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Arbeitswelt

24.05.2004

Gute Zeiten für Frauen? Eine Insiderin berichtet von einem Workshop der besonderen Art.

von Anja Czerny

Das Diversity-Konzept fördert die berufliche Eingliederung von Behinderten, Homosexuellen, Ausländern und Frauen. Frauen? Genau, denn noch immer werden viele Führungspositionen von Männern besetzt. Einige Unternehmen haben es sich jedoch auf die Fahne geschrieben, ein adäquates Verhältnis auch im Management herzustellen. Dass die so genannte "Gender Diversity" allerdings keine positive Diskriminierung darstellt, sondern darüber hinaus oft kühl kalkuliert ist, davon berichtet Anja Czerny. Die BWL-Studentin war bei einem Workshop - ausschließlich für Frauen.


"Und wie sind die Chancen da für Frauen?", fragte mein Vater, wenn ich begeistert von Unternehmen erzählte, in denen ich Praktika absolvierte. Ich reagierte jedes Mal leicht empört. Was ist das denn auch für eine Frage in Zeiten der Gleichberechtigung! Aber er hat ja nicht ganz Unrecht. Nach wie vor finden sich in den oberen Etagen weitaus mehr Männer als Frauen. Wird das immer so bleiben? Sind Frauen vielleicht wirklich nicht gemacht für die Top-Jobs? Und tun Unternehmen hier etwas?

Ja, Unternehmen tun hier etwas. Es ist gerade zwei Monate her, da fand ich in einem Job-Newsletter zufällig ein Seminar-Angebot eines großen Konsumgüterherstellers. Zwei Tage im European Headquarter, Case Study zu einem Produktlaunch, Einblick in sämtliche Funktionsbereiche. Das Besondere? Das Seminar-Angebot richtete sich ausschließlich an Studentinnen. Auf der einen Seite freute ich mich, denn ich als Frau hatte die Chance, mich zu bewerben. Auf der anderen Seite war ich skeptisch: Was steckt dahinter? Ein Seminar nur für Frauen? Macht das Sinn?

Das Unternehmen interessierte mich, das Seminar-Angebot machte mich neugierig, und so bewarb ich mich um die Teilnahme. Ziemlich schnell wurde klar, was das Unternehmen motiviert hatte, ein Seminar nur für Frauen zu organisieren. Das erklärte uns bei der Begrüßung via Video-Konferenz auch der President Western Europe: Diversity - auch Gender Diversity - wird im Unternehmen groß geschrieben. Schmunzelnd musste er eine Zwischenfragerin auch gleich zurechtweisen: "Den Ausdruck "guys" wollen wir hier nicht mehr hören!" In den nächsten Jahren will man ein Frauen-Männer-Verhältnis von 45 zu 55 erreichen - auf allen Management-Ebenen. Das bedeutet, dass heute verstärkt Frauen angesprochen werden müssen.

Das kommt mir - als Frau - doch sehr entgegen. Ich freue mich. Aber gleichzeitig bin ich immer noch skeptisch. Es muss doch Gründe dafür geben, dass sich bisher mehr Männer als Frauen beworben haben. Und grenzt es nicht schon an positive Diskriminierung, wenn dann mehr Frauen als Männer eingestellt werden? Klar, nach wie vor entscheidet die Qualifikation und nicht das Geschlecht allein. Aber warum macht ein Unternehmen das? Sind Frauen als Mitarbeiter nicht "teurer", wenn sie irgendwann eine Familie gründen wollen? Sicher, auch Väter übernehmen mehr und mehr "Familienpflichten", doch es liegt in der Natur der Sache, dass Mütter für eine gewisse Zeit "ausfallen".

Ein Unternehmen hat keinen sozialen Auftrag, es muss also businessbezogene Gründe geben, wenn gezielt Frauen rekrutiert werden sollen. In diesem Fall liegt die Erklärung auf der Hand. Das Unternehmen ist stark im Bereich der Haushaltsprodukte. Diese werden zu 80 Prozent von Frauen gekauft und auch zehn Mal häufiger von ihnen verwendet. Die Konsumentenwelt soll sich also im Unternehmen widerspiegeln. So langsam verstehe ich die Motivation des Unternehmens, sich für uns Frauen als Arbeitgeber attraktiv zu machen. Aber muss denn wirklich eine Quote erreicht werden?

Mehr und mehr bin ich überzeugt. Doch ich denke weiter: Wie sieht das später konkret aus, wenn ich meinen beruflichen Weg gehen und gleichzeitig Mutter werden möchte? Welche Möglichkeiten habe ich dann? Das Seminar bot ausreichend Gelegenheit, Frage um Frage zu stellen. Zehn Manager aus den verschiedenen Funktionsbereichen begleiteten uns während der beiden Tage - sowohl während des Seminars als auch beim gemütlichen Restaurant-Besuch am Abend. Acht von zehn Managern waren Frauen, einige von ihnen waren bereits Mütter, eine unübersehbar eine werdende. Sie erzählten von ihrer Karriere und waren die besten Beispiele dafür, dass es möglich ist, Job und Familie unter einen Hut zu bekommen.

Kernaussage, die ich für mich nach den beiden Seminartagen mitgenommen habe, ist: Solange ich gute Leistungen erbringe, will das Unternehmen mich als Mitarbeiterin behalten und wird auch eine Menge tun, um mich zu unterstützen. Und was das Unternehmen so alles tut, bekamen wir Seminarteilnehmerinnen auch noch schwarz auf weiß: Einige Tage nach dem Seminar erreicht mich per Post eine Broschüre mit dem Titel "Flexible work arrangements". "Reduced work schedule", "Work from home" und "Location free" sind nur drei Schlagworte von vielen, die zeigen sollen, was alles möglich ist.

Ich bin überzeugt. Das Unternehmen hat es geschafft, mich zu begeistern und mir gezeigt, dass ich als Frau mit meiner Karriere- und Familienplanung nicht allein bin. So habe ich mich gleich auch für ein Praktikum beworben. Vielleicht habe ich die Chance, das Unternehmen noch besser kennen zu lernen. Und vielleicht kann ich meinem Vater bald eine ganze Menge erzählen, wenn er wieder fragt: "Und wie sind die Chancen da für Frauen?".

Anja CzernyAnja Czerny, 24, studiert BWL an der Uni Köln und derzeit International Management an der Copenhagen Business School in Dänemark. Die Theorie würzt sie gern mit Praxis-Phasen: Unilever, DIE ZEIT und BBDO sind nur drei ihrer zahlreichen bisherigen Stationen.



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