahrungen, Ihre Ängste und natürlich auch eine schwierige Arbeitsmarktsituation sind tatsächlich vorhandene Schwierigkeiten und Hindernisse. Wichtig ist jedoch, sich konkret mit Ihrem Frust auseinander zu setzen und sich einmal schriftlich Gedanken darüber zu machen:

- Was genau frustriert mich alles?
- Wie hat sich das bereits auf mich ausgewirkt: persönlich und auch in Bezug auf meine Aktivitäten?
Gehen Sie hier so stark ins Detail wie möglich. Nur an der Oberfläche zu bleiben mit Pauschalaussagen wie "Mich frustriert, dass ich keinen Job habe" oder "Das zieht mich runter", bringt Ihnen überhaupt nichts. Das wissen Sie bereits.

Ein Beispiel: Die Bewerberin hat ihren Job im Marketing verloren. Anfangs war sie noch ganz optimistisch und hat sich voller Energie beworben. Nach mehreren Wochen und Dutzenden von Absagen ist sie nicht mehr sicher, was sie überhaupt kann. Die Bestätigung, die sie früher aus der Arbeit gezogen hat, fehlt ihr. Nach und nach wird sie immer unsicherer und traut sich nicht mehr, sich auf bestimmte Jobangebote zu bewerben. Sie glaubt, dass sie anspruchsvolle Stellen ohnehin nicht bekommen werde und wenn, dass sie den Anforderungen nicht gewachsen sei.

Hier konkret zu werden, bedeutet zu erkennen, dass das Selbstbewusstsein schwer gelitten hat: Die Bewerberin hat kein Vertrauen mehr zu sich und ihren Fähigkeiten. Die Auswirkungen könnten so aussehen: Sie ist extrem nervös, wenn tatsächlich eine Einladung zu einem Gespräch kommt; sie zögert plötzlich oder gerät ins Stottern, wenn es um Fachfragen geht; sie hält den Blickkontakt zu ihrem Gesprächspartner nicht mehr so gut; sie zieht sich aus ihrem Bekanntenkreis zurück, aus Angst, dass die anderen über berufliche Erfolge sprechen könnten...

Das sind Aspekte einer konkreten und detaillierten Auseinandersetzung mit Frust. Sie erreichen damit zweierlei:

1. Sie sehen den vielen Facetten Ihres Frustes und Ihrer Angst ins Auge.
2. Sie können viel klarer damit umgehen, arbeiten und Lösungen finden.

Übernehmen Sie die Kontrolle!

Und Vorsicht: Machen Sie nicht andere für Ihren Frust verantwortlich. Aussagen wie "Jede Firma stellt derzeit aus", "Allen Firmen geht es schlecht", "Jede Firma möchte Mitarbeiter Anfang 20 mit 15 Jahren Berufserfahrung" sind nicht nur falsch, sondern auch wenig hilfreich: Sie müssen mit Ihrer Situation umgehen, Sie müssen aktiv werden.

Konservieren Sie nicht Ihren Frust auf der Basis undifferenzierter Propaganda. So richtig schlecht geht es Ihnen nämlich, wenn Sie sich ganz als Spielball der Umstände fühlen.
Sie werden sehen, dass Ihnen bereits das intensive Auseinandersetzen mit Ihrem Frust ein besseres Gefühl gibt und Sie sich wieder mehr als Herr oder Frau der Lage sehen.

Ein ganz wichtiger Aspekt ist auch, dass Sie Ihren Alltag in Zeiten der Arbeitssuche organisieren und sich Ziele setzen:

- Nehmen Sie sich ein realistisches Pensum vor und machen Sie Erfolgskontrollen.

- Organisieren Sie Ihren Tag sinnvoll. Betrachten Sie Ihre Bewerbungsaktivitäten als "Arbeit" und stehen Sie morgens regelmäßig auf. Gönnen Sie sich aber auch Freizeit.

- Entscheiden Sie sich für unterschiedliche Wege der Stellensuche. Seien Sie aktiv. Verlassen Sie sich nicht nur auf Zeitungsanzeigen: Gerade bei schlechter Arbeitsmarktlage werden die Stellenmarktteile auch deshalb ziemlich dünn, weil Unternehmen viele Initiativbewerbungen erhalten und deshalb gar nicht erst Anzeigen zu schalten brauchen.

Stellen Sie sich in den Mittelpunkt!

Sehr wichtig ist es, dass Sie sich um sich persönlich kümmern. Dazu gehört beispielsweise, dass Sie sich entspannen. Das klingt vielleicht seltsam und ist in einer angespannten Situation alles andere als leicht: Dennoch ist es der Schlüssel dazu, Ihr Wohlbefinden zu steigern, um aktiv sein und einen überzeugenden Eindruck machen zu können.

Wenn Sie schon länger arbeitssuchend sind, dann kennen Sie das Gefühl: Trotz viel freier Zeit stehen Sie unter Stress. Sie haben ein schlechtes Gewissen, wenn Sie gerade mal nichts tun, spazieren gehen oder fernsehen, denn Sie sollten sich ja eigentlich um die Bewerbung kümmern. Doch hektischer Aktionismus nützt Ihnen gar nichts. Besser ist es, sinnvoll ausgewählte Firmen anzuschreiben und gute, vor allem individuelle Bewerbungen zu verschicken, statt massenweise Bewerbungen zu versenden, die mehr oder weniger Fließbandware sind.

Nehmen Sie sich Auszeiten und kümmern Sie sich um Ausgleich: ob Sport, ob Lesen oder sich tagsüber einfach mal mit einer Zeitung in ein Café setzen - gönnen Sie sich Freizeit und Entspannung.

Ein paar Tipps: Nehmen Sie sich Stress und schlechtes Gewissen, indem Sie Ihren Tag planen: Legen Sie Arbeits- und Freizeit fest. In beiden Disziplinen sind Sie dann viel intensiver bei der Sache.
Kleidung hat einen großen Einfluss auf unser Wohlbefinden und das Selbstbewusstsein. Ziehen Sie sich also "richtig" an, machen Sie sich "schick", auch wenn sie zu Hause sind.

Achten Sie darauf, dass Sie sich gut ernähren und genug trinken. Ihre persönliche Verfassung, auch Ihr Nervenkostüm, wird wesentlich davon beeinflusst, wie Sie sich ernähren. Und vertrauen Sie sich Freunden an. Tun Sie nicht so, als ob Sie Ihre Arbeitslosigkeit einfach so wegstecken, reden Sie über Ihren Frust oder Ihre Zukunftsängste. Signalisieren Sie im vertrauten Kreis, wenn es Ihnen nicht gut geht. Nur dann kann man Ihnen hilfreich zur Seite stehen.

Die Devise lautet: Realistisch sein, mit dem Frust umgehen - aber aktiv in eigener Sache bleiben.

Die Autorin
Gitte Härter ist Coach und Buchautorin aus München
Website mit Online-Tipps: www.selbstmarketing.de Externer Link



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