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Arbeitsmarkt

26.04.2004

Freie Frauen

von Ina Hönicke

Frauen, die in der IT-Branche freiberuflich als Consultants tätig sind, haben eine exzellente Ausbildung absolviert, verfügen über hervorragendes Technik-Know-how und sind darüber hinaus sehr kommunikativ.

Auch die IT-Freiberufler hatten im vergangenen Jahr massiv unter den Sparmaßnahmen der Unternehmen zu leiden. So war es nicht verwunderlich, dass nach Monaten ohne größeren Projektauftrag selbst eingefleischte Consultants den Wechsel in die Festanstellung in Betracht zogen. Allerdings wurde diese Möglichkeit - so Verbandssprecher unisono - eher von Männern als von Frauen angedacht. Wenn sich weibliche IT-Profis einmal für die Freiberuflichkeit entschieden hätten, würde auch eine unsichere wirtschaftliche Lage nicht so schnell daran rütteln können.

Frauen mit Kontinuität,…

Weibliche IT-Freelancer sind zwar keine Exoten - eine Selbstverständlichkeit sind sie indes auch nicht. Ihr durchschnittlicher Anteil liegt laut Schätzungen momentan gerade mal um die zehn Prozent. Demgegenüber bringen es die fest angestellten IT-Expertinnen auf immerhin 20 Prozent. Werner Dostal vom Nürnberger Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung der Bundesanstalt für Arbeit, nimmt den durchschnittlichen Frauenanteil von 20 Prozent einmal genauer unter die Lupe. Während diese 20 Prozent auf die Programmiererinnen zutreffen, schnellt der Frauenanteil auf über 50 Prozent in die Höhe, sobald es sich um Assistenz-Tätigkeiten handelt.

In den Tätigkeitsbereichen Software-Projektierung oder System-Engineering sind dagegen auch nach seinen Zahlen nur wenige Frauen zu finden. Anna Beeger, die bei dem Personaldienstleister Ascena als Bereichsleiterin Rekrutierungs-Management für Freiberufler und Festangestellte tätig ist, bestätigt diesen Trend: "Das ist in der Freelancer-Welt ähnlich. In technischen Bereichen sinkt der Frauenanteil auf zwei oder drei Prozent, während er in Vermittlungs- und übergreifenden Positionen sowie bei Projektassistenz-Stellen deutlich höher liegt." Nach der Erfahrung der Ascena-Managerin kommt es hin und wieder vor, dass für Projekte, in denen vorrangig soziale Skills verlangt werden, sogar ausdrücklich nach einem weiblichen IT-Profi gefragt wird. Als einen Vorteil gegenüber den männlichen Kollegen sieht Beeger die Kontinuität: "Während sich unter den männlichen IT-Profis viele Quereinsteiger oder Umsteiger tummeln, haben die meisten Frauen bereits in jungen Jahren ihre Liebe zur Mathematik und zu den Naturwissenschaften entdeckt, ein Informatik- oder Ingenieurs-Studium absolviert und sich später in der Hard- oder Software-Welt einen Job gesucht."

…Kommunikationsstärke,…

Doris Seidel, die heute bei T-Mobile als Freiberuflerin ein SW-Projekt betreut, ist diesen Weg gegangen. Die Diplom-Ingenieurin besuchte ein Gymnasium mit naturwissenschaftlichem Schwerpunkt und studierte an der Technischen Universität: "Mich hat die Software-Welt und hier speziell der Mobilfunk sehr interessiert." Nach 23-jähriger Festanstellung wagte Seidel vor sieben Jahren den Sprung in die Selbstständigkeit. Sie wollte sich endlich in ihrem Job besser verwirklichen können. "Diesen Schritt habe ich nie bereut", erklärt die Freiberuflerin.

Bei der selbstständigen Tätigkeit würden ihr vor allem ihre guten kommunikativen Fähigkeiten helfen - und zwar sowohl in der Zusammenarbeit mit fest angestellten Kollegen als auch bei der Akquise. Für Frauen, die diesen Weg noch vor sich haben, hat die Diplom-Ingenieurin folgende Tipps parat: "Zunächst einmal ist es ganz wichtig, eine fachliche Zielvorstellung zu haben, an der man konsequent arbeitet. Außerdem muss jedem Freiberufler klar sein, dass die 40-Stunden-Woche meist überschritten wird und auch Sonntagsarbeit zum Job gehören kann." Zwischen weiblichen und männlichen freiberuflichen IT-Spezialisten sieht Seidel keinen großen Unterschied: "In meinem Beruf musste ich mich von Anfang an in einer Männerwelt durchboxen - daran habe ich mich schon längst gewöhnt."

…und Selbstbewusstsein

Martina Weber, EDV-Beraterin aus Berlin, unter anderem bei der BASF als SAP-Entwicklerin tätig, war wie ihre Kollegin lange Jahre fest angestellt. Jetzt ist sie im vierten Jahr als Freelancer tätig: "Ich arbeite gerne selbstständig. Das ist der Hauptgrund für meine Freiberuflichkeit."

In ihrer alten Firma hatte die Diplom-Ingenieurin als Anwendungs- und Systemanalytikerin gearbeitet. Als sie ihrem Chef erklärte, dass sie Interesse an einer Leitungsposition habe, stieß Martina Weber eher auf Erstaunen denn auf große Zustimmung: "Ich merkte rasch, dass ich mit meinem Anliegen nicht gut ankam." Da sie ihre Arbeit schon immer selbstständig organisierte und die Wirtschaftslage damals noch rosig aussah, entschloss sie sich im Jahr 1999 zum Sprung in die Freiberuflichkeit. Um an Projekte heranzukommen, wandte sich die Ingenieurin an professionelle Vermittler, ließ sich in Datenbanken für Freelancer eintragen und hörte sich bei Bekannten um. Kontakte zu Personalvermittlern wie Ascena brachten ihr Aufträge. "Man darf nicht glauben, dass sich der Erfolg automatisch einstellt", betont Weber. "Im Gespräch zu bleiben, ist das Wichtigste."

Ob bei den großen Aufträgen Frauen wirklich eine Chance haben, bezweifelt die Computerexpertin allerdings etwas. In puncto Gehalt findet sie sich momentan im Mittelfeld wieder. Newcomern empfiehlt die IT-Spezialistin ein gutes Selbstbewusstsein und ein noch besseres finanzielles Polster, wenn es mit der Akquise nicht gleich klappt. Ulrich Bode, Sprecher im Beirat für Selbstständige der Gesellschaft für Informatik (GI), fügt hinzu: "Sowohl weibliche als auch männliche IT-Freelancer, die momentan nicht im gemachten Bett sitzen, sollten jetzt alle nur möglichen Marketing-Instrumente einsetzen." Seiner Meinung nach ist die Zeit des Einzelkämpfers heute endgültig vorbei - dementsprechend würden Netzwerke und Partnerunternehmen eine immer wichtigere Rolle spielen. Bode: "Netzwerke haben den großen Vorteil, dass Freelancer sich untereinander - und zwar unabhängig vom Geschlecht - austauschen können."



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