26.04.2004
Studiert? Qualifiziert? Engagiert!von Dietrich M. Scheringer |
Eine Marktanalyse von Dietrich M. Scheringer
Mit über 780.000 Beschäftigten ist die ITK-Branche nach Maschinenbau und Elektrotechnik die zweitgrößte arbeitgebende Branche. Trotz insgesamt rückläufiger Stellenangebote haben qualifizierte IT-Fachkräfte nach wie vor gute Chancen auf eine Anstellung. Um für die wachsende Nachfrage nach IT-Fachkräften gerüstet zu sein, müssen wir in Deutschland vorausschauend qualifizieren. Deshalb ist gerade hier die akademische Ausbildung aber auch die Weiterbildung von enormer Wichtigkeit. Die aktuelle CDI-Stellenmarktanalyse zeigt, dass die Bedeutung der IT-Qualifizierung steigt. Der Trend geht zum zertifizierten Spezialisten mit themenübergreifenden Kenntnissen auch aus anderen IT-Bereichen. Zu den Gewinnern gehören vor allem Software-Entwickler und SAP-Experten. Der IT-Arbeitsmarkt zieht jetzt schon wieder an. Das liegt zum einen an Zugpferden wie der Mobilfunkbranche oder neuen Technologien wie den Web Services. Zum anderen wurden notwendige Investitionen, beispielsweise in den Bereichen IT-Security und E-Government, lange zurückgestellt und werden jetzt nachgeholt.
Team- und kommunikationsfähig
Zu den Verlierern auf dem IT-Arbeitsmarkt gehören die Arbeitssuchenden, die nicht über eine formale Qualifikation verfügen. So liegt der Anteil der Stellenanzeigen, in denen ein Studium verlangt wird, je nach Berufsbereich zwischen 55 und 65 Prozent - ein deutlicher Anstieg gegenüber 2002 (50 Prozent). Eine Ausnahme ist der Berufsbereich Service/Support. Hier wird nur in 39 Prozent aller Anzeigen eine akademische Ausbildung verlangt. Neben den fachlichen und formalen Qualifikationen weisen IT-Stellenanzeigen einen nochmaligen Anstieg der nachgefragten Schlüsselqualifikationen aus. Dabei entfallen durchschnittlich zwei bis drei Nennungen zu Schlüsselqualifikationen, wie Teamfähigkeit, Kommunikationsfähigkeit, Erfolgsorientierung, Flexibilität etc., auf eine Anzeige. In jeder zweiten IT-Stellenanzeige wird Teamfähigkeit verlangt; in jeder dritten Kommunikationsfähigkeit.
Die Entwickler
Der IT-Arbeitsmarkt wird nach wie vor von den IT-Kernberufen - Software-Entwickler, Datenbanker, Netzwerkadministratoren, IT-Berater und Servicemitarbeiter - beherrscht: 78 Prozent aller IT-Stellenanzeigen entfallen auf dieses Segment. Bei den IT-Kernberufen sind Software-Entwickler auch in diesem Jahr am stärksten gefragt: 30 Prozent aller Stellenanzeigen richten sich an diese Berufsgruppe. Dabei werden bei fast 80 Prozent aller zu besetzenden Stellen Kenntnisse in Programmiersprachen wie C++/Visual C++, Java, C, SQL oder Visual Basic.net verlangt. Eine zunehmend wichtige Rolle spielen Skript- und Markup-Sprachen. Software-Entwickler benötigen neben kombinierten Kenntnissen in den wichtigsten Programmiersprachen übergreifendes IT-Know-how aus den Bereichen Systemsoftware (vor allem Microsoft und Unix), Datenbanken (vor allem Oracle und MS-Datenbanken) und Netzwerke. Die Aufgabengebiete sind spannend und kreativ. Als Voraussetzung für die eigentliche Programmierung entwickeln Software-Entwickler das Konzept und die Struktur der Anwendung hin zu einer Lösung, die die reale Unternehmenswelt abbildet. Sie werden in erster Linie innerhalb der Softwarebranche (Software-/Systemhäuser, IT-Beratung) selbst gesucht aber auch von IT-Anwenderunternehmen (Elektrotechnik, Kfz-Industrie).
Berufe rund um SAP
SAP-Spezialisten werden insgesamt in einem Fünftel aller IT-Stellenanzeigen gesucht - gegenüber 13 Prozent in 2002 ist dies ein deutlicher Zuwachs. Die meisten Anzeigen richten sich an SAP-Berater/-Projektleiter und SAP-Anwendungsentwickler. Die offenen Stellen für SAP-Systemberater/-Administratoren haben sich im vergangenen Jahr verdoppelt, ihr Anteil an den SAP-Stellenanzeigen liegt mittlerweile bei 19 Prozent. Bei fast 60 Prozent der offenen Stellen für SAP-Experten werden Kenntnisse der "klassischen" SAP-Anwenderkomponenten erwartet. Besonders der Bereich Finanzwesen wird immer stärker nachgefragt. Aber auch die neuen Komponenten werden immer häufiger genannt. Der Spitzenreiter hier: SAP Business Warehouse.
Im Bereich SAP stellen Arbeitgeber überdurchschnittlich hohe Anforderungen an die Qualifikation der Bewerber: So wird in 63 Prozent aller Anzeigen ein Studium erwartet. Zudem sollten Bewerber je nach offener Stelle nicht nur über SAP-Know-how, sondern auch über Kenntnisse in Java, Datenbanken, Betriebssystemen, Data Warehouse und Customer Relationship Management verfügen. Die Aufgabenbereiche für SAP-Spezialisten sind sehr abwechslungsreich und dynamisch. SAP-Berater/ -Projektleiter beziehungsweise -Consultants beraten Kunden hinsichtlich der Einsatzmöglichkeiten der SAP-Software und unterstützen deren Implementierung im Unternehmen. Die Aufgaben von SAP-Organisatoren/ -Koordinatoren entsprechen denen des SAP-Beraters, jedoch nehmen die Organisatoren die Rolle eines internen Beraters ein und betreuen die Schnittstelle zwischen der IT-Abteilung und den Fachabteilungen. SAP-Anwendungsentwickler beziehungsweise -Programmierer erweitern mit Hilfe der SAP-eigenen Entwicklungsumgebung und weiterer Tools die Funktionalität der SAP-Software. SAP-Berater werden vor allem von Software-Beratungshäusern gesucht, SAP-Anwendungsentwickler von Software-Entwicklungshäusern. SAP-Systemberater / -Administratoren und SAP-Organisatoren / -Koordinatoren werden überwiegend in Anwenderunternehmen des produzierenden Gewerbes eingesetzt, in zunehmendem Maße auch im öffentlichen Dienst.
Zum Autor:
Dietrich M. Scheringer ist Zentralbereichsleiter Produktentwicklung beim IT-Bildungsträger CDI Deutsche Private Akademie für Wirtschaft GmbH.
Weitere Informationen:
Die komplette Studie "CDI Stellenmarktanalyse 2003" steht im Internet unter www.arbeitsmarkt.cdi.de
als Download kostenlos zur Verfügung.